Solarstrom für Bordsysteme

13.05.2022 – Die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) testet einen Solaranhänger für Busse, der unter anderem die Klimaanlagen der Fahrzeuge mit Energie versorgen soll.

Auf dem Anhänger eines sogenannten „Buszugs“, ein Gespann aus Zugfahrzeug und Busanhänger, ist die vom Startup Sono Motors entwickelte Photovoltaik-Anlage installiert. Der Solarbusanhänger ist mit 20 semi-flexiblen Photovoltaik-Modulen ausgestattet, die mehr als 2.000 Watt elektrische Energie an die 24-Volt-Batterie des Fahrzeugs liefern. Der Bus, der den Anhänger zieht, verfügt über einen konventionellen Dieselantrieb. Der Solarstrom wird deshalb vor allem für den Betrieb von Heizung, Lüftung und Klimaanlage sowie für das Lenksystem des Anhängers genutzt. Insgesamt bedecken die Module eine Fläche von zwölf Quadratmetern auf dem Fahrzeuganhänger. Die Dachfläche des Buszug-Anhängers entspricht der eines Normalbusses, wodurch die Untersuchungsergebnisse auf den Einsatz von typischen Elektrobussen übertragbar sind.

Bus Solaranhaenger Sono Motors MVG
Buszug mit Solaranlage auf dem Anhänger. Foto: Sono Motors GmbH

Die MVG und Sono Motors testen den Solarbusanhänger, seine Energieerträge sowie das Potenzial der Technologie im täglichen Betrieb, wie Veit Bodenschatz, Geschäftsführer und Geschäftsbereichsleiter Bus der Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG), näher erläutert: „Mit der Photovoltaik-Anlage auf unserem Busanhänger können wir nun unter Realbedingungen testen, wie gut die Stromerzeugung im Münchner Sommer funktioniert und ob es vielleicht Strecken in unserem Netz gibt, die besser als andere für diese Art der Stromerzeugung geeignet sind. Die Frage, welche Energieeinsparungen durch die Nutzung der Sonnenenergie erzielt werden können, sind natürlich vor dem Hintergrund aktueller Kraftstoff- und Energiepreise besonders spannend.“

Diesel und CO2 einsparen

Laut Sono Motors kann ein mit der Solaranlage ausgerüsteter Bus jährlich bis zu 2.500 Liter Diesel und mehr als 6,5 Tonnen CO2 einsparen. Hochgerechnet auf eine mittelgroße Flotte von etwa 300 Fahrzeugen seien Einsparungen von bis zu 2.000 Tonnen CO2 im Jahr möglich. Mit der Weiterentwicklung der Technologie, zum Beispiel effizientere Solarzellen oder eine bessere Leistungselektronik, sollen zukünftig weitere Einsparungen realisiert werden können.

Energie für die Wärmepumpe

Untersucht wird ferner, ob die Photovoltaik-Anlage bei der künftigen Nutzung von Elektrobussen den Energiemehrbedarf der Wärmepumpe im Klimabetrieb im Sommer kompensieren kann. Damit könnten die Reichweiten der E-Busse ganzjährig auf einem stabilen Wert gehalten werden. Veit Bodenschatz: „Bei Fahrzeugen mit Elektroantrieb geht jeder zusätzliche Verbrauch zulasten der Reichweite. Im Projekt wollen wir nun untersuchen, ob die Photovoltaik-Anlage genug Energie liefern kann, um die Wärmepumpe der Klimaanlage zuverlässig zu betreiben. Die Ergebnisse aus dem Versuch sind vor allem im Hinblick auf die Elektrifizierung unser Busflotte interessant, die bis 2032 abgeschlossen sein soll.“

So unterstreicht auch Katrin Habenschaden, 2. Bürgermeisterin der Stadt München, das Potenzial der Solartechnologie für einen umweltfreundlicheren öffentlichen Nahverkehr: „Wir brauchen im Verkehrssektor einen Kurswechsel. Der Verkehr verfehlt die Klimaschutzziele noch sehr deutlich, und das hat auch in München direkte Auswirkungen auf die Luftqualität in der Stadt. Die Solar-Busse können ein Baustein bei diesem dringend nötigen Wandel hin zu einer klimafreundlichen Mobilität sein. Mich überzeugt die Idee, denn hier kann viel Treibstoff eingespart werden und der CO2-Ausstoß deutlich reduziert werden.“ Die Politikerin ordnet das Pilotprojekt als Teil der Bestrebungen der MVG ein, die Busflotte komplett auf Elektro-Antriebe umzustellen. Das Münchner Unternehmen erhofft sich, mit der eigens erzeugten Solarenergie auch die Reichweite der E-Busse verlängern zu können. (ds)

Münchner Verkehrsgesellschaft mbH
Veit Bodenschatz
presse@mvg.de
www.mvg.de

Share