07.08.2026 – In einer ersten Testphase nutzt die Elektrizitätsgenossenschaft Großwilfersdorf derzeit den SMIGHT Grid2. Die präzise Abbildung von Messdaten macht es möglich, Netzüberlastungen frühzeitig zu erkennen und notwendige Maßnahmen zu ergreifen.
Die Elektrizitätsgenossenschaft im österreichischen Großwilfersdorf hat sich seit ihrer Gründung 1917 zu einem fortschrittlichen Energielieferanten und Netzbetreiber entwickelt. Vier Wasserkraftwerke erzeugen jährlich etwa 3,5 Millionen kWh und versorgen damit 850 Haushalte. Wie viele andere Netzbetreiber steht auch dieses Unternehmen vor neuen und stetig wachsenden Herausforderungen, die sich durch die Energiewende und den steigenden Investitionsbedarf ergeben. Derzeit werden Dachständerleitungen abgebaut, Hausanschlüsse verkabelt und veraltete Ortsnetzstationen ausgetauscht.
Um Erneuerungen und Netzausbau künftig gezielter planen zu können, hat das E-Werk seit Herbst 2025 überdies ein Pilotprojekt mit der Niederspannungs-Monitoring-Lösung SMIGHT Grid2 gestartet – Ziel ist die Erstellung einer fundierten Abbildung der tatsächlichen Netzsituation. Diese soll insbesondere helfen soll, zwischen notwendigen und derzeit unwichtigen Maßnahmen zu unterscheiden.
Wo Handlungsbedarf besteht
Aktuell wird SMIGHT Grid2 an drei Ortsnetzstationen sowie an einem Kabelverteilerschrank genutzt. Die Trafomessungen und insbesondere alle Abgänge werden dabei fortlaufend kontrolliert. Die Installation an den ausgewählten Stationen und die digitale Abbildung der Messungen konnten mithilfe von SMIGHT Grid2 Sensor Flex – einem besonders flexiblen Vier-Phasen-Stromsensor, welcher sich auch für enge Installationsorte eignet – problemlos erfolgen.
Um nicht nur Informationen über die Auslastung der einzelnen Abgänge, sondern auch über die Gesamtbelastung der jeweiligen Station zu erhalten, wird zusätzlich SMIGHT Grid2 Connect UMG in Kombination mit einem Janitza-Messgerät angewendet. Die Kombination der Messtechniken ermöglicht einen ganzheitlichen Blick auf die Netzsituation und vereinfacht die Bewertung von Lastflüssen, Einspeisungen und Betriebsmittelgrenzen.
Gerade in den ausgewählten Pilotstationen war aufgrund des hohen Photovoltaik-Anteils mit relevanten Rückspeisungen zu rechnen. Während die bisher eingesetzte Messtechnik vor allem den Energiebezug erfasste, ermöglicht das Monitoring nun auch eine transparente Bewertung von Rückspeisungen und deren Auswirkungen auf das Netz.
Kein Problem an der Kläranlage
Wie wertvoll reale Messungen sein können, zeigte sich bei einem Abgang, welcher eine Kläranlage versorgt. Die dazugehörigen Pumpen erzeugen kontinuierlich hohe Anlaufströme, welche in den Lastgängen deutlich zu erkennen sind. Zunächst wirken diese Lastspitzen kritisch – dank der neuen Messdaten wird jedoch deutlich, dass diese Belastung nur kurzzeitig auftritt und die Betriebsmittel nicht dauerhaft an ihre Grenzen gebracht werden.

Hohe Lastspitzen der Kläranlage treten nur kurzzeitig auf. Die Wirkung der anschließend umgesetzten Kabelverstärkung lässt sich direkt nachvollziehen. Foto: SMIGHT GmbH
Belastbare Entscheidungsgrundlage
Für das Feistritzthaler Elektrizitätswerk bietet die genauere Entscheidungsgrundlage einen wichtigen Vorteil. Gegenüber externen Partnern und internen Entscheidungsträgern lassen sich gezielte Maßnahmen sowie erforderliche Investitionen plausibel begründen und durchführen. Außerdem ermöglichen die Neuerungen ein Frühwarnsystem. Risiken lassen sich schneller erkennen und notwendige Maßnahmen können ergriffen werden. Langfristig lassen sich sowohl der Netzausbau als auch der Netzbetrieb dank der neuen Erkenntnisse datenbasierter ausrichten.
Vor rund 6 Monaten ist das Pilotprojekt gestartet. Derzeit stehen andere Projekte im Fokus, doch das Unternehmen sieht die erhobenen Daten und daraus gewonnenen Erkenntnisse als wichtiges Element für die künftige Netzentwicklung. Entscheidungen sollten auf Basis von Fakten statt Vermutungen getroffen werden, um eine effiziente Netzbewirtschaftung sicherzustellen. (rp)


