17.07.2025 – Geld für Energiewende-Projekte ist bei kommunalen Versorgern knapp und schwer zu beschaffen. FinanceConnect, ein neues Joint-Venture der Energieforen Leipzig mit zwei spezialisierten Partnern, will helfen, die Lücken zu schließen – und hat dazu sogar einen eigenen Fonds aufgelegt.
Neue Fernwärmenetze, digitale Ortsnetzstationen oder der Rollout der intelligenten Messsysteme – solche Beispiele für aktuelle energiewirtschaftliche Projekte zeigen, dass auf dem Weg zur Klimaneutralität viel Geld ausgegeben werden muss. In einer aktuellen Untersuchung berechnet die Unternehmensberatung Kearney, dass bis 2030 etwa 675 Milliarden Euro in Erzeugungs- und Speicherkapazitäten sowie Infrastruktur inves tiert werden müssen, um die Dekarbonisierungsziele zu erreichen.
Hoher Finanzbedarf
Die Hauptlast dieser Investitionen tragen die Unternehmen der Versorgungswirtschaft – und dort klafft der Studie zufolge eine Investitionslücke von insgesamt etwa 185 Milliarden Euro, die nicht über Eigenkapital, Kredite oder Fördermittel abgedeckt sind. Während die Großen der Branche dafür gerüstet sind, über die Finanzmärkte neues Geld einzuwerben, haben die kleinen und mittleren Stadtwerke nur noch wenig Spielräume. Ihre Verschuldung hat sich nach den Berechnungen von Kearney seit 2018 mehr als verdoppelt.
Das bestätigt auch Tobias Frevel, Gründer und Geschäftsführer der Energieforen Leipzig GmbH: „Die Einnahmen im Kerngeschäft sinken, die Eigenkapitalquote liegt im Schnitt heute noch bei etwa 30 Prozent. Die anstehenden Investitionen belaufen sich aber nicht selten auf ein Vielfaches des vorhandenen Eigenkapitals. Da kann auch die Hausbank nicht mehr helfen.“ Gleichzeitig sind kommunale Energieversorger hinsichtlich der Beschaffung von Mitteln an strenge Vorgaben gebunden. Gesucht seien also Strategien, mit denen sich die Eigenkapitalquote – und damit der Kreditrahmen – erhöhen lässt, ohne die Daseinsvorsorge zu gefährden.
Doch die Gestaltung entsprechenderFinanzierungsmodelle und die Suche nachgeeigneten Geldgebern ist keineswegs trivial. Das Problem: Die im Einzelfall anstehende Projekte sind vergleichsweise klein, komplex und oft nur langfristig rentabel. Das mache es schwierig, externe Investoren zu überzeugen: „Ein Großinvestor könnte Vorhaben wie örtliche Nahwärmenetze oder Agri-PV-Anlagen auf kommunalen Brachflächen problemlos finanzieren – er wird sich aber mit entsprechenden Anfragen gar nicht beschäftigen, weil die Umsetzung und das Geschäftsmodell dahinter in Relation zum erwartbaren Ertrag einfach zu kompliziert und zu unwägbar sind“, konkretisiert Tobias Frevel. Solche Hürden zu überwinden, sei möglich, doch in den meisten Stadtwerken fehlten dafür die notwendigen Ressourcen, Kompetenzen und Kontakte.
FinanceConnect
Diese gibt es allerdings bei den Versicherungsforen Leipzig, einem Kompetenznetzwerk für die Versicherungsbrancheund Schwestergesellschaft der Energieforen, sowie beim Green Finance-Spezialisten Pine Valley. Im Joint Venture Finance Connect bündelten die drei UnternehmenA nfang dieses Jahres ihre Kräfte, um Versorgungsunternehmen innovative Finanzierungswege für Energie-, Mobilitäts- und Wärmewendeprojekte zu eröffnen und den Zugang zu Investoren zu erleichtern.
Während die Energieforen ihr energiewirtschaftliches Know-how in die neu gegründete Gesellschaft einbringen, unterstützen die Versicherungsforen und PineValley mit der notwendigen Expertise in Finanzierungsfragen und einem Netzwerk von rund 350 potenziellen Investoren. FinanceConnect versteht sich zum einen als Berater der Stadtwerke. Das beginnt mit der Analyse der zu finanzierenden Projekte und dem gemeinsamen Ausloten möglicher Finanzierungskonzepte – von der Förderungbis hin zur Gewinnung von Investoren. Tobias Frevel, Mitinitiator und einer der führenden Köpfe bei FinanceConnect, rät, die Finanzierung frühzeitig zu planen – sobald das Projekt beschrieben und beziffert werden kann. Steht die Strategie, unterstützt FinanceConnect bei der Umsetzung. „Wo immer die Mittel eingeworben werden sollen – Voraussetzung ist stets, dass das Projekt und das Stadtwerk, das dahintersteht, für den Geldgeber transparent und attraktiv ist“, so Frevel. Das erfordert neben der Erläuterung der fachlichen und regulatorischen Rahmenbedingungen des Vorhabens vor allem ein schlüssiges Geschäftsmodell, in dem sich die Kosten und die Rentabilität klar abbilden lassen. „Solche Business Cases kann man zum Beispiel über Projektgesellschaften schaffen, deren Gegenstand die Errichtung und der Betrieb des fraglichen Assets ist. In diesen Gesellschaften wird der Investor reiner Geldgeber oder Partner und verpachtet die Anlagen an das Stadtwerk“, erläutert Frevel. Das sichere dem Investor einen kalkulierbaren ROI und verringere den Finanzierungsbedarf des Versorgers.
Fonds für Energiewendeprojekte
Gleichzeitig räumt Frevel ein, dass die Gewinnung von Finanzpartnern für Energiewendeprojekte herausfordernd bleibe und es keine Patentrezepte gebe. Bei Projekten, in denen innovative Technologien zum Einsatz kommen oder ein langsamer Cashflow zu erwarten ist, sei oftmals viel Überzeugungsarbeit bei den Investoren notwendig.

In der Versorgungsbranche stehen umfangreiche, teure Infrastrukturprojekte an. Neue Finanzierungskonzepte sind gefragt.
Doch die Anstrengung lohnt sich, denn viele Ansätze, die bis vor kurzem als unsicher galten, schreiben heute Erfolgsgeschichten: „Vor zwei Jahren hätte niemand in Speichertechnologien investiert – heute sind sie hoch gefragt.“ Im Team von FinanceConnect beobachtet man außerdem, dass auch der immaterielle Wert von Investitionen in die Energie-, Wärme- und Verkehrswende speziell von regionalen Kapitalgebern an Bedeutung gewinnt.
Mit diesem Wissen – und um die Projektfinanzierung noch effektiver gestalten zu können – hat FinanceConnect einen eigenen Fonds aufgelegt. Der Fonds wird von einer professionellen Kapitalverwaltungsgesellschaft nach den Regularien der Finanzaufsicht BAFIN gemanagt und ist speziell für die anstehenden Versorgungs-und Dekarbonisierungsaufgaben der Stadtwerke konzipiert. Tobias Frevel: „Das Konzept ist darauf ausgelegt, die Eigenkapitalbasis von Stadtwerken respektive Netzbetreibern zu stärken und richtet sich gezielt an Versicherungen, Pensionskassen, Landesbanken und Sparkassen, um ihnen nachhaltige und überzeugende Investitionsmöglichkeiten im Heimatmarkt zu bieten.“ Wie er berichtet, stößt die Idee dort auf positive Resonanz: 250 Millionen Euro Fondskapital konnten bereits eingeworben werden, bis 2030 soll es eine Milliarde werden.
Investiert werden die Mittel ausschließlich in die typischen Infrastrukturprojekte kleiner und mittlerer Versorger – Strom-, Wärme-oder Wassernetze – sowie den Aufbau erneuerbarer Erzeugungskapazitäten. „Pro Projekt kann der Fonds 2,5 bis 25 Millionen Euro beisteuern“, konkretisiert Tobias Frevel. An Nachfrage dürfte es nicht mangeln. (pq)



