02.03.2026 – Ein Rechtsgutachten im Auftrag des Digitalverbands Bitkom stützt die Forderung nach Strompreisentlastung für Rechenzentren – obwohl diese nicht als förderfähige Branche benannt sind.
Rechenzentren verbrauchen in Deutschland derzeit rund 21 Milliarden Kilowattstunden Strom pro Jahr, 2030 werden es rund 30 Milliarden Kilowattstunden sein. Stromkosten sind der größte Kostenfaktor und machen rund die Hälfte der Betriebskosten eines Rechenzentrums aus. Bei Strompreisentlastungen müssen sie berücksichtigt werden, fordert ein Rechtsgutachten von Prof. Dr. Christian Koenig, LL.M. (LSE), Direktor am Zentrum für Europäische Integrationsforschung (ZEI) der Universität Bonn, das der Digitalverband Bitkom in Auftrag gegeben hat.
Rechenzentren sind in der maßgeblichen Liste betroffener Branchen nicht aufgeführt, dabei seien sie wesentlicher Bestandteil genau jener Industrien, die geschützt werden sollen. Eine Entlastung halten die Gutachter somit nicht nur für europarechtlich zulässig, sondern sogar für sogar notwendig, damit die bestehenden EU-Regeln ihr Ziel erreichen.
Abwanderung verhindern
So zielten die aktuellen EU-Regelungen zur Strompreisentlastung darauf ab, die Abwanderung energieintensiver Branchen zu verhindern. Anders als klassische Produktionsanlagen sind sie aber flexibler bei ihrer Standortwahl. Das Risiko, dass neue Kapazitäten außerhalb Europas entstehen, ist entsprechend hoch, wie das Gutachten schlussfolgert. „Wenn Rechenzentren nicht in Europa entstehen, entstehen sie dort, wo die Energiepreise günstiger sind. Oft sind die Umwelt- und Sicherheitsstandards dort niedriger“, betont Bitkom-Präsident Dr. Wintergerst. „Wenn die EU industrielle Verlagerungen verhindern will, muss sie auch die digitale Basis dieser Industrie absichern.“
Das Gutachten warnt in diesem Zusammenhang vor einem Dominoeffekt: Würden Rechenkapazitäten aufgrund hoher Strompreise in großem Stil außerhalb Europas gebaut, gerieten europäische Unternehmen in neue Abhängigkeiten. Im Extremfall folgt die Industrie der digitalen Infrastruktur ins Ausland, weil Rechenkapazitäten und KI-Fähigkeiten dort näher, billiger oder verlässlicher verfügbar sind. Das Gutachten beschreibt dieses Risiko als „Adhäsionsmigration“: Industrie wandert Rechenzentren hinterher, was gravierende Folgen für Wertschöpfung und Innovation in Europa hätte. (pq)


