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Einfach digitalisiert

20.07.2026 – In wenigen Monaten und ganz ohne Pilotphase statteten die Stadtwerke Buxtehude 35 Ortsnetzstationen mit der Smart Grid-Lösung SMO von Lemonbeat aus – und gewinnen seither wertvolle Erkenntnisse.

Foto: Stadtwerke Buxtehude GmbH

Christian Brandt, Abteilungsleiter Stromversorgung und Telekommunikation bei den Stadtwerken Buxtehude, und sein Team kennen das Verteilnetz der kleinen niedersächsischen Hansestadt in- und auswendig. Mit 850 Leitungskilometern, rund 170 Ortsnetzstationen und 28.000 Stromzählern ist es zwar überschaubar, doch die Herausforderungen sind die gleichen wie überall im Lande. Weit mehr als 2.000 PV-Anlagen auf den Dächern der Stadt speisen ins Netz ein, die Anzahl der Elektrofahrzeuge und Wärmepumpen steigt. Im Netzbetrieb erfordert das ein Umdenken: „Wir konnten bislang auf unsere Erfahrung und unser Bauchgefühl vertrauen – doch angesichts der veränderten Situation in den Netzen reicht das allein nicht mehr aus“, ist Christian Brandt überzeugt. Auch die bewährten, analogen Schleppzeiger helfen nur begrenzt: Sie liefern zwar Indizien für Probleme, erlauben aber keine Rückschlüsse auf die Häufigkeit und Dauer der Grenzwertüberschreitung.

Akuten Handlungsbedarf sieht Christian Brandt in seinem Verantwortungsbereich nicht, wohl jedoch die Notwendigkeit, das örtliche Netz auf der Grundlage belastbarer Entscheidungsgrundlagen weiterzuentwickeln. „Wir müssen in unser Netz investieren, das ist völlig klar. Aber ich möchte die Mittel sinnvoll und zukunftssicher einsetzen“, führt er aus.

Effiziente Einblicke

Das gelingt umso besser, je genauer man die Situation in den einzelnen Netzabschnitten und Betriebsmitteln kennt. Die neuen Vorgaben des § 14a EnWG sah Christian Brandt daher vor allem als Chance, mehr Transparenz über die Situation in den unteren Spannungsebenen zu gewinnen. Für den erfahrenen Praktiker war schnell klar, was er braucht – strangscharfe Messungen aus ausgewählten Ortsnetztransformatoren – und was nicht: „Wir können dazu kein Projekt aufsetzen, sondern benötigen eine Lösung, die sofort funktioniert.“ Diese Anforderung betrifft sowohl die Montage als auch die Qualität und Bereitstellung der Daten, denn mit welchen Systemen die Stadtwerke Buxtehude künftig mit den Zustandsdaten arbeiten wollen, ist noch nicht entschieden. „Damit wir bei der Nutzung der Daten und den weiteren Systementscheidungen unabhängig bleiben, waren uns offene Schnittstellen bei der messtechnischen Lösung ausgesprochen wichtig“, erläutert Brandt. Anhand dieser Vorgaben begann er den Markt zu sondieren – und wurde bei Lemonbeat fündig.

Smarte Ortsnetzstation

Die Strangmessung eines Kabels zeigt eine zeitweise Auslastung bis in den roten Bereich (oben). Die Gesamtmessung einer Trafostation zeigt ein deutliches Rückspeiseverhalten. (Foto: Stadtwerke Buxtehude GmbH)

Mit seiner Retrofit-Lösung SMO hat das Dortmunder Unternehmen eine modulare Toolbox entwickelt, mit der sich analoge Betrieb mittel in der Niederspannung – Ortsnetzstationen und Kabelverteiler – schnell digitalisieren lassen. Die Besonderheit erläutert Oliver van der Mond, CEO von Lemonbeat: „SMO verbindet die praktischen und wirtschaftlichen Vorteile moderner IoT-Lösungen mit der Offenheit klassischer Fernwirkwirktechnik.“ Anwender erhalten eine All-in-one-Lösung, bestehend aus Messtechnik für die benötigten Zustandsdaten (Strom, Spannung, Power Quality etc.), einem 3in1-Controller mit Datenverarbeitung, LTE-Modem, USV und diversen Schnittstellen. Die Messwerte werden als Echtzeitdaten via IoT-Technologie in die SMO-Cloud übermittelt, auf die der VNB über ein individuelles Backend zugreift. Hier lassen sich die Daten visualisieren, auswerten und speichern, Zeitreihen verarbeiten und Alarme für Grenzwertüberschreitungen festlegen. „Die Benutzerführung und Bedienung haben wir bewusst einfach und intuitiv gehalten, damit die Lösung ohne größeren Schulungsaufwand schnell in die alltäglichen Arbeitsabläufe übernommen werden kann“, erläutert Oliver van der Mond.

Schnelle Einblicke

Christian Brandt war überzeugt und die Stadtwerke Buxtehude bestellten – ohne Umweg über eine Testinstallation oder einen Piloten stattete man im vergangenen Jahr 35 Ortsnetzstationen aus. Die Erwartungen wurden nicht enttäuscht: „Die Montage mit den Rogowski-Spulen war tatsächlich sehr schnell umsetzbar und wir hatten sofort Echtzeitdaten“, berichtet und lobt er die Unterstützung durch Anbieter Lemonbeat: „Da sind echte Menschen, die erreichbar sind und bei Bedarf schnell und qualifiziert unterstützen.“

Die strangscharfen Messdaten erwiesen sich unmittelbar als nützlich. „Bei drei Stationen haben wir festgestellt, dass es für unser Netzteam etwas zu tun gibt, und können ganz konkrete Maßnahmen ableiten“, erläutert der Abteilungsleiter. So stellte man in einer Station fest, dass die Einspeisung aus den PV-Anlagen der ansässigen Gewerbebetriebe zu Rückspeisungen führt. Ein ähnliches Bild ergaben die Messungen in einer Station in einem Neubaugebiet. „Hier sind relativ viele Wärmepumpen sowie eine größere PV-Anlage auf einem landwirtschaftlichen Betrieb angeschlossen“, berichtet Christian Brandt. „Da es sich um eine, bezogen auf die Trafogröße, recht kleine Station handelt, ist hier dann ein Austausch des Trafos vorgesehen.“ Ergänzend zum Netzausbau könnten solche Engpässe zukünftig auch über Maßnahmen gemäß §14a abgefedert werden.

Digitalisierung lohnt sich

Die Hardware für die Station ist in 30 Minuten installiert und liefert Echtzeitdaten ins Backend. (Foto: Lemonbeat GmbH)

Das funktioniert allerdings nicht überall, denn neben steuerbaren Verbrauchseinrichtungen oder Einspeisern können auch ganz triviale Änderungen des Stromverbrauchs die Infrastruktur an ihre Grenzen bringen. Das verdeutlichten die Daten aus einer Station in der Buxtehuder Innenstadt: „Hier zeigt die Strangmessung eines Kabels eine zeitweilige Auslastung bis in den roten Bereich – bezogen auf die Absicherung“, berichtet Christian Brandt. Der Grund: In einem Restaurant hatte man die Gasherde durch elektrische Kochstellen ersetzt. Da damit das bestehende Kabel an die Belastungsgrenze kommt, hat das Netzteam der Stadtwerke Buxtehude Maßnahmen zur Netzverstärkung geplant und in den aktuellen Maßnahmenplan aufgenommen. „Das hätten wir ohne SMO unter Umständen erst durch einen Störfall bemerkt – und eine Steuerberechtigung hätte uns hier natürlich auch nicht geholfen“, resümiert der Netzverantwortliche. Für ihn ist das der Beweis, dass sich die Digitalisierung auch unabhängig von den gesetzlichen Pflichten lohnt. „Wir sehen Probleme bevor sie akut werden, können Entwicklungen verfolgen und auf dieser Grundlage eine nachhaltige Investitionsplanung durchführen – das spart langfristig sehr viel Geld“, sagt Christian Brandt. Mit dieser Zielrichtung und ausgestattet mit aussagekräftigen Daten wollen die Stadtwerke Buxtehude die Digitalisierung sukzessive vorantreiben. So sollen anhand der bisherigen Ergebnisse weitere Stationen identifiziert werden, in denen sich Echtzeitmessungen als nützlich erweisen könnten. Ein weiterer Fokus liegt auf der Netzplanung. (pq)

www.lemonbeat.com

www.stadtwerke-buxtehude.de