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Photovoltaik im Kreislauf

17.08.2026 – EnBW und Deloitte haben untersucht, wie sich Kreislaufwirtschaft in der Photovoltaik (PV) umsetzen lässt – und welche wirtschaftlichen Potenziale darin liegen.

Der Solarpark der EnBW in Langenenslingen kann rechnerisch rund 30.000 Haushalte mit Strom versorgen. (Foto: EnBW AG, Paul Gärtner)

Von Mecklenburg-Vorpommern bis ins französische Baskenland – die Solarparks der EnBW und ihrer Partner findet man in ganz Westeuropa. Aktuell beträgt die installierte Leistung 1,56 GW, viele weitere Projekte sind in der Planung oder im Bau. Doch damit Solarstrom sicher fließen kann, müssen Paneele, Trägersysteme, Tracker, Wechselrichter, Kabel und Transformatoren hergestellt, Betonfundamente gegossen und Stahlzäune errichtet werden.

Wie es gelingen kann, die eingesetzten Rohstoffe, Materialien und Produkte möglichst lange zu nutzen, haben der Energieversorger EnBW und das Prüfungs- und Beratungsunternehmen Deloitte jetzt in einer gemeinsamen Kurzstudie untersucht. Die Studie analysiert die gesamte Wertschöpfungskette und zeigt, dass Kreislaufwirtschaft weit über klassisches Recycling hinausgeht. Im Fokus stehen stattdessen Kreislaufstrategien wie Reparatur und Wiederverwendung von Komponenten. So lassen sich Abfall, Kosten und Abhängigkeiten von Primärrohstoffen reduzieren – ein Vorteil, der mit wachsenden geopolitischen Risiken weiter an Gewicht gewinnt.

Vom Kostenfaktor zum Business Case

Jenseits des offensichtlichen Beitrags solcher Konzepte zu Nachhaltigkeit und Klimaschutz beschäftigt sich die Studie überdies mit der Frage, welche Business Cases Kreislaufwirtschaft für ein Energieunternehmen bietet.

Lothar Rieth, Leiter Nachhaltigkeit bei EnBW: „Kreislaufwirtschaft ist für uns kein abstraktes Nachhaltigkeitsthema, sondern eine konkrete betriebswirtschaftliche Herausforderung: Wie können Ressourcen effizienter genutzt, Kosten reduziert und Prozesse gleichzeitig resilienter gestaltet werden? Unsere Studie zeigt, dass hierin ein bedeutendes Potenzial für die Energiewirtschaft liegt.“ Damit verschiebe das Projekt den Fokus vom konzeptionellen Verständnis hin zu konkreten operativen Maßnahmen, so Rieth weiter.

Ein zentraler Befund: Bereits heute gibt es Ansätze, die sich rasch und mit begrenztem Aufwand umsetzen lassen – und zugleich wirtschaftlich attraktiv sind. So können beschädigte PV-Module aus Bau und Betrieb gezielt an spezialisierte Dienstleister für Wiederaufbereitung oder hochwertiges Recycling weitergegeben werden. Ein Praxistest mit rund 150 beschädigten Modulen aus einem im Bau befindlichen PV-Park zeigt, dass dies mindestens kostenneutral, oft sogar mit Erlösen möglich ist. Auch die Reparatur und Wiederverwendung von Wechselrichtern und Modulen im laufenden Betrieb ist wirtschaftlich interessant, denn sie senkt senkt die Betriebskosten und erhöht die Lebensdauer der Komponenten.

Langfristige Chancen

Die EnBW-PV-Wertschöpfungskette. Grafik: Deloitte GmbH

Den eigentlichen Hebel sieht die Untersuchung allerdings in der Zukunft. Mit dem erwarteten Rückbau der ersten großen PV- Parks ab 2035 können erhebliche Mengen an Sekundärrohstoffen wie Stahl, Aluminium, Kupfer und Silizium zurückgewonnen werden. PV-Module erreichen beim Recycling schon heute Rückgewinnungsraten von mehr als 80 Prozent ihres Gewichts – bislang allerdings vorwiegend mengen- statt wertstofforientiert und mit klarem Fokus auf Glas und Metalle.

Wer frühzeitig Erfahrungen mit Reparatur, Wiederverwendung und innovativen Recyclingverfahren sammelt, kann sich in den ent- stehenden Märkten für Sekundärmaterialien positionieren und von steigenden Rohstoffpreisen profitieren. Entscheidend sei dabei, Materialkreisläufe entlang der Wertschöpfungskette neu zu denken und alle relevanten Stakeholder einzubeziehen – etwa über frühzeitige Kooperationen mit Dienstleistern und Marktpartnern. Eine Einschränkung bleibt: Einzelne Unternehmen können nicht alle Hebel der Kreislaufwirtschaft allein bedienen. Für eine erfolgreiche Transformation braucht es branchenweite Initiativen, neue Geschäftsmodelle für Sekundärrohstoffe und unterstützende politische Rahmenbedingungen – etwa durch die Förderung von Recyclingkapazitäten, die Harmonisierung von Standards und die Schaffung von (Daten-)Transparenz in den Lieferketten.

Politik und Wirtschaft gefordert

„Die Transformation gelingt schrittweise. Dort, wo einzelne Unternehmen direkten Einfluss haben, etwa im eigenen Betrieb, zeigen sich heute schon die Vorteile der Kreislaufwirtschaft“, sagt Dr. Matthias Schmidt, Partner im Bereich Sustainability Assurance bei Deloitte. „Um zentrale Hebel wie geschlossene Materialkreisläufe zu nutzen, müssen Märkte geschaffen, Technologien weiterentwickelt und Standards vereinheitlicht werden. Dafür muss jetzt der Rahmen auf europäischer wie nationaler Ebene gesetzt werden.“ Für die Unternehmen sei es wichtig, nicht abzuwarten, sondern Erfahrungen zu sammeln und die Geschäftsmodelle entsprechend anzupassen.

Die Fallstudie liefert eine übertragbare Methode, mit der Unternehmen realisierbare Potenziale der Kreislaufwirtschaft identifizieren und wirtschaftlich erschließen können. Damit wird Kreislaufwirtschaft mehr als ein Nachhaltigkeits- und Compliance-Thema. Sie birgt Wertschöpfungspotenziale und hilft den Unternehmen, sich resilienter aufzustellen. (pq)

www.enbw.com

www.deloitte.de