06.11.2026 – In einem außergewöhnlichen Projekt versorgen zwei Windräder das Kaliwerk Werra mit Strom, der nicht den gängigen Umweg über das öffentliche Stromnetz genommen hat.
Seit August 2026 beliefert der Windpark Heringen-Philippsthal das Verbundwerk Werra des Bergbauunternehmens K+S AG mit Ökostrom. Damit ist dieses 11,4 Megawatt starke Projekt eines der ersten in Deutschland, bei dem ein Windpark per Direktleitung an einen Industriestandort angeschlossen ist. Durch die direkte Anbindung des Windparks an das Werksnetz soll sich der Windstrom bedarfsgerecht am Industriestandort nutzen lassen, etwa für die Produktion von Kalium- und Magnesiumdüngemitteln.

Symbolbild: Im hessischen Landkreis Hersfeld-Rotenburg hat Energiekontor das 11,4 Megawatt starke Projekt entwickelt. (Bild: Flying-Digicam / Energiekontor)
Zugleich trägt das Projekt zur Entlastung des öffentlichen Stromnetzes in der Region bei, wie Peter Szabo, Vorstandsvorsitzender des Projektentwicklers Energiekontor AG, erläutert: „Die erfolgreiche Umsetzung dieser Direktlieferung zeigt, welches Potenzial in der Verbindung von erneuerbarer Stromerzeugung und industriellem Strombedarf steckt. Unser Betriebsführungsteam prüft kontinuierlich Optimierungs- und Vermarktungsmöglichkeiten sowohl für unsere eigenen als auch für die von uns betreuten Wind- und Solarparks Dritter.“
Direct-Wire-PPA
Da es nach Angaben des Projektteams bislang nur wenige Vertragsmodelle für die direkte Strombelieferung über eine eigene Leitung gibt, trieb der dritte Projektpartner – die Investment- und Asset-Manager MPC Oceanic Group – die Strukturierung eines sogenannten Direct-Wire-PPAs voran. Ziel ist es, dass Erzeuger und Abnehmer des direkt gelieferten Stroms gleichermaßen profitieren: MPC sichert sich mit dem Liefervertrag langfristige und stabile Erlöse für den Windstrom, die unabhängig vom schwankenden Börsenstrompreis sind. Für K+S als direkten Abnehmer sind die Energiekosten gleichermaßen planbar. Da der Strom zudem nicht über das öffentliche Netz fließt, fallen auch keine Netzentgelte an. Ein schöner Nebeneffekt: K+S kann so auch die Dekarbonisierung seiner Produktion voranbringen, ohne selbst in Erneuerbare-Energie-Anlagen zu investieren. (cp)


