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Die Fundamente entstehen

23.07.2026 – Der Nutzen einer massentauglichen CLS-Infrastruktur wird zunehmend deutlich, die Umsetzung zeigt erste Erfolge. Doch bis dezentrale Erzeuger und regelbare Verbraucher nahtlos in die Stromnetze und -märkte eingebunden sind, ist noch einiges zu tun.

Mit den gesetzlichen Vorgaben nach §14a EnWG und §9 EEG wurde das CLS am intelligenten Messsystem zur Schlüsseltechnologie für das Einspeise- und Engpassmanagement in der Niederspannung. Damit wandelte sich der bis dahin wenig reizvolle Smart Meter Rollout zum systemrelevanten „Steuer-Rollout“. Hinter dem Begriff verbergen sich bei näherem Hinsehen nicht nur die verpflichtenden VNB-Prozesse, sondern auch attraktive Geschäftsmodelle rund um die Flexibilitäten in der Niederspannung. Dennoch hat die neue Sichtweise zunächst nicht erkennbar dazu beigetragen, Smart Meter schneller in die Fläche zu bringen – vielleicht auch, weil die Netzbetreiber noch wenig über die reale Situation in den Verteilnetzen wussten. Doch die Notwendigkeit und die Chancen der CLS-Infrastruktur werden zunehmend erkennbar – und die Arbeiten auf dieser vielleicht größten Baustelle der deutschen Energiebranche nehmen deutlich an Fahrt auf.

Foto: stock.finder / stock.adobe.com

Komplexität (fast) im Griff

Die notwendigen Hardwarekomponenten – neben dem Smart Meter Gateway insbesondere zertifizierte FNN-Steuerboxen, die Steuerbefehle direkt oder per digitaler Schnittstelle übermitteln können – sind vorhanden und selbst die komplexen, regulierten Datenaustauschprozesse von der Ermittlung des Steuerbedarfs und der Auswahl der zu steuernden Anlagen in den VNB-Systemen über aEMT, GWA, SMGW und Steuerungseinrichtung bis in den Haushalt werden allmählich beherrschbar. Dafür haben Technologieanbieter und Dienstleister gesorgt, die – oft in strategischen Kooperationen – die komplette Steuerkette abbilden zu können. Unnötig, zu erwähnen, dass das im deutschen Regulierungsrahmen wirklich nicht trivial ist…

Perspektivisch kann das CLS also als sicherer Kommunikationskanal zu beliebigen Sensoren oder Anlagen hinter dem Netzanschlusspunkt genutzt werden. Im Labor oder kleineren Feldtests klappt das dem Vernehmen nach schon sehr gut. Erste Messstellenbetreiber arbeiten bereits mit produktiven End-to-End-Systemen und installieren Steuerboxen in größeren Stückzahlen.

Praktische Hindernisse

Auf dem Weg zum massentauglich stabilen Betrieb zeigen sich in der Praxis jedoch noch einige Fallstricke. Sie lauern in Zählerschränken, Kundenanlagen oder auch ERP- und Abrechnungssystemen, die nicht für diese Aufgaben ausgelegt sind. Grundzuständige Messstellenbetreiber haben hier oft mehr zu tun als wettbewerbliche, die ihre Geschäftsmodelle und Systeme exakt auf diese Anwendungsfälle ausrichten konnten.

Auch auf anderen Baustellen wird noch gearbeitet. Damit Daten und Steuerbefehle über die CLS-Infrastruktur zuverlässig übertragen werden können, braucht es zum Beispiel eine stabile Kommunikation. Da diese über LTE nicht überall gewährleistet werden kann, rückt bei vielen Versorgern aktuell Breitbandpowerline als Alternative oder Ergänzung in den Blick – doch auch diese Technologie muss erst einmal ausgerollt werden.

Langfristig lohnend

All das ist aufwändig und teuer – insbesondere, wenn sich geplante Steuer-Rollouts zu komplexen IT- und Integrationsprojekten entwickeln. Vor diesem Hintergrund erstaunt es nicht, dass die Einbauzahlen noch wenig beeindruckend sind: Laut Marktschätzungen von BET Consulting befinden sich aktuell gerade einmal 65.000 operative CLS-Systeme in Betrieb – davon etwa 70 Prozent im Betrieb wettbewerblicher Messstellenbetreiber. Das ist mehr als vor einem Jahr, hochgerechnet auf Millionen von Messstellen aber sehr wenig.

Vieles sieht man allerdings (noch) nicht: Hersteller von Steuerboxen berichten von stei- genden Verkaufszahlen, Stadtwerke unterschiedlicher Größen erteilen Aufträge für CLS- Management respektive aEMT-Prozesse und manche befinden sich bereits in konkreten Vorbereitungen für den Aufbau größerer CLS- Infrastrukturen.

Diese Entwicklungen zeigen, dass die Branche den „Steuer-Rollout“ längst nicht mehr als technische Pflichtaufgabe versteht. Es zeichnet sich ab, dass das Gebäude, das gerade auf den vorhandenen Fundamenten entsteht, bei guter Planung solide Erträge abwerfen wird. Wie das genau gehen kann, haben die Stadtwerke Osnabrück gerade gemeinsam mit BET Consulting in einer Kurzstudie zu einem über die Pflichteinbaufälle hinausgehenden Rollout ermittelt. Insgesamt 22 Anwendungsfälle entlang der gesamten energiewirtschaftlichen Wertschöpfungskette wurden hier auf ihre wirtschaftlichen Potenziale hin untersucht – vom Netzbetrieb über den Messstellenbetrieb bis hin zu Handel und Vertrieb. Ein wesentliches Ergebnis: Die Potenziale intelligenter Messsysteme entstehen nicht isoliert in einzelnen Marktrollen, sondern dann, wenn über die neue Infrastruktur effizientere interne Prozesse und Mehrwerte für Kunden realisiert werden können.

Das können und sollten alle Versorger und Stadtwerke jetzt ausprobieren – weiter abzuwarten lohnt sich jedenfalls nicht mehr. (pq)