12.05.2026 – Für den primären Netzanschluss des Windparks Geldern war eine individuelle Lösung gefordert – inklusive einer F-Gas-freien Mittelspannungsschaltanlage. Ormazabal lieferte die Technologie.

Im Windpark Geldern kommt eine SF6-freie MS-Schaltanlage von Ormazabal zum Einsatz. (Foto: Omexom Elektrobau GmbH)
Die Grünwerke GmbH, eine Tochtergesellschaft der Stadtwerke Düsseldorf, realisiert bereits seit mehr als fünfzehn Jahren bundesweit Projekte zur Erzeugung Erneuerbarer Energien. Dazu gehören auch zwei Windenergieanlagen auf dem Gebiet der Stadt Geldern, die seit 2025 jährlich rund 32 GWh Windstrom ins Mittelspannungsnetz der Westenergie einspeisen. Der Weg dorthin jedoch war anspruchsvoll – und das betrifft nicht nur die rund sieben Kilometer Kabeltrassen, die von den Anlagen auf der Steprather Heide an der niederländischen Grenze zum Umspannwerk der Westnetz GmbH in Kevelaer führen. Um den Windstrom dort von 20 kV auf das netzkompatible Spannungsniveau von 10 kV zu transformieren, wurden unter anderem eine Übergabestation und ein Leistungstransformator benötigt. „Die Schaltanlage zur Weiterverteilung an das Umspannwerk sollte zudem teils ohne das Isoliergas SF6 auskommen“, ergänzt Viktor Kamperdick-Voß, Projektleiter Energietechnik bei Omexom Deutschland, die mit der Planung und Umsetzung der Netzanbindung beauftragt war.
Gemeinsam zur individuellen Lösung
Für den Netzanschluss lieferte Omexom einen 20-MW-Leistungstransformator in einem Spezialgehäuse sowie eine Übergabestation mit einer 10-kV und einer 20-kV-Schaltanlage, die in enger Zusammenarbeit mit Ormazabal realisiert wurde. „Eines der Hauptkriterien für die Entscheidung für diesen Lieferanten war, dass wir eine individuelle Lösung benötigten und gleichzeitig den von Grünwerke gewünschten Liefertermin einhalten wollten – acht Monate nach der Auftragserteilung im Februar 2024“, berichtet der Omexom-Projektleiter, der zudem den zuverlässigen Support von Ormazabal bei der Planung, Installation und Inbetriebnahme schätzt.

Das Messfeld vom Typ cgm.3-ma ist mit einem 5 kVA-Wandler ausgestattet und deckt so den Eigenbedarf der Station. (Foto: Omexom Elektrobau GmbH)
Die installierte Mittelspannungsschaltanlage von Ormazabal besteht aus einem 10 kV Einspeiseteil mit zwei Leistungsschalterfeldern vom Typ cpg.0 lite-v und einem 20 kV Teil mit einem Hochführfeld Typ cpg.0 lite-s, einem Abgangsfeld sbp.zero24-v sowie einem Messfeld vom Typ cgm.3-ma. Der im Messfeld integrierte Versorgungstransformator stellt die Eigenversorgung der Station sicher. Thomas Höfkens, Projektleiter und Solutions Manager bei Ormazabal, erklärt: „Die Übergabestationen haben mittlerweile einen immer höheren Eigenbedarf. Unser Messfeld kann mit Wandlern von bis zu 5 kVA ausgestattet werden. Diese Lösung ist nach IEC- 62271-200 typgeprüft und damit einzigartig und kann den für diese Station nötigen Bedarf ohne Weiteres decken.“
SF6-frei und kompatibel
In dem Projekt ist neben mehreren Schaltfeldern vom Typ cpg.0 lite ein Abgangsfeld des Typs sbp.zero24 verbaut. „Für den Abgang des Windparks haben wir ein F-Gas-freies Leistungsschalterfeld sbp.zero24-v eingesetzt. Die Primärschaltanlage sbp.zero24 arbeitet mit „industrial natural air“ – vereinfacht gesagt – mit industriell hergestelltem Gas aus Bestandteilen der Luft. Diese Lösung ist patentfrei, also sehr zukunftssicher“, erklärt Thomas Höfkens. „Wir haben es außerdem geschafft, die Konstruktionsparameter beizubehalten, das heißt: die Abmessungen der Anlage bleiben gleich, trotz neuem Isoliermedium“, so der Projektleiter weiter. Die Lösung für die Primärverteilung beruht auf bewährter Vakuumtechnik und ist vollständig gasisoliert. „Die Kompatibilität der sbp.zero24 mit unserem SF6-gasisolierten Anlagentypen cpg.0 lite für die primäre Verteilebene bis 24 kV und 1250 A / 25 kA stellt sicher, dass beide Systeme nahtlos miteinander interagieren“, ergänzt Höfkens. Umgekehrt bedeutet das auch, dass Bestandsanlagen bei Bedarf problemlos mit F-Gas-freier Technologie erweitert werden können.
Sekundärtechnik nach Maß

Die F-Gasfrei isolierte Schaltanlage sbp.zero24 für die Primärverteilung bis 24 kV beruht auf bewährter Vakuumtechnik und ist mit dem Ormazabal Anlagentyp cpg.0 lite kompatibel. (Foto: Omexom Elektrobau GmbH)
Ormazabal hat darüber hinaus die gesamte Sekundärtechnik innerhalb der Schaltanlage geliefert, die individuell nach den Anforderungen von Omexom und den technischen Anschlussbedingungen (TAB) der Westnetz ausgewählt wurde. Zur Schutztechnik gehören unter anderem ein Kurzschluss-Richtungs- und Erdschluss-Richtungsanzeiger im Einspeisefeld, ein Distanzschutzrelais in der Übergabe sowie ein Abgangsschutzrelais im Abgangsfeld. „Die Komponenten gewährleisten einen sicheren Betrieb und eine zuverlässige Netzüberwachung“, fasst Höfkens zusammen. Die Parametrierungen sowie Schutzprüfungen gemäß den VNB-Vorgaben wurden im Anschluss durch die Schutztechniker von Omexom durchgeführt.
Sobald die Schaltanlage betriebsfertig aufgebaut war, gab Ormazabal eine umfassende Einweisung für das Betriebspersonal zur Bedienung des neuen Anlagentyps. „Da es sich nicht um eine einfache Standardanlage, sondern um eine individuell auf das Projekt zugeschnittene Lösung handelt, kamen natürlich auch einige Rückfragen von den Monteuren zum Einbau der Schaltanlage. Diese wurden jederzeit schnell und kompetent vom Solutions Team von Ormazabal persönlich beantwortet“, berichtet Viktor Kamperdick-Voß.
Zusammenarbeit, die funktioniert
Seit Juli 2025 ist der Windpark am Netz angeschlossen und versorgt bis zu 9.000 Haushalte pro Jahr mit grünem Strom. Ein entscheidender Faktor für die erfolgreiche Realisierung des Projekts war die detaillierte Engineering-Arbeit, um die spezifischen Anforderungen an die Primärverteilung zu erfüllen. „Durch die engen Abstimmungen mit Ormazabal konnte die ideale Lösung für das Projekt in Geldern gefunden werden”, erklärt Viktor Kamperdick-Voß und lobt insbesondere die präzise, gemeinsame Planung sowie die reibungslose Kommunikation.

Die enge Zusammenarbeit zwischen Omexom und Ormazabal ermöglichte eine maßgeschneiderte Lösung. (Foto: Omexom Elektrobau GmbH)
Für den Endkunden Grünwerke markiert das Projekt einen Meilenstein: Erstmals setzt das Unternehmen eine SF6-freie Schaltanlage ein. „Für uns ist das ein bedeutender Schritt und eine wertvolle Gelegenheit, Erfahrungen mit dieser zukunftsweisenden Technologie zu sammeln“, betont Marc Ostendorp, Projektleiter bei Grünwerke.
Die Projektpartner sind sich einig: Im Windpark Geldern habe man bewiesen, wie innovative Technologie und enge Zusammenarbeit dazu beitragen, eine zukunftsfähige Lösung für die Energieversorgung zu schaffen. Der Einsatz einer F-Gas-freien Schaltanlage sorgt hier sowohl für eine umweltfreundlichere Energieverteilung als auch für eine zuverlässige und langfristig funktionierende Infrastruktur. (pq)


