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Gemeinsamer Einstieg

02.09.2025 – Das Potenzial von KI ist enorm, doch die Implementierung in den Unternehmen steht noch ganz am Anfang. In der GenAI Factory Netzbetreiber bekamen sieben Netzgesellschaften ein äußerst produktives Experimentierfeld.

Anfragen im Kundenportal beantworten, Netzdaten analysieren oder Monteur:innen vor Ort die nötigen Fachinformationen bereitstellen – ohne Frage kann KI auch in der Energiewirtschaft erhebliche Optimierungspotenziale heben. Gerade die Netzbetreiber sind angesichts der enormen Datenmengen, die sie künftig erheben und nutzen werden, geradezu prädestiniert für den Einsatz künstlicher Intelligenz. „Es wäre fahrlässig, diese Chancen nicht zu nutzen“, meint auch Philipp Siegfried von den Energieforen.

Foto: btiger / stock.adobe.com

Doch eine völlig neue Technologie, die sich zudem kontinuierlich weiterentwickelt, in gewachsene Prozesse und Strukturen zu implementieren, ist komplex und wirft zunächst einmal viele Fragen auf: Wo können wir KI strategisch sinnvoll nutzen? Wie sähen nutzbringende Anwendungen aus? Wie lassen sie sich umsetzen und in unsere Systemlandschaft einbinden? Welche rechtlichen Rahmenbedingungen und Sicherheitsaspekte berücksichtigt werden? „Vielen Unternehmen fällt es noch sehr schwer, sich in diesem Themenfeld zu orientieren“, weiß der KI-Experte.

GenAI Factory Netzbetreiber

Die GenAI Factory Netzbetreiber, die Philipp Siegried in den vergangenen sechs Monaten als Projektverantwortlicher betreute, bot hier Unterstützung. Das kollaborative Projekt der Energieforen und ihrer KI-Tochter A4I gab sieben Netzgesellschaften die Möglichkeit, gemeinsam Grundlagen für den Einstieg in die KI-Nutzung zu schaffen. Gleichzeitig erhielten sie das notwendige Handwerkszeug, um die neue Technologie in ihren Unternehmen einzuführen und weiterzuentwickeln.

„Es war das erklärte Ziel der Factory, diesen Prozess ganzheitlich anzugehen“, erläutert Philipp Siegfried. Dementsprechend standen nicht nur technische und methodische Themen auf der Agenda, sondern auch strategische und rechtliche Fragen sowie nicht zuletzt die Veränderungsprozesse, die notwendig sind, um Mitarbeitende nachhaltig mitzunehmen und einzubinden. „All das war keineswegs reine Theorie, sondern sehr eng an die Arbeit in den teilnehmenden Netzgesellschaften angebunden“, berichtet Projektleiter Siegfried. Als besonders wertvoll habe sich zudem der kontinuierliche Austausch zwischen den Unternehmen erwiesen.

KI-Prototypen

Tatsächlich sind es jedoch vor allem nutzbringende Anwendungen, die im Alltag zur aktiven Auseinandersetzung mit einer neuen Technologie motivieren. In diesem Sinne hatte sich die GenAI Factory zur Aufgabe gemacht, vier geeignete Use Cases aus unterschiedlichen Fachbereichen zu identifizieren und – unterstützt durch A4I – umzusetzen. Die Teilnehmer mussten gemeinschaftlich entscheiden, die Wahl fiel auf Stromlastprognose, Kundenservice, Netzdokumentation und die automatische Eingangsbearbeitung von E-Mails. In vier parallelen Streams wurde die Prozesslogik der jeweiligen Prototypen entwickelt und sogenannte MVPs (Minimal Viable Products) mit geeigneten KI-Tools umgesetzt. „Dabei handelt es sich im Prinzip um lauffähige Einzelfunktionalitäten der final geplanten Lösungen“, erläutert Siegfried. Als Ergebnis einer gemeinschaftlichen Planung und Entwicklung bietet der MVP an sich schon einen Nutzen für den jeweiligen Arbeitsalltag und kann gleichzeitig Ausgangspunkt für Weiterentwicklung und Individualisierung sein. „Da wir hier einen Open Source-Ansatz verfolgen, dürfen und können alle teilnehmenden Unternehmen eigenständig oder gemeinsam an den MVPs weiterarbeiten“, so der Projektleiter.

KI-Plattform

Möglich wird dies über eine KI-Plattform für Netzbetreiber, die ebenfalls in der Factory entwickelt wurde. Dort lassen sich die MVPs im Zugriff auf unternehmensinterne Kundendaten betreiben und bei Bedarf anpassen oder ausbauen. Die Voraussetzungen für die DSGVO- und KRITIS-konforme Datenverarbeitung sowie die Integration in die jeweiligen Systemlandschaften erarbeiteten die Netzgesellschaften ebenfalls gemeinsam mit den Leipziger KI-Expert:innen.

Darüber hinaus stellt die Plattform eine Art energiewirtschaftliches ChatGPT bereit, mit dem die Mitarbeitenden in den Unternehmen kommunizieren können. Der KI-Assistent generiert nicht nur Texte, sondern findet darüber hinaus Informationen in fachspezifischen Dokumenten und Dateien, die in der Plattform hinterlegt und verwaltet werden können. „Auch hier zeigt sich der Nutzen eines kollaborativen Ansatzes“, betont Philipp Siegfried: Alle Beteiligten tragen gemeinsam dazu bei, dass die verfügbare Wissensbasis der KI wächst und für unterschiedliche Aufgaben genutzt werden kann. Für die kommenden zwei Jahre steht die Plattform allen Factory-Teilnehmern uneingeschränkt zur Verfügung und kann sogar on-premise betrieben werden.

Quelle: Energieforen Leipzig GmbH

Lerneffekte und Anerkennung

Der Projektleiter ist überzeugt, dass die GenAI Factory Netzbetreiber die beteiligten Netzbetreiber auf dem Weg zum KI-fähigen Unternehmen ein deutliches Stück weitergebracht hat – auch und gerade, weil sich manche Vorhaben (noch) nicht wie geplant umsetzen ließen. „Bei der angedachten KI-basierten Stromlastprognose mussten die Teilnehmer erkennen, dass die aktuell vorhandene Datenbasis einfach nicht ausreicht, um valide Ergebnisse zu erhalten – und haben damit sehr viel darüber gelernt, was ein Unternehmen selbst tun kann, um wirklich von KI zu profitieren“, führt Philipp Siegfried aus.

Er ist sich sicher: Der Funke bei den teilnehmenden Netzgesellschaften hat gezündet. Die Factory soll fortgeführt werden, auch über eine KI-Entwickler-Community denke man nach. Auch branchenweit hat die Inititiative Anerkennung gefunden: Die GenAI Factory Netzbetreiber schaffte es, von der Experten-Jury aus insgesamt über 50 Bewerbungen ins Finale des renommierten Stadtwerke-Awards gewählt zu werden. (pq)

www.energieforen.de

www.a4i-leipzig.de