Sie gehören zu den Pionieren der Branche. Was hat Sie 1997/98 bei der Unternehmensgründung bewegt?

Foto: Lula Bornhak-21
Als wir Saxovent 1997 gegründet haben, stand die Überzeugung im Vordergrund, dass Energie sauber, dezentral und unabhängig erzeugt werden muss – der Schritt in die Windenergie war für uns eine logische Konsequenz. Es ging uns nicht nur um Technik, sondern auch um eine politische Haltung: die Energiewirtschaft zu demokratisieren. Das EEG, das wenig später kam, hat dieser Idee dann die wirtschaftliche Grundlage gegeben.
Wie ging es weiter? Welche Entwicklung nahm Saxovent – und warum?
Anfangs waren wir ein klassischer Projektentwickler. Das EEG ermöglichte uns dann, wirtschaftlich tragfähige Projekte zu realisieren – daraus wurde ein professionelles Unternehmen mit wachsendem Know-how. Im Lauf der Jahre haben wir unsere Kompetenzen ausgeweitet: von Wind zu Solar, von der Planung bis zum Betrieb. Saxovent ist heute ein technologieoffenes Beteiligungsunternehmen mit Fokus auf erneuerbare Infrastruktur. Unsere Tochter Saxovent Renewables entwickelt Wind-, und Solarprojekte von der Fläche bis zum Betrieb – deutschlandweit und ganzheitlich. Heute sind wir ein Beteiligungsunternehmen mit Fokus auf skalierbare, CO₂-vermeidende Technologien – mit klarem Anspruch auf Wirkung.
Wie kann man sich das im konkreten Geschäftsbetrieb vorstellen?
Wir prüfen jedes Projekt auf seine reale CO₂-Wirkung und Systemverträglichkeit. Das bedeutet auch, dass wir manche Vorhaben bewusst nicht weiterverfolgen, wenn zum Beispiel die Standortbedingungen langfristig nicht tragfähig sind oder kein sinnvoller Netzanschluss möglich ist. Wir wollen nicht einfach „bauen um des Bauens willen“, sondern gezielt Infrastruktur schaffen, die wirklich zur Dekarbonisierung beiträgt. Wirtschaftlichkeit und Klimanutzen müssen dabei im Gleichgewicht stehen.
Wie hat der jeweilige politisch-regulatorische Rahmen Ihr Geschäft über die Jahre beeinflusst?
Wie gesagt: Ohne das EEG gäbe es uns in dieser Form nicht – es hat erst die Spielregeln geschaffen, um überhaupt ins Netz zu kommen. Gleichzeitig war die politische Volatilität oft herausfordernd: Fördermechanismen wurden zu oft geändert, Genehmigungswege zu selten vereinfacht. Viel zu häufig wurde Energiepolitik als Krisenreaktion betrieben, statt strategisch geplant. Unser Geschäftsmodell mussten wir deshalb regelmäßig anpassen. Dabei haben wir uns nie auf Subventionen verlassen.
Wie gestaltet sich heute die praktische Projektumsetzung?
Genehmigungen sind oft ein Marathon: Wir haben es mit 16 Landesbauordnungen zu tun, die Prozesse sind kaum digitalisiert. Der Netzausbau hinkt dem Bedarf hinterher, und auch beim Repowering alter Anlagen gibt es unnötige Hürden. Da gäbe es noch viele Möglichkeiten zur Beschleunigung.
Windkraftprojekte sind bis heute an manchen Standorten umstritten. Was sind Ihre Erfahrungen?
Akzeptanz vor Ort entsteht nicht durch Gesetze, sondern durch faire Beteiligung und ehrliche Kommunikation. Wir setzen deshalb auf regionale Wertschöpfung, transparente Prozesse und Projekte, die in den Standort eingebettet sind.
Aktuell wird darüber nachgedacht, den Ausbau der Erneuerbaren auch wirtschaftlich enger an den Netzausbau zu koppeln. Was halten Sie davon?
Das zeigt, dass wir die Energiewende zu lange als technisches Einzelprojekt behandelt haben, ohne das Gesamtsystem zu planen. Wir brauchen dringend ein Markt- und Netzdesign, das Flexibilität, Speicher und Regionalität mitdenkt.
Wie bewerten Sie sinkende Börsenpreise und Ausschreibungszuschläge?
Börsenpreise im Minusbereich sind kein Zeichen von Überfluss, sondern von fehlender Steuerung, und auch das Ausschreibungsmodell passt nicht für langfristige Projekte. Der nächste Schritt der Energiewende muss deshalb systemisch gedacht werden, ohne an den Symptomen herumzudoktern.
Was ist Ihr Fazit nach 25 Jahren EEG?
Das EEG war ein historischer Durchbruch. Es hat private Akteure in den Markt gebracht und Deutschland zum Technologieführer gemacht. Aber wir haben es nicht geschafft, das Gesetz so weiterzuentwickeln, dass es irgendwann überflüssig wird. Heute brauchen wir weniger Förderung und mehr Struktur: klare Regeln, schnelle Verfahren, digitale Schnittstellen und mutige Entscheidungen. Der Geist des EEG – Innovation durch Ermöglichung – sollte unser Kompass für die nächsten 25 Jahre sein.
Und welche Rolle will Saxovent spielen?
Unser Ziel ist eine vollständig saubere, resiliente Energieversorgung, in der auch Speicher, Netze und intelligente Systeme zusammenspielen. Dazu wollen wir konkrete Projekte realisieren und Impulsgeber für strukturelle Lösungen sein. (pq)


