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Gemeinsam zum Großspeicher

05.10.2026- TEAG Solar hat mit dem 1,5 Megawatt-Großspeicher das erste Projekt dieser Leistungsklasse realisiert und dabei die Expertise von TESVOLT und WAGO genutzt.

Foto: Carlo Bansini / TEAG Solar

Die TEAG Solar, Tochtergesellschaft der Thüringer Energie AG, hat in Bad Salzungen im thüringischen Wartburgkreis einen 1,5 MW-Großspeicher an das Stromnetz angeschlossen. Mit diesem Projekt absolvierte das Unternehmen seine ersten Schritte im Batteriespeichersegment und startete den Aufbau eines neuen Geschäftsfelds. Für das Pilotprojekt holte sich das Projektteam rund um Birgit Rübsam, Produktentwicklerin bei TEAG Solar, den Batteriespeicherintegrator TESVOLT sowie WAGO als Technologiepartner ins Boot. „Wir wollten ein System, das nicht nur heute überzeugt, sondern morgen mitwächst“, erzählt Birgit Rübsam und beschreibt weiter: „Mein Anspruch war es, eine tragfähige Lösung für unsere Kundinnen und Kunden, aber auch für die Energiezukunft zu formen.“

Die Anlage steht direkt neben dem Heizkraftwerk der TEAG in Bad Salzungen und ist über das benachbarte Umspannwerk an das öffentliche Netz angebunden. Der sogenannte Ein-Stunden-Speicher hat eine Lade- und Entladezeit von jeweils 60 Minuten und kann in diesem Zeitraum entweder 1,5 Megawatt elektrische Leistung aufnehmen oder ins Netz einspeisen. Zum Einsatz kommt ein Lithium-Ionen-Speicher mit Batteriezellen von Samsung SDI und ein Zentralwechselrichter von Power Electronics. Das System ist netzdienlich und vermarktungsorientiert angelegt und soll dabei helfen, die Marktintegration des Speichers und Lade- und Entladevorgänge zu optimieren. Das bedeutet konkret, dass die Flexibilität des Speichers vermarktet wird, dabei jedoch die Anforderungen des örtlichen Netzes berücksichtigt und im Bedarfsfall Regelenergie bereitstellt.

Zentrale BESS-Steuerung

Für das Speicherprojekt setzte die TEAG Solar auf die Expertise von TESVOLT als Energiespeicherintegrator und von WAGO als Technologiepartner. TESVOLT entwickelte den Speicher und das Steuerungssystem für die Speicher- und Wechselrichterintegration. Im Mittelpunkt steht der TESVOLT Energy Controller Pro L, der die Komponenten des Batteriespeichers zentral steuert und so einen profitablen Betrieb, bei gleichzeitig maximaler Cybersicherheit sicherstellt. Dieser eigenentwickelte Batterieparkmanager ermöglicht erstmalig die Integration von Batterie- und Wechselrichterkomponenten verschiedener Hersteller. Verbaut sind dort unter anderem industrieerprobte Komponenten von WAGO. Der Controller verarbeitet in Echtzeit die Vorgaben des Netzbetreibers, Fahrpläne des Vermarkters sowie die Zustandsdaten von Batterien und Wechselrichtern und optimiert anhand dieser Parameter die Fahrweise des Großspeichers. Das Produkt ist zertifiziert nach VDE-AR-N 4110 und 4120. Bei Bedarf erfolgt eine sofortige Abschaltung des Gesamtsystems durch den integrierten Entkupplungsschutz. Ein Flexibilitätsvermarkter gibt auf Basis aktueller Marktsignale den Fahrplan für Lade- und Einspeisevorgänge vor, während der Netzbetreiber über den EZA-Regler Fahrpläne für den netzdienlichen Betrieb übermittelt.

Die Komponenten von WAGO steuern unter anderem den Anschluss des Batteriespeichers an das Energieversorgungsnetz. (Foto: Carlo Bansini / TEAG Solar)

Der Controller Pro L kann in bestehende Anlagen integriert werden und eignet sich besonders, wenn bereits eine EZA-Lösung vorhanden ist. „Es ging nicht um ein Produkt von der Stange, sondern um eine herstellerunabhängige Plattform, die die Ziele und Vorgaben der TEAG und der TEAG Solar abbilden kann“, führt Wilko Danne, Manager BESS Project Solution von TESVOLT aus.

Netzbetreibervorgaben umsetzen

Ergänzend dazu stellte WAGO eine Komplettlösung für die Steuerung der Trafostation und zur Regelung der gesamten Erzeugungsanlage bereit. Das Steuerungsmodul PFC200 des Mindener Unternehmens ist für die speicherprogrammierte Steuerung (SPS) zur Regelung einer Erzeugungsanlage frei programmbierbar. Als Betriebssystem fungiert embedded Linux. Der PFC200 beinhaltet ein 4G-Mobilfunkmodem. Der WAGO EZA-Regler ist ein von WAGO entwickelter Softwarebaustein, der auf dem PFC200 läuft. Der EZA-Regler kommuniziert mit dem EVU und setzt Netzbetreibervorgaben um: „Er steuert den Anschluss ans Energieversorgungsnetz der gesamten Erzeugungsanlage und sorgt damit für die technische Sicherheit und Zuverlässigkeit“, erläutert Nico Steinmetzger, Projektleiter bei WAGO. „Für diese Technik haben wir die letzten 15 Monate, im Hinblick auf Zertifizierungen und neue Funktionen, viel auf uns genommen und uns dadurch nicht nur stetig weiterentwickelt, sondern vor allem Antworten auf viele gewachsene und komplexe Marktanforderungen geschaffen.“

Netzentlastung und Direktvermarktung

Der Speicher in Bad Salzungen soll das lokale Stromnetz physikalisch sowie wirtschaftlich stützen. Bei einem Überangebot von Strom im Netz, beispielsweise durch schnell gestiegene EEG-Einspeisung, zieht der Speicher den überschüssigen Strom aus dem Netz. Dies verbessert die Netzstabilität und Frequenz- und Spannungsqualität. Bei einem Strom-Unterangebot könne der Lithium-Ionen-Speicher in Echtzeit die gespeicherte Regelleistung bereitstellen und auf die volatile Einspeisung reagieren. Die Anlage in Thüringen nimmt zudem an der Direktvermarktung teil: Im tagesaktuellen Handel kauft die TEAG an der Börse Strom zu niedrigen Preisen ein, um diesen einzuspeichern. Bei gestiegener Nachfrage geht der Strom wieder in den Verkauf und ins Netz zurück. Auf diese Weise ergibt sich nach Angaben von TEAG Solar eine regulierende Wirkung auf Stromnachfrage und -erzeugung.

Der TESVOLT Energy Controller Pro L verarbeitet die Vorgaben des Netzbetreibers in Echtzeit. (Foto: Carlo Bansini / TEAG Solar)

Belastbares Datenmonitoring

Das Team von TEAG Solar hat im Zuge des Projekts in Bad Salzungen Kompetenzen in sämtlichen BESS-Prozessschritten von der Planung, Genehmigung und Netzanschluss bis hin zu Betrieb und Vermarktung aufgebaut. Eine eigens entwickelte Projekt- und Betriebsstruktur soll bei künftigen Batteriespeicherprojekten als Basis für Standardisierung und Skalierung dienen. Zudem arbeitet das Thüringer Energieunternehmen an einem Monitoring, bei dem beispielsweise Kennzahlen zu Ein- und Ausspeisung, Ladezyklen und Zelltemperaturen erfasst werden. Auf dieser Basis überwacht TEAG Solar den technischen Gesundheitszustand kontinuierlich, um die Lebensdauer des Systems langfristig abzusichern. (cst)

www.teag-solar.de

www.tesvolt.com

www.wago.com