06.05.2026 – Innovative Entwicklungsansätze verbinden künstliche Intelligenz mit Fachsystemen – so etwa eine gemeinsame Lösung von ene’t und enermaind für Energievertriebe.

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Künstliche Intelligenz wird vielfach kritisch betrachtet – insbesondere hinsichtlich ihrer Auswirkungen auf die Arbeitswelt. Für das Aachener Start-up enermaind, das sich auf KI-Lösungen für die Energiewirtschaft spezialisiert hat, überwiegen die positiven Aspekte: KI sieht man dort vor allem auch als Investition in die Mitarbeitenden. Geschäftsführer Hubertus Lemken erläutert, dass moderne KI-Tools schon deutlich mehr können als die Beschäftigten von zeitraubenden Routinetätigkeiten zu entlasten. „Ein KI- Chat ist ein digitaler Kollege, der das Team im Alltag unterstützt, Antworten liefert und Abläufe vereinfacht – dadurch erhält die Arbeit eine völlig neue Qualität.“
KI-Kompatibilität für Fachsysteme
Das gelingt insbesondere dann, wenn KI nicht nur als hochspezialisierte „Hilfskraft“ eingesetzt wird, die für klar definierte Aufgaben trainiert wurde – und dementsprechend auch nur diese beherrscht. Wirkliche Mehrwerte entstehen, wenn die digitalen Kollegen befähigt werden, Mitarbeitende proaktiv bei ihrer alltäglichen Arbeit mit Fachsystemen zu unterstützen. Möglich wird das mit MCP (Model Context Protocol) – einem Open Source-Protokoll, das eine bidirektionale Verbindung sowie die standardisierte Kommunikation zwischen KI-Anwendungen und externen digitalen Services ermöglicht. „Damit erhält die KI auch Zugriff auf die spezielle Logik des jeweiligen Fachsystems und kann dementsprechend wesentlich umfassender unterstützen als der freundliche Chatbot, der auf der Website Zählerdaten abfragt“, ergänzt Lemken.
Bewährte Tools besser nutzen

Auch Zeitreihen und Prognosen können in natürlicher Sprache abgefragt werden. (Foto: ene’t GmbH/enermaind GmbH)
Wie das im Energievertrieb funktionieren kann, zeigt eine Lösung, die enermaind und ene’t gemeinsam entwickelt haben. Sie ermöglicht es beliebigen KI-Chatsystemen per natürlicher Sprache auf die Daten und Funktionen des ene’t Navigators zuzugreifen. Der Navigator ist als zentrale Arbeitsumgebung für Energievertriebe konzipiert und bündelt tagesaktuelle Marktdaten, Anwendungen und Webservices, die das Tagesgeschäft unterstützen. „Aktuelle Markdaten und leistungsfähige Tools zur Verarbeitung dieser Informationen sind für moderne Energievertriebe unverzichtbar, um attraktive Liefergebiete zu identifizieren, wettbewerbsfähige Tarife zu kalkulieren, Rechnungen einschließlich aller Fremdkostenanteile effizient und korrekt auszustellen und Kundenanfragen überzeugend zu beantworten“, erläutert ene’t-Geschäftsführer Roland Hambach. Die modulare Branchenplattform des IT-Dienstleisters aus Hückelhoven ist bei mehr als 600 Energievertrieben im Einsatz. Über den neu entwickelten ene’t.maindlink wird der ene’t Navigator gleichsam KI-kompatibel – vergleichbar einem Endgerät, das per USB-Stick an den Rechner angeschlossen wird.
Schnelle Antworten auf komplexe Fragen

Gebündelt und strukturiert aufbereitet, können die Ergebnisse komplexer Analysen sofort genutzt werden. (Foto: ene’t GmbH/enermaind GmbH)
Ganz ohne zusätzliche Plattform oder spezielle Schulungen profitieren die Anwender:innen unmittelbar. So können Suchanfragen, die bislang spezifische Routinen erforderten, im Austausch mit einem KI-Chatbot in natürlicher Sprache gestellt werden. „Der Anwender muss also nur noch wissen, was er erfahren möchte, und sich mit dem Prozess der Suche gar nicht mehr auseinandersetzen“, erklärt Hubertus Lemken. Wird beispielsweise die Adresse des Netzbetreibers am Standort des Gewerbekunden XYZ gesucht, genügt es, genau diese Frage zu stellen. „Der Chatbot wird bei Bedarf nachhaken, um welche Niederlassung des Unternehmens es geht, und ob der Netzbetreiber für Strom oder Gas gemeint ist“, führt Lemken aus. Das Ergebnis erhalten Anwender:innen praktisch umgehend, nachdem die KI im Hintergrund mit strukturierten Abfrageketten und automatisierten Prüfmechanismen, wie etwa der Adressevaluierung, ihre Arbeit getan hat. Dass dabei auch externe Informationen eingebunden werden können, beschleunigt den Vorgang erheblich – in diesem Fall etwa bei der Suche nach der korrekten Kundenadresse.
Auf Wunsch zeigt die KI auch Entwicklungen auf, stellt Vergleiche an oder gibt auf Basis der analysierten Daten sogar aktive Entscheidungshilfe – beispielsweise bei der Suche nach dem günstigsten Netzbetreiber zur Entscheidungsfindung über künftige Unternehmensstandorte. Auch komplexere Aufgaben, wie etwa die Rechnungsprüfung, lassen sich so automatisiert erledigen. „Für die KI reicht ein PDF der Rechnung und der Zugriff auf den ene’t-Navigator aus, um sehr schnell zu überprüfen, ob die Rechnung in allen Punkten korrekt ist“, berichtet Hubertus Lemken. Roland Hambach ergänzt die Perspektive des Serviceteams und der Kund:innen: „Damit können typische Kundenanliegen quasi per Knopfdruck geklärt werden – und das sorgt einfach für hohe Zufriedenheit auf allen Seiten.“
Die neue gemeinsame Lösung ist einsatzbereit, die Technologie selbst für vielfältige andere Anwendungsfälle nutzbar. (pq)


