25.06.2026 – Nicht nur für Mensch und Natur ist die aktuelle Hitzewelle eine hohe Belastung. Infolge der extremen Temperaturen steigen auch die europäischen Strompreise in Rekordhöhen.

Bild: Mit den Temperaturen steigen auch die Strompreise. (Design Studio/stock.adobe.com (KI generiert))
Die europäischen Strompreise sind nach Auskunft des Energiedatendienstleisters Montel am Dienstag auf Rekordniveaus gestiegen, da eine intensive Hitzewelle in Zentral- und Westeuropa die Stromnachfrage erhöhte und gleichzeitig die Effizienz wichtiger Stromerzeugungstechnologien verringere. Laut dem Wetterdienst SMHI dürfte die aktuelle Hitzewelle in weiten Teilen Zentral- und Westeuropas bis in die ersten Julitage anhalten.
Belgien führt Preisanstieg an
Belgien verzeichnete laut Börsendaten mit 1.038,25 EUR/MWh für das 15-Minuten-Zeitfenster ab 20:45 Uhr MEZ einen neuen historischen Höchststand beim Viertelstunden-Strompreis. Auch die Niederlande erreichten mit 902,47 EUR/MWh einen neuen Viertelstunden Rekordpreis, während die dänische Gebotszone DK1 auf 786,83 EUR/MWh stieg. In Deutschland, dem größten Strommarkt Europas, erreichten die Viertelstundenpreise im gleichen Abendzeitraum mit 747,10 EUR/MWh ebenfalls ein Rekordniveau.
Daten von Montel EQ zeigten, dass die deutsche Residuallast – also jener Teil der Stromnachfrage, der nicht durch Wind- und Solarstrom gedeckt wird – auf 51,5 GW anstieg und damit mehr als 10,4 GW über dem für diese Tages- und Jahreszeit üblichen Niveau lag.
Hitzewelle legt Schwachstellen des Systems offen
Die derzeitige Hitzewelle schafft eine herausfordernde Kombination von Faktoren für die europäischen Strommärkte. Zwar hat die starke Sonneneinstrahlung die Solarstromerzeugung während der Tagesstunden erhöht, doch extrem hohe Temperaturen verringern die Effizienz von Solarmodulen und begrenzen deren Leistung genau zu dem Zeitpunkt, an dem die Stromnachfrage steigt. Die Effizienz von Solarmodulen sinkt typischerweise um 0,3 % bis 0,5 % pro Grad Celsius, um das die Modultemperatur über 25 °C steigt. Auch Gas-und-Dampf-Kraftwerke (Combined-Cycle Gas Turbines, CCGT) arbeiten bei hohen Temperaturen weniger effizient und verlieren pro zusätzlichem Grad Celsius zwischen 0,5 % und 0,9 % ihrer Leistung.
Gleichzeitig blieb die Windstromerzeugung in weiten Teilen Nordwesteuropas vergleichsweise schwach, wodurch die Abhängigkeit von konventionellen Kraftwerken während der Spitzenlastzeiten zunahm.
Kühlungsbedarf treibt Knappheit am Abend
Mit den steigenden Temperaturen ist die Nachfrage nach Klimaanlagen und Kühlsystemen in Teilen Europas deutlich gestiegen. Die stärksten Preisspitzen traten jedoch während der Abendspitze auf – zu einem Zeitpunkt, an dem die Solarstromerzeugung mit dem nachlassenden Sonnenlicht rasch zurückgeht, während Temperaturen und Kühlungsbedarf weiterhin hoch bleiben. Diese Kombination führte zu Phasen steigender Knappheit und zwang die Märkte dazu, auf zunehmend teure Erzeugungsquellen zurückzugreifen, um Angebot und Nachfrage im Gleichgewicht zu halten. (pq)


