28.04.2026 – Speichersysteme gelten als Schlüsseltechnologie für das Gelingen der Energiewende. Längst haben sie sich vom lukrativen Investment zum Missing Link zwischen den fluktuierenden Erneuerbaren und zuverlässiger Stromversorgung entwickelt.
Regelenergie, Peak-Shaving oder der Einsatz als Pufferspeicher in Schnellladesäulen sind nur einige der möglichen Anwendungen, für die moderne Speichersysteme – neben dem klassischen Energiehandel – ausgelegt werden können. Vor diesem Hintergrund wundert es kaum, dass sich die installierte Speicherkapazität in der EU seit dem Jahr 2021 fast verzehnfacht hat.
Heimspeicher unter Druck?

Foto: phonlamaiphoto / stock.adobe.com
Blickt man jedoch genauer in den Markt, fallen erste Vorboten unterschiedlicher Entwicklungen ins Auge: So berichtete der BSW-Solar unlängst darüber, dass die Heimspeichernachfrage in Deutschland im Jahr 2025 um rund acht Prozent gegenüber dem Vorjahr zurückgegangen war. Vor allem die anvisierte Novelle des EEG – samt Streichung der Vergütung für kleine Photovoltaik-Aufdachanlagen – könnte sich negativ auf die weitere Heimspeichernachfrage auswirken, da viele Kleinspeicher den beliebten Gegenpart zu PV-Aufdachanlagen darstellen. Zudem wäre eine Stagnation im Heimspeichersegment mit Blick auf die Nutzung der Flexibilität von Heimspeichern zur Netzstabilisierung bedauerlich, da gerade erst damit begonnen wurde, deren Potenziale regulatorisch und technisch zu untersuchen.
Bottleneck Netzanschluss
Wesentlich positiver sehen die Vorzeichen indes im Groß-Batteriespeichersegment der Megawattklasse aus, wo die Nachfrage aktuell ungebrochen scheint. Doch auch in dieser Größenklasse herrscht kein eitler Sonnenschein. Die Netzanschlussverfahren mutieren immer mehr zu einem ernstzunehmenden Flaschenhals, wie die Zahlen der Bundesnetzagentur zeigen: So wurden allein im Jahr 2024 insgesamt 9.710 Anschlussanfragen für Batteriespeicher in der Mittel- und Hochspannung bei den Netzbetreibern eingereicht – lediglich rund 3.800 Anfragen aus 2024 und den vorangegangenen Jahren wurde jedoch eine Zusage für den Netzanschluss erteilt.
Vor allem das Windhundprinzip („First come, first served“) führte in den vergangenen zwei Jahren zu einer unverhältnismäßigen Antragsflut, die die verfügbaren Netzanschlusskapazitäten und Ressourcen in den Umspannwerken bei Weitem übersteigen. Als Reaktion hierauf haben sich die vier Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz, Amprion, TenneT Germany und TransnetBW darüber verständigt, entsprechende Anschlussanträge künftig anhand einer Reihe nachprüfbarer Kriterien sowie ihrer Realisierungswahrscheinlichkeit zu bewerten – und das alte Windhundprinzip ab dem 1. April 2026 über Bord zu werfen.
Ein weiterer Hemmschuh beim Netzanschluss besteht darin, dass für viele Speicheranlagen derzeit häufig die gleichen restriktiven Anschlussbedingungen gelten wie für neue Erzeugungsanlagen. Um hier etwas Linderung zu schaffen, findet sich im Entwurf des sogenannten BMWE-Netzpakets der Vorschlag, die Errichtung von sogenannten „netzneutralen“ Batteriespeichern in Co-Location zu bereits bestehenden EE-Anlagen zu erleichtern. Dies soll die bestehenden Netzinfrastruktur entlasten.
Im Spagat

Auch die Fähigkeit, bei der Eigenverbrauchsoptimierung zu unterstützen – etwa um Lastspitzen in gewerblichen Microgrids zu glätten oder den gespeicherten Strom in Mieterstromprojekten zu nutzen – ist nur ein Beispiel von vielen, wie sich moderne Speicherlösungen zielführend einsetzen lassen. Man kann zudem sicher sein, dass mit der KI-Dynamik sowie innovativen digitalen Anwendungen immer ausgefeiltere Geschäftsmodelle im Speichermarkt möglich werden.
Technischer Fortschritt
Insbesondere im Segment der stationären Großbatteriespeicher konzentrieren sich Forschungsteams aktuell auf mehrere Ziele: etwa geringere Kosten, längere Lebensdauer und höhere Sicherheit von Lithium-Ionen-Großspeichern. Hierzu entwickeln die Forschenden neue Systemarchitekturen, präzisere Steuerungen einzelner Batteriezellen und innovative Sicherheitskonzepte.

Für viele Fachleute steckt die eigentliche Schlüsseltechnologie im Speichersegment jedoch in den Wechselrichtern. Forschungsvorhaben wie etwa das Next-MeBa zeigen heute schon, was die Wechselrichter der Zukunft leisten sollen: Sie können die Batteriezellen im Großspeicher individuell ansteuern, wodurch der Speicher effizienter arbeitet, weniger Abwärme erzeugt und so länger nutzbar bleibt. Diese Wechselrichtertechnologie wird nun erstmalig im Projekt über den Maßstab von 100 kW und 250 kW hinaus in den Megawatt-Maßstab skaliert. Der Clou: Als Output soll diese „AC-Batterie“ direkt Dreiphasenwechselstrom liefern. Darüber hinaus arbeitet das Projektteam an einem digitalen Zwilling des Großspeichers, um dessen Betrieb zu optimieren.
Unterm Strich hat die Branche also in gewisser Weise recht, wenn sie vom Batteriespeicher als dem „Schweizer Taschenmesser für die Energiewende“ spricht, schließlich lassen sich die unterschiedlichen Einsatzgebiete und Mehrwerte von Speicherlösungen kaum leugnen. Die eingeschlagene Richtung, verstärkt in die Speichertechnologie zu investieren, stimmt also. (cp)

