06.08.2026 – Für eine durchgängige Datenkommunikation mit intelligenten Messsystemen ist Breitbandpowerline (BPL) unverzichtbar. Die Bayernwerk Netz GmbH nutzt die Komplettlösung von EFR.

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Die Infrastruktur intelligenter Messsysteme wächst. Schon bald soll sie nicht mehr allein dazu dienen, Verbrauchsdaten sicher zu übermitteln, sondern über das CLS zum Dreh- und Angelpunkt für das Einspeise- und Engpassmanagement in der Niederspannung werden. Dafür ist eine zuverlässige Datenübertragung unverzichtbar, die per LTE vielfach nicht zu gewährleisten ist. „Wir könnten in den Netzgebieten des E.ON-Konzerns je nach Region rund 20 bis 40 Prozent der geplanten intelligenten Messsysteme per Mobilfunk nicht oder nicht zuverlässig erreichen“, berichtet Markus Hofsäß von der Bayernwerk Netz GmbH, der in seinem Unternehmen und konzernweit für die strategische Entwicklung der Powerlinetechnologie zuständig ist. Schon 2016 beschloss E.ON daher, für die Datenübertragung im Smart Metering neben LTE und 450 MHz auch Breitbandpowerline-Technologie einzusetzen.
Das Netz nutzen
Über eine spezielle Hardware- und IT-Infrastruktur werden dabei die Stromleitungen im Niederspannungsnetz genutzt, um die Daten aus und zu den Smart Meter Gateways respektive den CLS zu übertragen. Messung und Steuerung erfolgen somit direkt über das Niederspannungsnetz, wo die meisten CLS-relevanten Anlagen angeschlossen sind und sich Netzzustände unmittelbar manifestieren.
Erste Netzstrukturen mit BPL entstanden im Netzgebiet des Bayernwerks ab 2018 und die Pilotversuche zeigten, dass die Technologie eine performante und zuverlässige Ergänzung zur Datenübermittlung per Mobilfunk darstellt. Bei E.ON wurde BPL in der Folge zum festen Bestandteil der Kommunikationsinfrastruktur für intelligente Messsysteme, zusätzlich soll Sensorik für Netzzustandsdaten angebunden werden. „Für die Systeme, die wir einsetzen, haben wir uns im Konzern auf den G.hn-Standard festgelegt, der sich – zum Beispiel aufgrund der hohen Übertragungsraten und der Sicherheitsmerkmale – inzwischen zum meistverbreiteten Powerlineübertragungsverfahren für Smart Grids und intelligente Messsysteme (iMSys) entwickelt“, ergänzt Markus Hofsäß.
BPL-Komplettsystem

BPL-1TE-Modem, -Headend und -Repeater gewährleisten eine zuverlässige Datenkommunikation aus den Smart Meter Gateways. (Fotos: EFR GmbH)
Beim Aufbau der BPL-Infrastruktur des Bayernwerks brachte auch der Münchener Technologieanbieter EFR GmbH schon frühzeitig seine Lösungen und Kompetenzen ein, die Weiterentwicklung erfolgte oft in engem Austausch miteinander. Seit 2025 läuft die BPL-Komplettlösung von EFR, die auf der diesjährigen E-world offiziell vorgestellt wurde, bei der Bayernwerk Netz im Pilotbetrieb und ist bereit für den produktiven Einsatz.
Das BPL-Komplettsystem umfasst alle notwendigen Hardwarekomponenten für eine sichere, breitbandige Datenübertragung über die vorhandenen Stromnetze.
Als zentrales Element bildet das BPL-Headend in der Ortsnetzstation den Knotenpunkt eines lokalen Kommunikationssnetzes, welches sich über mehrere Straßenzüge erstrecken kann. Gleichzeitig stellt das Headend auch die Verbindung zu den WAN-Kommunikationsstrukturen der Metering- und VNB-Backend-Systeme her, so dass Daten und Steuerbefehle über die vorgeschriebenen Wege und Prozesse übermittelt werden können. Daran angebunden arbeitet der BPL-Koppler. Er übermittelt das Signal des Headends sicher in das Niederspannungsnetz und gewährleistet so eine zuverlässige Netzkommunikation. Der BPL-Repeater wird in Kabelverteilerschränken eingesetzt, um das Breitband-Signal zu verstärken und eine stabile Verbindung im gesamten Verteilnetz zu gewährleisten. Am Kundenanschluss wird das BPL-1TE-Modem neben dem Smart Meter Gateway am Zähler eingesetzt und ermöglicht, Gateways unterschiedlicher Hersteller interoperabel ins BPL-Netz einzubinden und Daten nahtlos ins Backend zu übertragen. EFR plant darüber hinaus, ein eigenes Smart Meter Gateway mit integriertem BPL an den Markt zu bringen, das ohne Zusatzmodul mit dem BPL-Netz kommuniziert.
Netzwerkmanagement

Das Netzwerkmanagement-System sorgt für Transparenz und den effizienten Betrieb der BPL-Infrastruktur. (Grafik: EFR GmbH)
Mit Blick auf die kommende Skalierung der BPL-Kommunikation hat EFR neben der erforderlichen Hardware ein Netzwerkmanagementsystem (NMS) entwickelt, mit dem sich die Geräteinfrastruktur in ihrer Gesamtheit überwachen, steuern und bei Bedarf aus der Ferne optimieren lässt. „Die zuverlässige Kommunikationsanbindung der Smart Meter Gateways ist ein Schlüsselfaktor für den Steuerungs-Rollout und die Umsetzung des Engpass- und Einspeisemanagements. Netzbetreiber brauchen somit jederzeit den Überblick über die Performance der Geräte – mit hohem Automatisierungsgrad und tief integriert in die eigene Systemlandschaft“, sagt Paul Martin Halm, Bereichsleiter Produkt- und Systementwicklung bei der EFR GmbH.
Das EFR Network Management System unterstützt aktuelle Security-Standards (IEEE 802.1x und AES128 Verschlüs- selung) sowie IPv6 und entspricht den auf EU-Ebene definierten Sicherheitsanforderungen, welche sich aus dem Cyber Ressilliance Act (CRA) und der NIS2 ergeben.
Auf übersichtlichen Dashboards oder Kartenansichten haben Anwender jederzeit eine Übersicht über die Netzstruktur sowie den Kommunikationsstatus und die Betriebszustände der verbauten Geräte. Gleichzeitig bietet das System differenzierte Möglichkeiten, die Kommunikationsqualität zu überwachen, Fehler zu finden und zu analysieren sowie individuelle Konfigurationen durchzuführen. Software-Updates sowie Sicherheitspatches für Komponenten im Feld können über das System remote und in kürzester Zeit durchgeführt werden. „Durch das NMS wird Breitbandpowerline von der Übertragungstechnologie zur gemanagten Kommunikationsinfrastruktur“, fasst Halm zusammen.
Auf dem Weg in den Massenbetrieb
Die nächsten Schritte sind bereits vorgezeichnet, denn ungeachtet des gemeinsamen Standards sind alle am europäischen Markt angebotenen BPL-Technologien nach wie vor proprietäre Systeme. Das macht den Massenbetrieb herausfordernd, wie Markus Hofsäß berichtet: „Wir verfolgen – wie übrigens jeder größere MSB oder VNB – aus nachvollziehbaren Gründen eine Multi-Vendor-Strategie. In der Praxis müssen wir also in der Lage sein, die BPL-Lösungen unterschiedlicher Hersteller effizient an die Smart Meter-Infrastruktur anzubinden, gegebenenfalls gegeneinander auszutauschen und die gesamte BPL-Infrastruktur zusammenhängend zu managen“, führt er aus.
Dazu gilt es, die Interoperabilität der Technologien weiter zu erhöhen – und das geschieht zum Beispiel in der internationalen Industrieallianz, Prime Allianz sowie Home Grid Forum, die den G.nh-Standard für die Praxis weiterentwickelt. „Mit EFR haben wir einen weiteren Anbieter, der nicht nur die BPL-Kommunikation nach dem bei uns eingesetzten G.hn-Standard anbietet, sondern auch mit uns gemeinsam diesen Standard auf allen Ebenen und in allen Standardisierungsgremien zu einem voll interoperablen Standard weiterentwickelt“, so Markus Hofsäß.
Auch beim herstellerübergreifenden Gerätemanagement gibt es Bewegung. „Wir sind in der Standardisierung sehr weit, die künftig eine gemeinsame Überwachung von Geräten unterschiedlicher Hersteller ermöglichen wird, erläutert Georg Offner, Bereichsleiter Geschäftsentwicklung & Services.“ Darüber hinaus setzen die Münchener auf Kooperationen mit anderen BPL-Systemanbietern. So wurde mit dem kanadischen Anbieter Corinex jüngst eine Vereinbarung geschlossen, die es ermöglicht, dessen Modems zur SMGW-Anbindung interoperabel in die EFR-BPL Netzinfrastrukturen einzubinden und umgekehrt. (pq)

