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Gebrauchte E-Scooter-Akkus als Industriespeicher

03.11.2026 – Ein Großteil der ausgemusterten Akkus aus E-Bikes und E-Scootern haben oft noch viel Restkapazität. Das Freiburger Start-up EDENenergy nutzt sie nun für modulare Industriespeicher.  

Die ehemaligen Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme (ISE) setzen auf austauschbare Batteriemodule und eine flexible Leistungselektronik. Damit werden die heterogenen Batterien effizient und sicher in stationären Speichern kombiniert. Erste Erfahrungen mit dem Second-Life-Konzept gibt es im bei Autobatterien. Das Potenzial ausgemusterter Akkus von E-Scootern und E-Bikes wird bislang nicht ausgeschöpft.  

Eine standardisierte Weiterverwendung ist aufgrund der unterschiedlichen Bauformen, Zelltypen und Energiemanagementsystemen schwierig. Genau hier setzt die am Fraunhofer ISE entwickelte Leistungselektronik an: „Sie erlaubt es, verschiedene Speicher zusammenzuschließen und eine Kommunikation mit verschiedenen Modulen aufzubauen, ohne dass dafür die Akkus zerlegt werden müssen“, erklärt Florian Biertwirth, Geschäftsführer und Mitgründer von EDENenergy.  

Der Industriespeicher von EDENenergy ist aus 112 gebrauchten E-Scooter-Akkus zusammengesetzt. (Bild: EDENenergy GmbH)

Speicher für Mittelstand und Stadtwerke 

Das Start-up setzt zunächst auf Industriespeicher mit 70 Kilowattstunden Kapazität. Ein erster Speicher wurde Mitte Oktober 2026 an einen Kunden geliefert. Mit dieser Speichergröße richtet sich das Unternehmen an regionale, mittelständische Betriebe, die über eine PV-Anlage, aber noch keinen Speicher verfügen. Auch für Stadtwerke könnte ein solcher Speicher für den Stromhandel, die Kappung von Lastspitzen und die Eigenverbrauchsoptimierung interessant sein.   

Für den ersten Industriespeicher wurden 112 ausgemusterte E-Scooter-Akkus gründlich geprüft und anschließend miteinander verschaltet. Zurzeit verwendet das Start-up alte Akkus eines großen E-Bike und E-Scooter-Betreibers und verwendet einen einheitlichen Batterietyp. Künftig soll die Leistungselektronik auch unterschiedliche Batterietypen verbinden können.  „Dafür müssen Steckerverbindungen, Batteriemanagementsystem und die Kommunikation für jeden neuen Akku angepasst werden. Gerade bei den E-Bikes gibt es eine große Bandbreite“, umreißt Bierwirth die Herausforderung.  

Austauschbare Module und hohe Restkapazität 

Die ersten 350 getesteten Akkus waren in einem deutlich besseren Zustand als erwartet. Das Unternehmen hatte mit einer durchschnittlichen Restkapazität von 80 Prozent gerechnet – viele lagen jedoch bei 90 Prozent oder darüber. Im stationären Einsatz sind die Akkus keinen Temperaturschwankungen oder Erschütterungen ausgesetzt, was ihre Laufzeit um einige Jahre verlängern kann. EDENenergy überwacht die einzelnen Batteriemodule selbst. Funktioniert ein Akku nicht mehr, kann er bei laufendem Betrieb ausgetauscht werden. Die nicht mehr nutzbaren Akkus werden bei Partnerunternehmen recycelt.  

Durch die Möglichkeit des Wechselns einzelner Module kann der Speicher die Kapazität von 70 kWh auch nach zehn Jahren halten. Herkömmliche Anbieter garantieren nach zehn Jahren nur noch 80 Prozent der ursprünglichen Kapazität.  

Größere Speicher sind geplant 

Für die Zukunft plant das Start-Up Speicher mit bis zu 300 kWh Kapazität. Zudem sucht das Unternehmen weitere Pilotkunden in der Region, die über die bereits bewilligte Landesförderung „Mittelstand trifft Start-ups“ einen Zuschuss von 50 Prozent für den Speicher bekommen können. (rp) 

https://www.ise.fraunhofer.de 

https://eden-energy.eu/