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Überraschungen

03.07.2026 – Für “Aufschwung und Beschäftigung” soll das neue Reformprogramm des Koalitionsausschusses sorgen. Auch für die Energiewirtschaft sind überraschende Ideen dabei.
Ein Kommentar aus der 50,2-Redaktion 

BU: Das Reformpaket des Bundeskabinetts bezieht auch die Energiewirtschaft und insbesondere die Netze ein – mit erstaunlichen Resultaten (Bild: Markus Mainka/stock.adobe.com)

Die große Koalition hat sich ans Werk gemacht und noch vor der Sommerpause in ungewohnter Einhelligkeit ein umfangreiches Reformpaket präsentiert. Die Pläne für Rente, Steuern und Arbeitsmarkt gingen durch alle Medien, wenig Beachtung fanden die Ideen für die Energiewirtschaft respektive die Verteilnetze. 

Doppelte Geschwindigkeit beim Netzausbau  

Hier lesen wir Erfreuliches – so etwa die ehrgeizige Vision, den Zeitraum für die Realisierung von Netzprojekten nicht etwa nur zu verkürzen, sondern tatsächlich zu halbieren. Die Bundesregierung möchte bis Ende des Jahres ein Verteilnetzprogramm auf den Weg bringen, mit dem das möglich werden soll. Hoffen wir, dass dieses neben den angekündigten Verfahrensvereinfachungen auch die notwendigen Mittel sowie konkrete Lösungen für Probleme wie Fachkräftemangel und Lieferengpässe für Betriebsmittel wie Transformatoren enthält.  

Bis zum Beweis des Gegenteils darf man abwarten – prinzipiell ist es ja nicht falsch, einer stark belasteten Branche und ihren Kunden in diesen Zeiten ein wenig Hoffnung zu spenden.  

Visionen für die Digitalisierung

Die Ankündigungen zur Digitalisierung der Verteilnetze hingegen dürften – vorsichtig formuliert – Erstaunen auslösen. So sollen die Ziele für den Smart Meter-Rollout, der jetzt schon problembehaftet ist, nachgeschärft werden. Bereits 2030 – also zwei Jahre früher als geplant – sollen über 90 Prozent der Pflichteinbaufälle erledigt sein. Wäre schön, wenn’s klappt – und sich durch die verschärften Anforderungen auch die zahlreichen technischen Probleme im Feld und in der Infrastruktur in Luft auflösen. 

Doch es wird noch spannender, denn für Kunden, die nicht dem verpflichtenden Rollout unterliegen, wurde doch tatsächlich einmal wieder das “Smart Meter Light” aus der Versenkung geholt. Ungeachtet der Sinnhaftigkeit einer solchen Technologie fragt man sich spontan, wo diese kurzfristig in großen Stückzahlen herkommen soll, was der MSB dafür berechnen darf – und vor allem: was nun aus dem freiwilligen Einbau intelligenter Messsysteme wird, der ja sowohl für die Kund:innen als auch für Vertrieb und VNB deutlich größere Potenziale bietet als ein Gerät, das lediglich digital Verbrauchsdaten überträgt. Wie man eine solche Technologie “cybersicher” gestaltet und wie sie dazu beiträgt, Stromrechnungen zu “optimieren”, erfährt man mit Sicherheit später aus dem Bundeswirtschaftsministerium… 

Noch mehr Arbeit wird in Frau Reiches Haus aber wohl die Entwicklung der versprochenen “zentralen Datenplattform” machen, auf der “alle wichtigen Daten zu Netzausbau, Netzauslastung und Netzkapazitäten” standardisiert bereitgestellt werden sollen. Hut ab und viel Erfolg! 

Die im folgenden genannten Anreize für eine kooperative Softwareentwicklung mehrerer Netzbetreiber hingegen sind sicherlich eine gute Idee. Man darf gespannt sein, wie sie ausfallen, und hoffen, dass nicht nur große Netzbetreiber davon profitieren. 

Ob Industriebetriebe in Deutschland tatsächlich Probleme mit Netzanschlussbegehren haben, konnten wir kurzfristig nicht ermitteln – die im Papier formulierte Garantie klingt in jedem Fall extrem tatkräftig. Über Speicher und Erneuerbare wird leider nichts gesagt.  

Beruhigend ist, dass es sich bei all dem um Absichtserklärungen handelt, die noch sehr weit von der Umsetzung entfernt sind. Und jetzt ist ja erst einmal Sommerpause… (pq) 

www.bundesregierung.de