17.07.2026 – Der Fraunhofer-Verbunds IUK Technologie und T-Systems kooperieren für eine netzdienlichere Nutzung von Rechenzentren.
Um dem steigenden Energiebedarf in der IT durch KI-Processing, Cloud-Dienste und Edge Computing gerecht zu werden, benötigt Europa deutlich umfangreichere eigene Rechenkapazitäten. Doch die derzeitigen Stromkapazitäten reichen kaum aus, um neue Rechenzentren in europäischen Ballungsräumen wie Eindhoven oder Frankfurt zu versorgen. Ebenfalls negativ: Strom aus dem Norden, wo mehr erzeugt als verbraucht wird, kann aufgrund fehlender Transportkapazitäten nicht in die Ballungsräume überführt werden und wird stattdessen abgeregelt.
Lasten intelligent verschieben
Die doppelte Herausforderung des steigenden Energiebedarfs und der ungleichen Verteilsituation gehen T-Systems und Fraunhofer in ihrem Projekt „DEM4DCF – Dynamic Energy Management for Data Center Flexibility“ an. Das Ziel des Projektes ist es, Rechenzentren als flexible Teilnehmer am europäischen Strommarkt zu etablieren. Exemplarisch sollen Arbeitslasten, etwa für KI-Training oder Cloud-Dienste netzdienlicher eingesetzt (Load Shifting) und in Zeiten günstiger Strompreise verlegt werden. Nach Angaben des Fraunhofer-Verbunds IUK Technologie kann so eine bisherige Schwachstelle überwunden werden. „Bislang agieren Energieversorgung und IT-Infrastruktur noch weitgehend unabhängig voneinander, ohne Kenntnis der jeweils anderen Seite.“ Diese Lücke könne durch die Kopplung von Arbeitslasten-Management und Energieversorgung geschlossen werden.
Boris Otto, Vorsitzender des Fraunhofer-Verbunds IUK-Technologie, benennt die Vorteile des intelligenten Lastmanagements: „Netzbetreiber können Lastspitzen abfedern, Anwender profitieren von niedrigeren Stromkosten und Rechenzentrumsbetreiber erschließen völlig neue Geschäftsmodelle. Vor allem aber leisten wir durch die Kombination zweier Forschungsdomänen im Fraunhofer IUK-Verbund – Cloud-Computing und Energiesysteme – einen konkreten Beitrag zur technologischen Souveränität Europas.“
Wirtschaftlichkeitspotenzial nutzen
Im Mittelpunkt steht eine sogenannte Orchestrator-Software, die Ressourcen zuweist, Ausfälle kompensiert und Lasten skaliert, ohne dass ein Mensch manuell eingreifen muss. „Im Steuerungsdreieck aus Rechenkapazität, Energie und Kommunikation wird der Energiebedarf von Rechenzentren kontinuierlich vorausberechnet – sowohl für die IT-Last als auch für die Kühlung“, erklärt der Fraunhofer-Verbund. Die Prognosen nutze anschließend eine Optimierungslogik für Entscheidungen, wann und in welchem Umfang Aufgaben ausgeführt, verschoben oder als Flexibilität vermarktet werden sollen.
Martin Braun, Institutsleiter des projektverantwortlichen Fraunhofer IEE, ergänzt: „Rechenzentrumsbetreiber denken ihre Anlagen bislang kaum als Energiemarktakteure – dabei steckt genau dort erhebliches wirtschaftliches Potenzial. Wer seine Lastflexibilität gezielt über Spotmärkte und – bei entsprechender Präqualifikation – über Regelenergiemärkte vermarktet, erschließt sich neue Einnahmequellen und senkt gleichzeitig seine Energiekosten.“ Dies lasse sich bereits mit den Bestandsanlagen umsetzen und erfordert nach Aussage von Braun keine nennenswerten Neuinvestitonen. (cst)


