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Fahren, laden, Strom zurückspeisen: E-Lkw im Einsatz

04.11.2026 – E-Lkw können als flexibler Stromspeicher dienen. Das Forschungsprojekt SPIRIT-E der Technischen Universität München soll zeigen wie.  

E-Lkw könnten Speditionen dabei helfen, die Energiekosten zu senken und den Kostendruck lindern. Die Batterien der Lkw könnten dabei als Stromspeicher für den Betriebshof oder das öffentliche Netz genutzt werden. Zum Abschluss des Forschungsprojekts zeigt ein Konsortium unter Leitung der Technischen Universität München (TMU), wie sich die Fahrzeuge in das Energiesystem einbinden lassen und welche Voraussetzungen für einen wirtschaftlichen Einsatz erfüllt sein müssen.  

Vom Fahrzeug zum Stromspeicher 

Die Projektbeteiligten haben in einer Testumgebung untersucht ob Fahrzeuge bei niedrigen Strompreisen Energie aufnehmen und diese bei steigenden Preisen wieder verkaufen können. Speditionen könnten so zusätzliche Einnahmen erzielen. Dazu wurden unter anderem die nötigen Schnittstellen zwischen Lkw, Ladesäule, Energiemanagement, Stromvermarkter und Netzbetreiber sowie ein Reservierungssystem für Ladestationen entwickelt, geprüft und getestet.  

In einer Regensburger Spedition wurde die technische Umsetzung erprobt. Zum Einsatz kam ein Elektro-Lkw mit einer nutzbaren Batteriekapazität von 480 Kilowattstunden. Über eine bidirektionale Gleichstrom-Ladestation konnte der Lkw mit einer Leistung von bis zu 350 Kilowatt zurückspeisen.  

Im Verlauf des Projekts wurden drei Anwendungen getestet: Der Lkw versorgt andere Fahrzeuge mit Strom (Vehicle-to-Vehicle), unterstützte die Stromversorgung des Betriebsgeländes (Vehicle-to-Site) und speist die Energie in das öffentliche Netz ein (Vehicle-to-Grid). Die Kommunikation zwischen der Ladeinfrastruktur und dem Fahrzeug erfolgte auf Grundlage des internationalen Standards ISO 15118-20. 

Symbolbild: miss irine / stock.adobe.com, KI-generiert

Gemeinsame Planung 

Der Lehrstuhl für Fahrzeugtechnik der TMU untersuchte ergänzend, wie Speditionen ihre Flotten zuverlässig und wirtschaftlich elektrifizieren können. Als Grundlage dienten realen Fahrdaten aus sechs deutschen Schwerlastflotten. Die Ergebnisse zeigen: Reservierbare und öffentliche Ladepunkte erhöhen die Planungssicherheit auf Langstrecken und begrenzen den Zeitverlust gegenüber Diesel-Lkw in möglichen Szenarien im Durchschnitt auf 1 bis 4 Prozent.  

Eine eigene Ladeinfrastruktur im Depot ermöglicht außerdem, einen größeren Teil der Flotte zuverlässig elektrisch zu betreiben als mit öffentlichem Laden allein. Für einen wirtschaftlichen Umstieg sollten Fahrzeuge, Photovoltaik, Ladeinfrastruktur und Batteriespeicher gemeinsam geplant werden. Eine abgestimmte Touren- und Ladeplanung sowie die intelligente Einbindung des Depots in Stromnetz und Strommarkt ermöglichen weitere Einsparungen.  

Strom gezielt nutzen 

Die Nutzung des Stroms am eigenen Standort ist eine vielversprechende Option. Die Elektro-Lkw können so tagsüber den überschüssigen Strom aus einer PV-Anlage aufnehmen und später wieder abgeben – so lässt sich die Eigenversorgung erhöhen. Zudem können die Fahrzeuge kurzfristig einen hohen Strombedarf abdecken und dadurch teure Lastspitzen vermeiden.   

Nach Angaben des Forschungsteams ließen sich damit die Energiekosten um rund zehn Prozent senken. Bei 100.000 Kilometern Jahresfahrleistung entspräche das rechnerisch den Energiekosten für 10.000 Kilometer Fahrt. Die Wirtschaftlichkeit hängt vor allem von Strompreisen, Standzeiten und Fahrleistungen ab. Besonders geeignet sind Fahrzeuge im Regionalverkehr, da diese regelmäßig zum Betriebshof zurückkehren.   

„SPIRIT-E hat gezeigt, dass schwere Elektro-Lkw weit mehr sein können als nur neue Stromverbraucher. Sie lassen sich technisch als flexible Speicher in das Energiesystem integrieren. Jetzt gilt es, die erprobten Lösungen zu standardisieren, zu skalieren und in tragfähige Geschäftsmodelle zu überführen – dafür braucht es Forschung, Netzbetreiber, Industrie, Logistik und Politik gemeinsam“, sagt Prof. Markus Lienkamp, Inhaber des Lehrstuhls für Fahrzeugtechnik an der TUM School of Engineering and Design.  

Hürden bei der Umsetzung 

Die Ergebnisse des Projekts deuten darauf hin, dass die Herausforderungen weniger in der technischen Umsetzung als in der Einbindung in das Stromnetz und in den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen liegen. Viele Betriebshöfe verfügen nicht über eine ausreichende Netzanschlussleistung, um größere E-Lkw-Flotten zu laden. Abhilfe könnten flexible Netzanschlussverträge, Batteriespeicher oder eine gemeinsam genutzte Ladeinfrastruktur schaffen.  

Für die Vermarktung des gespeicherten Stroms gibt es bisher keine einheitlichen Standards. Einige Anbieter verwenden eigene technische Lösungen, die nicht miteinander kompatibel sind. Zusätzlich muss geklärt werden, wie Aufgaben und Erlöse zwischen den Speditionen, Fahrzeugherstellern und Stromvermarktern verteilt werden. (rp)   

https://www.tum.de