12.10.2026 – enercity testet eine Anwendung für den Kundenservice in ChatGPT – als eines der ersten Energieunternehmen europaweit. Technische Begrenzungen sollen sensible Daten schützen und falsche Antworten verhindern.
Wer heute nach Informationen sucht, wendet sich immer häufiger an frei verfügbare generative KI-Assistenten. Laut einer Bitkom-Erhebung vom April 2026 nutzt etwa ein Drittel der Deutschen regelmäßig ChatGPT, Gemini und Co.; bei den unter 30-Jährigen liegt der Anteil bei 91 Prozent. Für enercity war es daher ein logischer Schritt, den Kundenservice um eine solche Anwendung zu erweitern: „Wir sind dort hingegangen, wo die Fragen sowieso gestellt werden. Auch unsere Kunden nutzen KI jeden Tag – wie viele von uns. Menschen einen niedrigschwelligen Weg zu ermöglichen, um direkt in den Kontakt zu treten, ist extrem wertvoll“, sagt Moritz Commandeur, Produktmanager bei enercity.

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Von der Idee zur Umsetzung
Im Februar 2026 entstand die Idee – wenig später wurde die Anwendung in Zusammenarbeit mit dem enercity-Technologieunternehmen LYNQTECH entwickelt und war innerhalb kurzer Zeit einsatzbereit. Mit dem KI-Energie-Assistenten ist enercity nach eigenen Angaben eines der ersten Unternehmen europaweit, das eine solche Anwendung anbietet. Das bestehende Kundenportal und der persönliche Kundenservice sollen damit ergänzt werden. Die technische Grundlage der Anwendung bildet ein MCP-Server. MCP steht für „Model Context Protocol“. Über diese Schnittstelle werden die Systeme von enercity in Form eines Plug-ins mit dem Sprachmodell ChatGPT verbunden. Seit Juli 2026 können Kunden mit einem bestehenden Stromvertrag und einem Zugang zu ChatGPT an der Testphase des KI-Energie-Assistenten von enercity teilnehmen. Über einen Link wird die Teilnahme angefragt; die Freischaltung erfolgt durch einen Mitarbeiter von enercity.
Begrenzte Funktionen in der Testphase
In der Testphase stehen den Kunden zunächst nur begrenzte Funktionen zur Verfügung. Es können Vertragsdaten eingesehen, Tarifinformationen abgerufen und allgemeine Fragen zu den Abrechnungen gestellt werden. Auch Fachbegriffe lassen sich in der Chat-Einbindung schnell und in einfacher Sprache erklären. Der MCP-Server stellt dabei kontextbezogene Informationen und eigens entwickelte Funktionen bereit, die dann in Form des Plug-ins in ChatGPT eingebunden werden können. „Ein MCP-Server ist eine Anwendung, mit der Daten von Dritten in eine KI-Anwendung integriert werden können – wie ein Adapter“, fasst Holger Könemann, Produktmanager bei enercity, zusammen.
Datensparsamkeit und Datenschutz
Eine besondere Herausforderung bei der neuen Anwendung ist der sichere und verantwortungsvolle Umgang mit personenbezogenen Daten.Das beginnt mit einem geschützten Zugang zum KI-Energie-Assistenten. Dazu ist die Authentifizierung mittels eines Passworts – sowohl für den enercity-Account als auch für den ChatGPT-Zugang – notwendig. Erst die erfolgreiche Anmeldung ermöglicht einen Zugang zur Anwendung. Insgesamt wurde bei der Entwicklung des Energie-KI-Assistenten großer Wert darauf gelegt, dass er nur die absolut notwendigen personenbezogenen Daten erhebt, verarbeitet und speichert. „Wir versuchen, so datensparsam wie möglich zu arbeiten. Gerade weil wir uns in einer Erprobungsphase befinden. In Europa sind wir der erste Stromversorger mit einer solchen Anwendung“, sagt Commandeur.
Die Anwendung wurde bei ihrer Entwicklung technisch begrenzt, damit bestimmte Handlungen gar nicht erst möglich sind und auch keine Auskünfte über nicht notwendige personenbezogene Daten gegeben werden können. Holger Könemann erläutert: „Wir liefern nicht einmal den Vor- oder Nachnamen aus. Rein technisch kann diese Schnittstelle das auch nicht.“
Halluzinationen ausgeschlossen

Abschläge, Tarife und Verträge auf einen Blick: Der KI-Energie-Assistent liefert die passenden Antworten. (Foto: enercity AG)
Aufgrund der zuvor erfolgten technischen Begrenzung des Plug-ins durch enercity ist der Funktionsumfang eingeschränkt. „KIs oder allgemein Sprachmodelle haben die Neigung zu halluzinieren. Das heißt: Das System bekommt eine Frage, weiß die Antwort darauf nicht. In unserem speziellen Fall mit dem Plug-in ist es so, dass die Anwendung auf eine solche Frage antwortet: ‚Das ist eine Information, die ich nicht liefern kann.‘ Wir haben den MCP-Server so gebaut, dass auf solche Fragen dann auch eine explizite Antwort geliefert wird. ‚Das weiß ich nicht, das kann ich nicht, ich verweise Sie an das Kundenportal‘“, erläutert Commandeur. Zum jetzigen Zeitpunkt ist eine direkte Verlinkung zum Kundenportal oder zum Kundenservice nicht möglich. Auch künftig wird es datenschutzrechtlich und technisch nicht leicht sein, eine nahtlose Anbindung an die „enercity-Welt“ umzusetzen.
Auch das Projektteam sieht nicht, worüber die Kunden mit Chat-GPT sprechen. Allerdings können Nutzungs- und Leistungskennzahlen des KI-Energie-Assistenten abgerufen werden. Enercity möchte für die Zukunft individuelles Kundenfeedback ermöglichen – so soll das Projekt zusätzlich verbessert, weiterentwickelt und an die Kundenbedürfnisse angepasst werden.
Großes Potenzial
Für enercity zeigt die Entwicklung des Projekts: Das Potenzial ist groß, und innerhalb des Unternehmens gibt es durchweg positive Resonanz. Insbesondere die schnelle Umsetzung der Idee habe gezeigt, welche Möglichkeiten durch KI realisierbar sind. Könemann zieht ein Fazit: „Wir haben viele Leute zum Umdenken angeregt – man ist es gewöhnt, dass solche IT-Projekte bis zu einem halben Jahr brauchen – und jetzt wurde bemerkt das es auch anders geht.“ Auch sein Kollege Moritz Commandeur beschreibt die Phase mit den Worten: „Die Leute, die eher mit Skepsis auf ein neues Werkzeug gucken sind aktuell diejenigen, die sagen: ‚Wow, ist das einfach!‘. Das löst sehr positive Emotionen aus.“ Noch bis Ende dieses Jahres soll die Anwendung ausreichend getestet, verbessert und den Kundenbedürfnissen entsprechend weiterentwickelt werden. Anschließend wollen die Beteiligten ein Fazit ziehen und über künftige Schritte entscheiden.
Langfristig ist eine Vielzahl neuer Anwendungsmöglichkeiten vorstellbar. Für die Projektbeteiligten liegt der Schritt nahe, zukünftig weitere Möglichkeiten für User-Interfaces anzubieten. „Also zum Beispiel den MCP-Server weiteren KI-Anbietern zur Verfügung zu stellen. Oder andere Arten der Nutzerkommunikation anzubieten. Naheliegend für mich ist WhatsApp-Business. Es gibt eine ganze Generation, die mit Whats- App eigentlich alles macht“, erklärt Commandeur. Eine konkrete Idee gibt es für den Bereich Smart Metering. Dazu wurde bereits die Website smartmeternow.de durch die Firma LYNQTECH veröffentlicht. „Über Smartmeter.now stellen wir einen Wettbewerb her. Das regt die Motivation an“, merkt Könemann an.
Ergänzung statt Ersatz
Eines ist jedoch heute schon klar: Der Energie-KI-Assistent ist weder als Ersatz für den persönlichen Kundenservice noch für das Kundenportal gedacht. Vielmehr soll er das Serviceangebot erweitern und ergänzen. Das Potenzial und der Wille zur Weiterentwicklung der Anwendung sind da – enercity hat dazu bereits verschiedene Optionen und Ideen. (rp)


