31.08.2026 – Auf Grundlage der bisher verfügbaren Daten zeigen die Berechnungen von Agora Energiewende: Deutschland wird das gesetzliche Klimaziel für 2026 voraussichtlich nicht erreichen.
Im ersten Halbjahr sanken die Emissionen in Deutschland nur leicht – etwa um 7 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalente (Äq). Ein Grund sind die Elektrifizierungserfolge im Verkehr und beim Heizen, die sich positiv auf die Klimabilanz auswirken. Ein Großteil des Rückgangs ist auf eine erneute fossile Energiekrise zurückzuführen. Durch die Blockade der Straße von Hormus im März 2026 stiegen die Gas- und Ölpreise. In der Folge ging die Produktion im Verarbeitenden Gewerbe in der ersten Jahreshälfte zurück, der Lkw-Verkehr auf deutschen Straßen nahm ab und auch der Absatz von leichtem Heizöl brach deutlich ein.
Gleichzeitig erzielten Wärmepumpen und E-Autos neue Absatzrekorde – was sich positiv auf Deutschlands Klimabilanz auswirkte. Der zunehmende Anteil von Wärmepumpen erklärt, dass der Erdgasverbrauch in Gebäuden trotz kaltem Jahresbeginn und höherem Heizbedarf fast konstant blieb.
„Das erste Halbjahr 2026 steht deutlich im Zeichen der fossilen Energiepreiskrise: Erneut wird die deutsche Wirtschaft schmerzhaft von fossilen Preisschocks getroffen“, sagt Julia Bläsius, Direktorin von Agora Energiewende Deutschland.
„Gleichzeitig setzt sich mit den Verkaufsrekorden bei Wärmepumpen und E-Autos der Elektrifizierungstrend bei Verbraucherinnen und Verbrauchern fort. Diese Dynamik sollte die Bundesregierung nutzen und verstärken, indem sie ihre Energie- und Industriepolitik konsequent auf Erneuerbare Energien und Elektrifizierung ausrichtet. Nur so wird Deutschland unabhängiger von fossilen Energien und die Wirtschaft krisenfester“, so Bläsius.
Die fossile Energiepreiskrise belastet die deutsche Volkswirtschaft
Obwohl die Ölimporte in Deutschland – im Vergleich zum Vorjahr – nur um zwei Prozent gestiegen sind und Erdgasimporte sogar um 11 Prozent gesunken sind, belaufen sich die Kosten für den zusätzlichen Import von Erdgas und Rohöl seit Beginn des Konflikts Ende Februar, auf 7,4 Milliarden Euro. Insbesondere an den Tankstellen macht sich der gestiegene Ölpreis bemerkbar. Daraufhin gewährte die Bundesregierung in den Monaten Mai und Juni einen Tankrabatt. Die Gaspreise werden sich zeitversetzt – durch Preissteigerungen und längerfristige Lieferverträge – auf die Heizkosten der Haushalte niederschlagen.
„In Deutschland gibt es Nachholbedarf, um Krisenantwort und Klimaschutz gut zu verbinden. Dabei kommt es darauf an, dass die Bundesregierung Planungssicherheit für klimafreundliche Investitionen für Haushalte, Unternehmen und Kommunen schafft, die Finanzierung von Klimaschutzmaßnahmen ausreichend absichert und Preissignale in Richtung Transformation ausrichtet.“
In anderen Ländern, beispielsweise Frankreich und Spanien, werden andere Klimaschutzmaßnahmen ergriffen: Frankreich hat bereits einen Plan für eine beschleunigte Elektrifizierung vorgelegt, während Spanien den Ausbau erneuerbarer Energien stark beschleunigt.
Für den Fall, dass Deutschlands CO₂-Ausstoß für den Rest des Jahres unverändert bleiben, wird die im Klimaschutzgesetz festgelegte Emissionshöchstgrenze von 625 Millionen Tonnen CO₂-Äq überschritten. Die Berechnungen von Agora deuten auf 635 Millionen Tonnen CO₂-Äq hin – damit gäbe es, verglichen mit dem Jahr 2025, einen Rückgang von 13 Millionen Tonnen CO₂-Äq. Das wären zehn Millionen Tonnen mehr als gesetzlich vorgeschrieben. Um das Klimaziel 2030 erreichen zu können, sind jedoch jährlich Einsparungen in Höhe von rund 40 Millionen Tonnen CO₂ erforderlich. (rp)



