18.07.2025 – TESVOLT Energy bündelt die Flexibilitäten vieler kleinere Batteriespeicher und bringen diese über den Handel ins Netz – mit Mehrwert für alle Beteiligten.
Bislang waren kleinere Batteriespeicher bis 10 MWh oftmals vom komplexen Energiehandel ausgeschlossen oder konnten nur zu weniger lukrativen Bedingungen daran teilnehmen. Dies erscheint insbesondere vor dem Hintergrund kontraproduktiv, als dass mit dem Ausbau der erneuerbaren Energien eigentlich jedes verfügbare Potenzial von Pufferleistung ausgeschöpft werden sollte. Hier setzt die Idee von TESVOLT Energy – einer Ausgründung des Batteriespeichersystem-Anbieters TESVOLT – an: Das Start-up hat eine Software entwickelt, die die kleineren Batteriespeicher des Herstellers in einem virtuellen Kraftwerk bündeln, sodass deren Flexibilitäten gehandelt und höchstmögliche Erlöse für die Kunden erwirtschaften werden können.
Mit ihrem Ansatz agiert die TESVOLT Energy GmbH auf der Nieder‑ und Mittelspannungsebene und hebt auf diese Weise zusätzlich ungenutzte Restkapazitäten bei bestehenden Netzanschlüssen, vor allem bei Industrie- und Gewerbebetrieben, in dem sie das Trading von (Klein-)Flexibilitäten ermöglicht.
Das Setup
Damit die kleineren Batteriespeicher am Energiehandel teilnehmen können, stattet TESVOLT seine Speichersystem vom Typ Taytan und Forton ab Werk mit der Software von TESVOLT Energy aus, die bereits auf das Trading im Bereich Front-of-the-Meter ausgerichtet ist. „Mithilfe der vorinstallierten Software aggregieren wir die Speicherleistung der vielen kleineren TESVOLT-Speichersysteme und fassen diese dann in einer virtuellen Batterie zusammen. Die von uns ausgesuchten Trader können dann anteilig die Flexibilitäten der virtuellen Batterie am Markt handeln. Die generierten Erlöse kommen dann sozusagen in einen Topf und werden am Monatsende zu gleichen Konditionen und transparent unter den Batteriespeicherbesitzer:innen aufgeteilt – ähnlich wie bei einer Genossenschaft“, erläutert Sebastian Kratz, Managing Director von TESVOLT Energy, die grundlegende Geschäftsidee.
Jeder gegen Jeden…
Für den eigentlichen Handelsprozess haben sich die Wittenberger Batteriespeicherexperten ein besonderes Konzept einfallen lassen: Anstatt nur einem einzigen Trader den Zugriff auf die Flexibilität der virtuellen Batterie zu gewähren, können drei ausgewählte Händler gleichzeitig auf die Plattform zugreifen. Dabei erhalten die drei Tradingpartner – The Mobility House, Entrix und Enspired – jedoch keine festgelegten Speicheranteile, sondern treten in eine Art Performance‑Wettbewerb gegeneinander an, bei dem sie um die flexiblen Kapazitätsanteile konkurrieren, wie Sebastian Kratz ausführt: „Derjenige Energiehändler, der mit seinen Trades die höchsten Erlöse bei schonendster Fahrweise des Speichers schafft, darf die meisten Batteriesysteme in unserem Pool bewirtschaften. Durch diesen Marktmechanismus wird sichergestellt, dass die Händler versuchen, das bestmögliche Ergebnis zu erzielen, um sich die größten Portfolioanteile zusichern. Infolgedessen bekommen auch die Batteriespeicherbesitzer den größtmöglichen Erlös ausgeschüttet.“

Neben der Systemleistung können die Kund:innen zentrale Handelsvorgänge und Erlöse über das Trading Dashboard von TESVOLT ENERGY verfolgen. (Foto: TESVOLT ENERGY GmbH)
Dabei weiß der jeweilige TESVOLT-Speicherbesitzer nie, welcher Händler genau gerade seine Kapazitäten einsetzt: Die Kund:innen sehen auf ihrem Trading-Dashboard lediglich, wie ihre Speicher von den Tradern 1, 2 oder 3 gefahren werden, allerdings jedoch ohne die Namen der Händler zu kennen beziehungsweise diesen zuordnen zu können. Andere zentrale Informationen wie etwa Handelsvorgänge, Erlöse oder Systemleistung können von den Batteriebesitzer:innen jedoch jederzeit transparent über das Dashboard eingesehen werden.
Geteilter Netzanschluss
Um die viele kleinere Batterien technisch an das Niederspannungs- beziehungsweise Mittelspannungsnetz anzubinden, nutzt TESVOLT Energy die vorhandene (Rest-)Kapazitäten an den bestehenden Netzanschlüssen – vorzugsweise bei Industrie- und Gewerbebetrieben, da diese häufig noch ausreichend Kapazitätsreserven am eigenen Netzanschluss besitzen.
In der Praxis geht der Speicherspezialist vereinfacht formuliert so vor, dass er ein eigenes Messkonzept an den betreffenden Netzanschluss anlegt. Ziel ist es, die „normalen“ Lasten der am Netzanschluss hängenden Unternehmen von den Lastkurven des Speichersystems zu trennen, wie Kratz erklärt: „Im Prinzip teilt sich dann unsere Speicherlösung den Netzanschluss mit den restlichen Verbrauchern der Gewerbe- oder Industrieeinheit. Wir nennen das Shared Connection. Dabei optimieren sich die beteiligten Anlagen unabhängig voneinander. Wichtig ist nur, dass die gemeinschaftlich genutzte Leistung die Gesamtkapazität des Anschlusses nicht überschreitet.“
Zwar wird die Gesamtleistung am Netzanschluss durch die Shared Connection erhöht, doch „die Batteriekund:innen müssen in der Regel für ihren Batterieanteil am Netzanschluss keine zusätzlichen Netzentgelte bezahlen. Dies liegt daran, dass der Batteriespeicher nur zum Traden eingesetzt wird, was eine Netzendgeldbefreiung für diesen Anteil des Netzanschlusses ermöglicht“, so Kratz weiter.
Die Speichertechnik
Die beiden TESVOLT-Speichersysteme vom Typ Taytan und Forton arbeiten mit Hochtemperaturzellen. Diese Systeme haben den Vorteil, dass sie eine höhere Zyklusfestigkeit besitzen. Dadurch schaffen die Batteriespeicher nach Herstellerangaben bis zu 15.000 Be- und Entladezyklen. Die hohe Anzahl von Zyklen vergrößert zudem den Trading-Trafic, wodurch sich auch die Amortisationszeit der Speicherinvestitionen verkürzen lässt – abhängig vom Kunden-Setup und der Anlagenkonfiguration kann ein Return on Investment (ROI) bereits schon nach fünf Jahren erreicht werden.
Da es sich bei diesen beiden TESVOLT-Speichersysteme im Vergleich zu klassischen Containerlösung um kleinere Speicher handelt – je nach Konfiguration passt ein Speicher sogar auf eine einzige Europalette – sind die Lösungen für die Kund:innen kostengünstiger in der Anschaffung. Darüber hinaus benötigen die kleineren Speichersysteme in der Regel keinen eigenen neuen Netzanschluss, da sie im Vorfeld so dimensioniert werden, dass sie die vorhandenen (Rest-)Kapazitäten des bestehenden Netzanschlusses maximal ausnutzen. Damit entfällt auch der kostspielige und langwierige Prozess eines Netzanschlussneubaus.
Cybersicherheit
Damit die Lösung vor möglichen Cyberattacken bestmöglich gefeit ist, erfolgt die Kommunikation zwischen der auf dem Speicher fest implementierten TESVOLT-Software und der übergeordneten Cloudumgebung ohne Umwege: Dies wird durch den Einsatz des im Speicher verbauten IoT-Gateways ermöglicht. Auf diesem Weg liest das Unternehmen die Daten des Seichers aus, überwacht den Zustand der Gesamtlösung und steuert das Batteriesystem. Da sowohl das IoT-Gateway als auch die Cloud eine Eigenentwicklung des Batterieherstellers sind, kann das Unternehmen eine maximale Cybersicherheit garantieren. „Hier unterscheiden wir uns von anderen Startups in diesem Bereich, die nicht wie wir von der Hardwareseite kommen, sondern die eher nur den Softwareansatz im Blick haben. Solche Unternehmen müssen sich jeden einzelnen Batteriespeicher erstmal gesondert ansehen und einzeln integrieren. Dieser Prozess fällt bei unserer Lösung weg, da wir unsere festgelegte Hardware besitzen, auf der die eigene Software bereits ab Werk on Board ist und der Speicher somit sofort in unser System integriert werden kann“, hebt Kratz abschließend hervor. (cp)
Quelle Beitragsbild: TESVOLT ENERGY GmbH


