11.06.2026 – Drohnensichtungen über Anlagen der Energieinfrastruktur zählen zu den eher unangenehmen Vorfällen, mit denen sich mittlerweile auch Netzbetreiber auseinandersetzen müssen. Das Technologieunternehmen Atos hält für solche Fälle Lösungskonzepte bereit.

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Seit dem vergangenen Jahr haben Wellen von verdächtigen Drohnenflügen über deutschen KRITIS-Strukturen die Öffentlichkeit aufhorchen lassen. Doch es sind nicht nur Bundeswehrstandorte, LNG-Terminals oder Flughäfen, bei denen die Drohnensichtungen für Verunsicherung sorgten. Auch in der Energiewirtschaft suchen die Verantwortlichen mittlerweile nach Mitteln, um die „ungebetenen“ Besucher loszuwerden – schließlich häuften sich zuletzt Meldungen, dass Drohnen über Umspannwerke (UW) und Energieerzeugungsanlagen bemerkt wurden, die dort nichts zu suchen hatten. Das Technologieunternehmen Atos hat nun Lösungskonzepte vorgestellt, wie der Perimeterschutz von Energieinfrastrukturanlagen auf die verstärkte Bedrohung durch Drohnenüberflüge ausgeweitet werden kann – ein erstes Pilotprojekt mit einem deutschen Übertragungsnetzbetreiber (ÜNB) zur Absicherung eines Umspannwerks steht bereits kurz vor dem erfolgreichen Abschluss.
Bedarf erkannt …
Bevor ein Pilotvorhaben wie dieses überhaupt in die finale Phase einbiegen kann, bedarf es jedoch mehrerer Aufbauschritte, wie Thomas Walter, Director Business Development Energy & Utilities Germany bei Atos, erklärt: „Wir schauen uns gemeinsam mit den Kunden die jeweiligen Assets genau an und analysieren daraufhin den Schutzbedarf. Dabei greifen wir auf unsere Erfahrungen im militärischen Umfeld zurück.“ Bei der Schutzbedarfsanalyse stellen die Projektteams unter anderem fest, was an physischem Schutz – etwa Zäune oder Schleusen – überhaupt schon vorhanden ist und wo die eigentlichen Bedrohungsszenarien liegen.
Zudem wird das Wissen darüber geschärft, wie Angriffe erst einmal auch als solche identifiziert werden können. An dieser Stelle wird es bei der Energieinfrastruktur bisweilen unübersichtlich, da technisch bedingte Störungen der Anlagen ebenfalls zu Sicherheitsfehlalarmen führen können, wie der Security-Experte berichtet. Eine KI-gestützte Lösung dafür, ob es sich bei einem eingehenden Alarm um einen Fehlalarm handelt oder nicht, hat das Tech-Unternehmen ebenfalls in seinem Portfolio.
… und im digitalen Zwilling gebannt
Um mögliche Handlungsspielräume und passende Gegenmaßnahmen bei der physischen Gefahrenabwehr – einschließlich dem Eindringen von Drohnen in Sicherheitsbereiche – entwickeln zu können, setzt das Sicherheitsunternehmen vorzugsweise auf digitale Zwillinge der abzusichernden Anlage, wie Thomas Walter weiter ausführt: „Wir nutzen gerne digitale Zwillinge von Anlagen und Netzinfrastrukturen. Mit ihnen können wir Simulationen fahren und so feststellen, wo und wie eigentlich die Bedarfs- und Gefahrenlage ist. Dabei können wir auf bereits bestehende Zwillinge aufsetzen, sofern sie vom Detailgrad für die OT-Security nutzbar sind, oder selber einen passgenauen digitalen Zwilling neu erstellen.“
Auch für ein häufig auftretendes Problem bei der Entwicklung digitaler Abbilder größerer Strominfrastrukturanlagen – dem individuellen Expertenwissen – hält Atos ein Lösungsweg parat. Unter Einsatz einer speziellen Fragemethodik sollen sich beispielsweise Praxiserfahrungen eines Netzmeisters über das betroffene UW exzerpieren lassen. Dabei werden nicht nur die Informationen ans Tageslicht gebracht, sondern auch das Wissen darüber, wo diese dokumentiert sind. Zusammen mit den typischen Informations-Konglomeraten der Assets – etwa alten Stromlaufplänen auf Papier, Excel-Listen und teils digitalisierte Komponentendaten in unterschiedlicher Granularität – entsteht so ein für die OT-Anlagensicherheit nutzbarer digitaler Zwilling.
Drohne ≠ Drohne

Symbolbild: In einem Security Operations Center (SOC) von Atos laufen sicherheitsrelevante Signale aus IT-, OT- und IoT-Umgebungen zusammen. (Foto: Atos Information Technology GmbH)
Doch mit der Entwicklung beziehungsweise dem Einsatz des digitalen Zwillings ist nur ein Etappenziel erreicht, da je nach tatsächlicher Bedrohungsart unterschiedliche Reaktions- und Ent- scheidungsmuster generiert werden müssen. Dass dieser Schritt nicht trivial ist, zeigt schon ein kurzer Blick auf die gängigen Drohnentypencluster. Angefangen bei größeren professionellen Aufklärungsdrohnen mit mehreren Metern Spannweite, über kleinere zivile Quadrokopter-Modelle mit Kameras, bis hin zu Hightech-Spionagedrohnen in Insektengröße: Für jeden dieser ungewollten Eindringlinge bedarf es verschiedener Abwehr- bzw. Neutralisationsstrategien. Einfach alles vom Himmel holen ist keine Option, da es in Deutschland noch keine gesetzliche Basis dafür gibt, Drohnen im nichtmilitärischen Bereich abzuschießen – auch nicht bei verdächtigen Sichtungen über Bundeswehrstandtorten.
Der Experte lässt jedoch durchblicken, dass sein Unternehmen aus technischer Sicht neben der bekannten Abwehrmethode via elektromagnetischer Impulse (EMP) noch weitere Optionen anbietet, um Drohnen zu neutralisieren: „Wir schaffen für unsere Kunden aus der Energiewirtschaft die Möglichkeit, die Drohnen zu eliminieren. Aus Sicherheitsgründen kann ich jedoch nicht weiter ins Detail gehen, nur so viel: Wir kommen aus der Erfahrung mit dem Militär und bekommen daher jede Drohne sowohl detektiert als auch neutralisiert. Danach kann bei Bedarf ein Recovery-Verfahren gestartet werden, um die neutralisierte Drohne zu bergen“, berichtet Walter.
In der Kommandozentrale
Ob, wann und wie auf eine unerwünschte Drohne reagiert wird, liegt jedoch nicht in der Entscheidungsgewalt einer einzelnen Person. Stattdessen laufen die Informationen zuerst in ein von Atos betriebenes Security Operation Center (SOC für IoT) zusammen. In dieser Leitstelle werden die zugeordneten Assets sicherheitsüberwacht. Dort wird zudem die finale Entscheidung darüber gefällt, welche Reaktionen auf den Alarm- bzw. Sichtungsfall erfolgen sollen – KI-gestützt und in Absprache mit dem Anlagenbetreiber. (cp)

