29.05.2026 – KI-Agenten schreiben E-Mails, beantworten Kundenanfragen oder durchsuchen eigenständig das Netz. Für Unternehmen bedeutet dies jedoch: Wer seine Inhalte nicht stärker maschinenlesbar aufbereitet, könnte künftig übersehen werden.
Unbemerkt von so manchem User verändern sich Teile des Internets im Hintergrund. Webseiten werden immer mehr zu Datenquellen für Maschinen, während klassische Benutzeroberflächen an Bedeutung einbüßen, wie Zukunftsforscherin Christiane Varga dem Digitalmagazin t3n gegenüber erläutert: „Der Einzug von KI beendet die Gewissheit, dass nur der Mensch Auslöser von Handlung ist“. Infolgedessen besteht die Gefahr, dass Unternehmen verstärkt darauf achten müssen, ihre Online-Inhalte auch auf die neuen Player im Netz auszurichten, wie Jonathan von Rüden, Chief AI Officer von SAP, warnend anmerkt: „Wer Daten und Inhalte nicht maschinenlesbar aufbereitet, wird im Netz bald übersehen werden.“
Da das Wettrennen um Sichtbarkeit im neuen „KI-Web“ bereits angelaufen ist, gibt es erste Bemühungen von Unternehmen, mit dieser Dynamik Schritt zu halten. Eine Strategie beschreibt die „Answer-Engine-Optimization“: Mit ihr versuchen Unternehmen, Forschende und andere Player, ihre Sichtweisen in den Antworten von Sprachmodellen gezielt zu platzieren. Eine andere Möglichkeit, die Sichtbarkeit zu steigern, besteht darin, verstärkt auf sogenannte Tokens zu achten.
Neue Währung im KI-Web?
Nach Ansicht von Digitalexpert:innen könnten Tokens künftig eine zentralere Rolle für die Sichtbarkeit und Wahrnehmung im Internet spielen: Bei den Tokens handelt es sich um kleine Textbausteine, in die eine KI jeden Satz zerlegt. Dies können ganze Wörter, Wortteile, Satzzeichen oder sogar Leerzeichen sein. Da Sprachmodelle nicht wie Menschen direkt mit der Sprache arbeiten, rechnen sie stattdessen mit diesen Tokens und sagen Schritt für Schritt voraus, welches Token als Nächstes wahrscheinlich folgen wird, um daraus Antworten zu erzeugen. Weil jede Anfrage und jede Antwort aus vielen einzelnen Tokens bestehen, mausern sie sich in der neuen KI-Welt zu einer Art digitaler Währung: Denn je häufiger und klarer bestimmte Begriffe, Themen oder Zusammenhänge in diesen Tokens vorkommen, desto wahrscheinlicher erkennt das KI-Modell ein Unternehmen als relevant an und greift später in seinen Antworten auf diese Informationen zurück – soweit die Theorie. (cp)
Symbolbild: Knut Wiarda / stock.adobe.com



