07.08.2025 – Eine Analyse für die SWE Netz zeigt, wie sich Netzlastprognosen um 76 Prozent verbessern lassen.
Eine neue Mittelfristprognose für die SWE Netz GmbH zeigt, wie viel Potenzial in der Kombination aus Langzeitdaten, offenen Quellen und gezielter Analyse steckt. Das Fraunhofer IOSB-AST konnte die Abweichung zwischen geplanter und tatsächlicher Stromnetzlast im Versorgungsgebiet von bislang 3,89 GWh auf 0,93 GWh senken. Bezogen auf das Referenzjahr 2024 entspricht das einer Genauigkeitssteigerung von 76 Prozent.
Langfristtrends machen den Unterschied
Grundlage der Analyse waren 14 Jahre an Netzdaten sowie öffentlich zugängliche Informationen aus dem Marktstammdatenregister. In der neuen Modellierung wurden erstmals auch langfristige Entwicklungen, wie der stetige PV-Zubau seit 2016, systematisch mit einbezogen. Projektleiter Tom Bender sieht hier einen entscheidenden Hebel: „Der steigende Selbstverbrauch durch PV wirkt dämpfend auf die Netzlast. Allerdings wird sich diese Entwicklung durch die zunehmende Elektrifizierung von Mobilität und Wärmeerzeugung oder auch Power-to-Gas-Anwendungen in den kommenden Jahren voraussichtlich wieder umkehren.“
Die neue Prognose basiert auf einer Simulation im 15-Minuten-Takt und bildet tageszeitliche wie saisonale Muster deutlich genauer ab als bisherige Modelle. Eingesetzt wurde dabei das Energiemanagementsystem EMS-EDM PROPHET® sowie der neu entwickelte WattAnalyzer, eine webbasierte Anwendung zur Lastanalyse und Modellierung.
Planungssicherheit für Infrastrukturentscheidungen
Für die SWE Netz GmbH ist die verbesserte Datenlage mehr als ein akademischer Erfolg. Genauere Prognosen seien für den Netzausbau, die Integration neuer Lasten oder energiewirtschaftliche Bewertungen essenziell, sagt Geschäftsführer Frank Heidemann. Auch der Wissenstransfer im Projekt sei entscheidend gewesen. Ziel sei es, künftig eigene Prognosen mit dem WattAnalyzer zu erstellen und so unabhängiger zu werden.
Neben dem Stromnetz wurde im Projekt auch das regionale Gasnetz unter die Lupe genommen. Die zugrundeliegende Methodik erwies sich auch dort als tragfähig und soll nun schrittweise weiterentwickelt werden. (pms)



