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Regionale Energie trifft auf künstliche Intelligenz

12.10.2026 – In Pfaffenhofen entsteht ein KI-Kraftwerk: Künftig sollen Stromüberschüsse aus Wind und Solar für Rechenleistung genutzt werden.  

Die Bürger-Energie-Genossenschaft (BEG) Pfaffenhofen möchte Strom aus Photovoltaik und Windkraft nutzen, wenn die Anlagen andernfalls abgeregelt oder nur gering vergütet würden. Flexibler Abnehmer des Grünstroms soll ein dezentrales, modulares KI-Rechenzentrum werden, das aktuell zwischen einer Windenergieanlage und einer geplanten PV-Freiflächenanlage entsteht. Die Inbetriebnahme ist für Spätherbst 2026 vorgesehen.  

Zwei Container, eine Aufgabe 

Das KI-Kraftwerk besteht aus einer modularen Container-Lösung. Der IT-Container enthält die KI-Server sowie die Infrastruktur für virtuelle Server, Backups und die Steuerung auf. Der zweite Container beherbergt die Kältetechnik mit der Rückkühlanlage. Die erste Ausbaustufe ist mit 80 Kilowatt IT-Leistung geplant. Vorgesehen sind fünf Supermicro-Server mit jeweils acht NVIDIA-HGX-B300-GPUs. 

Die erste Ausbaustufe arbeitet aus Verfügbarkeits- und Kostengründen mit Luftkühlung. Für spätere, größere Ausbaustufen sind Wasser- oder Hybridkühlung sowie die Nutzung der Abwärme vorgesehen.  

Verfügbar bleiben, auch wenn kein Überschussstrom anfällt 

Der Strom aus Windkraft und künftig auch aus der PV-Freiflächenanlage wird im Batteriespeicher gespeichert und versorgt damit das KI-Rechenzentrum. Reicht die lokale Erzeugung und die gespeicherte Energie nicht aus, wird die Versorgung durch den Netzanschluss ergänzt. Der Speicher soll so ausgelegt sein, dass der KI-Container über einen Tag versorgen werden kann.  

Im Windpark stehen drei Anlagen mit jeweils 4,2 Megawatt Leistung. Ergänzend plant die Genossenschaft eine PV-Freiflächenanlage mit vier Megawatt und einem Batteriegroßspeicher. Der Betrieb des KI-Containers soll im Jahresmittel überwiegend durch den Strom der eigenen Wind- und künftig auch PV-Anlagen der BEG betrieben werden. Der Anteil ist konservativ mit rund 70 Prozent kalkuliert. Der übrige Bedarf soll vorzugsweise mit Strom aus erneuerbaren Energien gedeckt werden. Nach der Inbetriebnahme werden die tatsächlichen Anteile und die Nutzung von Überschussstrom erfasst.  

Symbolbild: DEXTEROUA / stock.adobe.com ,KI-generiert

Regionale, souveräne Datenverarbeitung 

Das Projekt hat einen zweiten Anspruch: Datensouveränität. Regio AI mit Sitz in Pfaffenhofen wird künftig den Plattformbetrieb und die Vermarktung der Rechenleistung übernehmen. Das Angebot richtet sich an Unternehmen und Organisationen, die GPU-as-a-Service nutzen, große Sprachmodelle betreiben oder eigene Daten über Retrieval-Augmented Generation (RAG) in KI-Anwendungen einbinden wollen.  

Die regionale Infrastruktur ermöglicht mittelständischen Unternehmen, Forschungseinrichtungen und öffentliche Akteure eine Alternative zu der internationalen Public-Cloud – insbesondere für KI-Anwendungen, bei denen Transparenz über Datenhaltung, Zugriffe und Betrieb eine zentrale Rolle spielt.  

Gemeinsam zum KI-Kraftwerk 

Das Projekt entstand in einem Co-Creation-Ansatz zwischen der BEG und Fsas Technologies – von der ersten Potenzialanalyse über die wirtschaftliche Bewertung bis hin zur technischen Architektur des Rechenzentrums. Die BEG brachte ihre Expertise im Bereich in erneuerbaren Energien und regionaler Energieversorgung ein, während Fsas Technologies Kompetenzen in KI-Infrastruktur, Rechenzentrumsarchitektur, Plattformdesign und KI-Beratung beisteuerte. Das Ergebnis: ein skalierbares Betriebsmodell, das Energieerzeugung, Datensouveränität und KI-Rechenleistung zu einem Geschäftsmodell für Bürgerenergiegesellschaften verbindet.  

Vier Beteiligte, klare Rollen 

Die energiewirtschaftliche Grundlage liefert die Bürger-Energie-Genossenschaft durch Windkraft, Batteriespeicher, geplanter PV-Freiflächenanlage und Netzanschluss. Die Vermarktung der KI-Rechenleistung und den Plattformbetrieb übernimmt Regio AI.  

Fsas Technologies, ein japanischer globaler Technologie- und IT-Dienstleistungskonzern war maßgeblich an der Entwicklung des Gesamtmodells beteiligt und hat dabei insbesondere seine Kompetenzen in von Servern und Plattformen eingebracht. Fsas Technologies begleitet Unternehmen von der Strategie über die Architektur bis zum Betrieb moderner KI-Infrastrukturen.  

Prior1 ist auf Planung, Bau, Ausstattung und den Betrieb von Rechenzentren die Fertigung der Container-Infrastruktur spezialisiert. Die erste Ausbaustufe wird in Metallcontainern umgesetzt. Da die Batteriespeicher auch in Containern untergebracht sind, werden IT-, Kälte- und Energiespeicherinfrastruktur zu einer einheitlichen Anlage zusammengeführt.  

Für künftige Ausbaustufen sind Container in Holzbauweise vorgesehen. Die Infrastruktur des Rechenzentrums wird gemäß DIN EN 50600 in der Verfügbarkeitsklasse VK2 ausgelegt. Unternehmen und Kommunen sollen so ihre Daten und Anwendungen in einer professionell geplanten Rechenzentrumsumgebung betreiben können – ohne selbst in eine Rechenzentrumsinfrastruktur zu investieren. Energieversorgung, Kühlung, Brandschutz, physische Sicherheit und Monitoring werden dabei als abgestimmtes Rechenzentrumssystem integriert. Bei Bedarf können zusätzliche Module einen Ausbau der Rechenkapazität ermöglichen.  

Zur Absicherung des Betriebs sind eine unterbrechungsfreie Stromversorgung (USV), eine automatische Gaslöschanlage, Videoüberwachung, Blitzschutz und ein gesicherter Außenbereich vorgesehen. Für die Kältetechnik wird das natürliche Kältemittel Propan (R290) verwendet, welches ein sehr niedriges Treibhauspotential aufweist und daher eine sicherheitsgerechte Anlagenauslegung erfordert. Über das Prior1 360 Monitoring wird Prior1 Energieversorgung, Kältetechnik und sicherheitsrelevante Systeme kontinuierlich überwachen. Betriebsdaten werden in Echtzeit ausgewertet; Auffälligkeiten werden automatisch an das 24/7-Servicedesk gemeldet.  

Betriebsdaten als Grundlage für die Skalierung 

Nach der Inbetriebnahme beginnt die nächste Projektphase: Über das Monitoring werden Daten aus Energieversorgung, Kältetechnik und IT-Betrieb erfasst. Sie sollen zeigen, wie viel Überschussstrom tatsächlich für die KI-Rechenleistung genutzt wird, wann der Netzanschluss die Versorgung ergänzt und wie sich Auslastung, Kühlung und Verfügbarkeit im laufenden Betrieb entwickeln. 

Diese Daten fließen in die Planung der nächsten Ausbaustufen ein. Weitere Containerklassen mit rund 250 und 500 Kilowatt sind bereits vorgesehen. Die Größe richtet sich nach der verfügbaren Stromkapazität am jeweiligen Standort. Vier weitere Standorte sind derzeit in der Genehmigungsphase. (rp)  

https://prior1.com 

https://eu.fsastech.com/de/ 

https://buergerenergie-pfaffenhofen.de/ 

https://regio-ai.eu/