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Schnellladen ohne Netzausbau

15.07.2026 – XCharge bringt das batterieintegrierte Ladesystem GridLink auf den deutschen Markt. Die Lösung eignet sich vor allem für Standorte mit begrenzter Netzkapazität.

(Foto: XCharge Europe GmbH)

(Foto: XCharge Europe GmbH)

Zum Jahresbeginn 2026 hat Deutschland die Marke von zwei Millionen reinen Elektroautos geknackt. Die Verkaufszahlen steigen und Kund:innen wünschen sich eine zuverlässige Ladeinfrastruktur bei gleichzeitigem Komfort. Größere Tankstellenunternehmen sind ab 2028 dazu verpflichtet, mindestens einen Schnellladepunkt mit 150 kW bereitzustellen. Häufig ist aber die begrenzte Netzkapazität ein Hindernis.
An diesem Punkt setzt der Schnell- und Ultraschnellladeanbieter XCharge an. Mit seiner Lösung GridLink hat er ein Ladesystem mit integriertem Batteriespeicher im Portfolio. Das System dient dazu, das Stromnetz am Ladestandort zu entlasten und Energieflüsse effizienter zu gestalten. Neben den Hardwarekomponenten stellt XCharge zudem die dazugehörige Software und das Energiemanagement als Komplettlösung bereit.

Netzschonender laden

Die Ladelösung GridLink besteht aus einer 215-kWh-Lithium-Eisenphosphat-Batterie (LFP) von XCharge, die eine Gleichstromladeleistung von bis zu 194 kW liefert. XCharge adressiert insbesondere Standorte mit begrenztem Netzanschluss: „Das Laden mit integriertem Batteriespeicher eignet sich vor allem für Use Cases, wo das Netz nicht erweitert werden kann. Häufig ist dies in solchen Fällen zu teuer und nicht rentabel oder die maximale Netzkapazität ist bereits erreicht“, betont Albina Iljasov, Europachefin von XCharge. Die benötigte Kapazität aus dem Netz liegt höchstens bei 44 kW, die restliche Leistung von 150 kW liefert der Batteriespeicher. Konventionelle Schnellladesysteme benötigen in der Regel eine deutlich höhere Netzanschlussleistung.

Ein erheblicher Vorteil von GridLink ist, dass nur ein einziger Netzanschlusspunkt und ein Wechselrichter erforderlich sind. Letzterer wandelt den Wechselstrom aus dem Netz in Gleichstrom um, der anschließend ohne weitere Umwandlung direkt für den Ladevorgang genutzt werden kann.

Vernetztes System

In vielen Fällen werden Batteriespeicher, Ladestation und optional eine PV-Anlage als voneinander getrennte Komponenten betrachtet. Nach dem Strombezug aus dem Netz und der anschließenden Umwandlung in Gleichstrom für die Weiterleitung in den Batteriespeicher ergibt sich folgendes Problem: Damit der Strom vom Speicher in die Ladesäule gelangt, braucht es eine weitere Umwandlung in Wechselstrom. Danach erfolgt die erneute Umwandlung in Gleichstrom, damit das Elektrofahrzeug geladen werden kann. Jede Rückumwandlung verursacht Verluste. XCharge setzt an dieser Stelle an: „GridLink ist im Gegensatz dazu ein vernetztes DC-System. Wir sparen einen Umwandlungsvorgang“, sagt Iljasov. Die Energie wird als Gleichstrom direkt im Batteriespeicher gespeichert und von dort aus direkt als Gleichstrom an das Fahrzeug abgegeben.

Flexible Steuerung durch PV-Einbindung

Im Fall einer integrierten PV-Anlage ermöglicht das eigene Battery Management System, den Strombezug tages- oder stundenbasiert zu regulieren. „Wenn zu einer bestimmten Uhrzeit die Netzstrom-preise besonders hoch sind, kann der Strom auch ausschließlich aus der PV-Anlage und der Batterie bezogen werden“, beschreibt Iljasov. Im umgekehrten Fall bei günstigen Strompreisen sei es dann besonders rentabel, den Batteriespeicher möglichst voll aufzuladen. Nach Angaben von Iljasov könne so das Netz stabilisiert und Kosten eingespart werden. XCharge setzt für die Ladelösung auf gängige Modular Maximum Power Point Tracking (MMPPT)-Module, die einen optimierten Ertrag aus der PV-Anlage ermöglichen sollen.
Das Flüssigkeitskühlsystem biete nach XCharge-Angaben eine fast 2,4-mal größere Wärmeableitungsfläche als herkömmliche Konstruktionen. Es könne permanent eine stabile Temperatur von 37 Grad aufrechterhalten werden. Jeder Akku ist mit vier Sensoren zur frühzeitigen Gefahrenerkennung und einem integriertes Belüftungssystem ausgestattet, das brennbare Gase aktiv ableitet, bevor sie kritische Werte erreichen. Das Ladegerät unterstützt Kommunikationsstandards wie OCPP 1.6J und 2.0.1 und kann über GSM, LTE oder LAN verbunden werden. Mit GridLink ist zudem bidirektionales Laden möglich.

Das Diagramm zeigt die Ladeleistung von GridLink in Abhängigkeit von der Batteriespannung. Unterhalb von 388 V arbeitet das System mit einem maximalen Strom von 500 A, wobei die Ausgangsleistung mit steigender Batteriespannung zunimmt. Sobald die Batteriespannung 388 V überschreitet, erreicht die Ausgangs- leistung ihren Maximalwert von 194 kW, während der Ausgangsstrom mit weiter steigender Batteriespannung allmählich abnimmt. (Grafik: XCharge Europe GmbH)

Das Diagramm zeigt die Ladeleistung von GridLink in Abhängigkeit von der Batteriespannung. Unterhalb von 388 V arbeitet das System mit einem maximalen Strom von 500 A, wobei die Ausgangsleistung mit steigender Batteriespannung zunimmt. Sobald die Batteriespannung 388 V überschreitet, erreicht die Ausgangsleistung ihren Maximalwert von 194 kW, während der Ausgangsstrom mit weiter steigender Batteriespannung allmählich abnimmt. (Grafik: XCharge Europe GmbH)

Deutschen Markteintritt meistern

GridLink ist nach Herstellerangaben eine Weiterentwicklung des etablierten Systems Net Zero Series. Die Lösung hatte ihren Markt-eintritt in Nordamerika im Oktober 2024. Im September des vergangenen Jahres präsentierte XCharge GridLink auf der Intercharge Network Conference in Berlin erstmals dem europäischen Markt. Bisher habe das Unternehmen vorwiegend Projekte in Spanien und Italien realisiert, aufgrund der dort komplizierten Beschaffenheit des Stromnetzes.

In Deutschland hat XCharge unter anderem einen Use Case für GridLink im Visier. Dieser orientiert sich an einem Projekt mit dem Vorgängermodell Net Zero Series. Als Ausgangslage stehen einer Supermarktkette zwei AC-Ladestationen mit einer Leistung von jeweils 22 kW zur Verfügung. Das anvisierte Ziel eines Schnelllader-Aufbaus scheiterte, da die Netzkapazität nicht in absehbarer Zeit ausgebaut werden konnte. „Das dauert teilweise 18 bis 24 Monate, bis der Netzbau überhaupt starten kann“, merkt Albina Iljasov an. Um diesen Zeitraum wirksam zu überbrücken, entschied sich XCharge für den Aufbau des GridLink-Systems, um die entsprechende Ladeleistung von 194 kW in Kombination mit dem Batteriespeicher zu ermöglichen.

Als weiteres Geschäftsfeld nennt Albina Iljasov Tankstellen. Häufig fehle es Tankstellen-Standorten an der nötigen Ladeinfrastruktur und dem Netzausbau. Ab dem 1. Januar 2028 sind Unternehmen mit mindestens 200 Tankstellen in Deutschland dazu verpflichtet, mindestens einen öffentlich zugänglichen Schnellladepunkt mit einer Leistung von mindestens 150 Kilowatt zu betreiben.

XCharge unterstreicht seinen Fokus auf den deutschen Markt zudem mit einem Ende Februar unterschriebenen Rahmenvertrag mit der EnBW. Seit Dezember 2025 sind zehn Ladestationen des Typs C7 Ultra-Fast Charger an vier EnBW-Standorten im Feldtest im Einsatz. Der neue Rahmenvertrag umfasst den Bezug von Hard- und Software von XCharge mit Fokus auf Ladestationen mit einer Leistung von 400 kW und potenziell mehr. Beide Partner werden die technischen Systeme gemeinsam weiterentwickeln und dabei von ihrem jeweiligen Know-how profitieren. Außerdem erhält die EnBW exklusiven Zugang zu Neuentwicklungen des Herstellers. (cst)

www.xcharge.com