Ionity-Testzentrum: Ormazabal realisiert Netzanschluss und Fernwirktechnik

01.06.2022 – Als Joint Venture von Automobilherstellern hat Ionity sich zum Ziel gesetzt, entlang europäischer Autobahnen ein Netz an HPC-Ladepunkten aufzubauen. In Unterschleißheim, unweit der Unternehmenszentrale in München, hat Ionity Ende 2021 auf einem 5.000 Quadratmeter großen Areal ein Testzentrum eröffnet. Hier werden dem Joint Venture zufolge alle Komponenten für den Betrieb der Schnellladepunkte unter realistischen Einsatzbedingungen getestet – darunter auch die Mittelspannungskomponenten für den Netzanschluss und die Fernwirktechnik. Diese stammen von Ormazabal und wurden laut dem Schaltanlagenhersteller auf die spezifischen Anforderungen des Projektes zugeschnitten.

Der Ursprung der Zusammenarbeit liegt nach Angaben der Kooperationspartner bei einem gemeinsamen Projekt in Frankreich. Hierfür lieferte Ormazabal projektspezifisch konfigurierte Transformatorstationen für den Netzanschluss als Komplettlösung für E-Mobilität. „Diese Stationen funktionieren selbst ohne Ferntechnik autark und werden lediglich bei Wartungen oder im Störungsfall bedient“, berichtet Antonio González Espinosa, Solutions Manager bei Ormazabal. Als der Bedarf an MS-Netzverknüpfungspunkten für die Ladestationen europaweit wuchs, kam es laut Ormazabal auch in weiteren Ländern zu Kooperationen. Das deutsche Ormazabal Solutions Team wurde im Zuge dessen mit der Planung, Abwicklung und Lieferung einer Übergabestation für das IONITY Testzentrum in Unterschleißheim beauftragt.

Testzentrum Ormazabal Ionity
Ende 2021 eröffnete IONITY in Unterschleißheim auf einem 5.000 Quadratmeter großen Areal ein modernes Testzentrum. Foto: Ionity GmbH

Zwei Transformatorstationen mit vielen Anforderungen

„Die Übergabestation für den Anschluss an das Mittelspannungsnetz musste so ausgelegt sein, dass die unterschiedlichen Systeme gleichzeitig betrieben werden können“, erläutert Antonio González Espinosa. „Es ist eine Mischanlage zur Abnahme und Einspeisung für zwei Ladeinfrastrukturen, die leistungstechnisch unterschiedlich ausgestattet sind.

Die Transformatorstationen wurden im Laufe des Projektes von Drittanbietern geliefert. Da sie mit einer Leistung von über 1.000 kVA konzipiert sind, wurden beide Transformatorstationen an jeweils ein Leistungsschalterfeld angeschlossen. Ormazabal habe diese Felder mit entsprechenden Schutz- und Steuergeräten ausgestattet. „Bedingt durch das ausgelagerte Mittelspannungs-Netz haben wir diese mit einem gerichteten Erdschlussschutz versehen“, ergänzt González Espinosa.

In jeder der beiden Transformatorstationen ist jeweils ein Transformator verbaut. Einer der Trafos versorgt bis zu sechs Ladepunkte, der andere sogar mehr. Wichtig war laut dem Solutions Manager, bei der Planung die aktuellen Technischen Anschlussregeln Mittelspannung (VDE-AR-N 4110) und die spezifischen technischen Anschlussbedingungen des zuständigen Energieversorgers zu berücksichtigen. „Wir haben uns in engem Austausch mit dem Verteilnetzbetreiber abgestimmt, da es zum Zeitpunkt der Planung in der Region noch kein vergleichbares Projekt gemäß den aktuellen Vorschriften gab“, sagt der Solutions Manager.

Uebergabestation OrmazabalI Ionity Testzentrum
Die Übergabestation für den Anschluss an das Mittelspannungsnetz musste so ausgelegt sein, dass die unterschiedlichen Systeme gleichzeitig betrieben werden können. Foto: Ormazabal GmbH

Ebenfalls war die Möglichkeit gefragt, das Testzentrum erweitern zu können. Hierfür sei in der Planung ein entsprechender Reserveplatz berücksichtigt worden.

Eingangsschaltfelder remote steuern

Schaltfelder Trafo OrmazabalI
Ormazabal hat zudem die Leistungsschalterfelder für die Transformatorstationen mit Schutz- und Steuergeräten ausgestattet und die Übergabestation um Fernwirktechnik aus eigener Entwicklung ergänzt. Foto: Ormazabal GmbH

Die Übergabestation wurde mit Fernwirktechnik von Ormazabal ergänzt. „So hat der Netzbetreiber unter anderem die Möglichkeit, seine Eingangsschaltfelder remote zu steuern und relevante Messwerte aus der Übergabestation für den allgemeinen Netzbetrieb zu erhalten“, erklärt Antonio González Espinosa. Die Fernwirktechnik ist unterteilt in zwei Systeme, nämlich das vom Netzbetreiber bereitgestellte Gateway und eine Kunden-Fernwirkanlage von IONITY. Der Austausch zwischen ihnen erfolgt über das Fernwirkprotokoll IEC 60870-5-101.

Als kundenseitige Fernwirkanlage kommt ein Produkt aus der Entwicklung von Ormazabal zum Einsatz: Die Fernsteuereinheit ekor.uct wird dem Unternehmen zufolge als fertige Lösung in einem Schrank geliefert und beinhaltet eine unabhängige, unterbrechungsfreie Stromversorgung, die neben dem Eigenbedarf auch das Netzbetreiber-Gateway versorgt. „Der Netzbetreiber-Anschluss wird über einen Ring bzw. Durchgang mit einer Konfiguration von Kabelfeld/Kabelfeld/Übergabefeld mit Lasttrennschalter angeschlossen. Alle drei Felder sind mit Fernsteuermöglichkeit umgesetzt“, erklärt Antonio González Espinosa. „Die Station verfügt über einen eigenen Transformator mit einer Leistung von 4.600 VA zur Versorgung aller Geräte und ist an eine eigene Transformatorentafel mit Sicherungslasttrennschalter angeschlossen.“ Auf diese Weise bleibt die Versorgung unabhängig von den Trafostationen, falls diese vom Netz getrennt werden sollten.

Ormazabal realisierte nach eigenen Angaben die gesamte technische Planung inklusive Fertigstellung der Übergabestation binnen sechs Monaten. Laut Antonio González Espinosa wurde das Projekt gemäß den damals neu herausgegebenen Technischen Anschluss Bedingungen des Netzbetreibers geplant. „Deswegen gestaltete sich das Projekt mit seinen individuellen Anforderungen als sehr beratungsintensiv. Besonders wegen des Einsatzes der Fernwirkanlage, die speziell auf das örtliche Netzgebiet angepasst wurde, waren fach- und länderübergreifende Kompetenzen notwendig, um das komplexe Vorhaben erfolgreich abzuschließen“, resümiert der Solutions Manager. (ds)

www.ormazabal.com
www.ionity.eu

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