27.08.2025 – Eine Studie zeigt: Ohne Speicher stoßen flexible Stromtarife schnell an Grenzen. Allein seien sie kein Schlüssel zur Energiewende.
Dynamische Stromtarife gelten als zentrales Instrument, um Verbrauch und Erzeugung besser aufeinander abzustimmen und die Integration erneuerbarer Energien zu erleichtern. Doch eine aktuelle Studie von Prof. Dr.-Ing. Markus J. Löffler vom Westfälischen Energieinstitut in Gelsenkirchen zeigt: Allein auf Preissignale zu setzen, reicht nicht aus.
Anlass der Untersuchung ist die seit 2025 für Stromanbieter verpflichtende Einführung dynamischer Tarife. Grundlage ist zudem das 2024 veröffentlichte Strommarktdesign des Bundeswirtschaftsministeriums, das einen Paradigmenwechsel einleitet: Künftig soll sich der Stromverbrauch deutlich stärker an der wetterabhängigen Verfügbarkeit von Wind- und Solarstrom orientieren.
Simulation mit 243 Szenarien
Für seine Analyse hat Löffler den Stromverbrauch von 2024 ausgewertet und in 243 Szenarien simuliert, wie sich Verbraucherinnen und Verbraucher bei voller Nutzung dynamischer Tarife verhalten würden. Im Fokus standen die Auswirkungen auf den Lastverlauf sowie auf die Kosten an der Strombörse.
Das Ergebnis fällt ernüchternd aus: Ohne zusätzliche Speicher oder Batteriesysteme kommt es zu starken Verschiebungen im Tagesverlauf, die für private Haushalte wie auch für Unternehmen schwer praktikabel sind. Allein durch Preissteuerung lasse sich der Verbrauch nicht flexibel genug gestalten.
Keine Kostenentlastung, aber psychologische Wirkung
Auch bei den Gesamtkosten der Stromversorgung zeigen sich laut Studie keine nennenswerten Einsparungen. Strukturelle Probleme wie fehlende Speicherkapazitäten oder ein langsamer Netzausbau bleiben bestehen.
Dennoch sieht Löffler Potenzial: Dynamische Tarife könnten durch neue Produktmodelle und ihre psychologische Wirkung das Bewusstsein für die Energiewende stärken und zur Akzeptanz beitragen.
„Die Flexibilisierung des Strommarktes über dynamische Preismechanismen ist grundsätzlich eine Form der Energierationierung, die strukturelle Probleme im Energiesektor sichtbar offenlegt – als alleiniges Instrument sind flexible Tarife kein ‚Game-Changer‘“, fasst Löffler zusammen. Erst in Verbindung mit ergänzenden technischen Lösungen könne ein echter Paradigmenwechsel gelingen. (pms)



