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INTERVIEW: KI ins Stadtwerk holen

04.09.2025 – Insgesamt 140 Stadtwerke und EVU wollen im Rahmen der Kooperation Die Netzwerkpartner energiewirtschaftliche Herausforderungen gemeinsam angehen – so auch das Thema KI. Im Mai startete eine Initiative mit 18 Stadtwerken. Wir sprachen mit Projektleiter René Meyer.

René Meyer, KI-Experte bei der Kooperation Die Netzwerkpartner und Projektleiter des KI-Projekts (Foto: Die Netzwerkpartner e.V.)

Herr Meyer, was war die Motivation für das KI-Projekt?

Wir haben die KI-Initiative ins Leben gerufen, um Stadtwerke gezielt beim Einstieg in Künstliche Intelligenz zu unterstützen. In vielen Unternehmen fehlt es noch an fundiertem Know-how, während erste KI-Projekte oft ohne strategischen Rahmen stattfinden. Unser Ziel der KI-Initiative ist es, Orientierung zu geben, eine klare Roadmap aufzuzeigen und Use Cases zu identifizieren, die echten Mehrwert bringen. Zusätzlich vermitteln wir in der Master Class ein grundlegendes Verständnis der rechtlichen Rahmenbedingungen – vom EU AI Act bis zur DSGVO.

Insgesamt 18 Stadtwerke haben sich beteiligt. Wie setzte sich die Teilnehmerschaft zusammen?

Die Gruppe ist bunt gemischt: kleinere und mittlere Versorger mit Fokus auf Strom und Gas ebenso wie größere Unternehmen mit zusätzlichen Sparten wie Wasser oder ÖPNV. Die Teilnehmenden kommen vor allem aus Vertrieb, Kundenservice, Unternehmensentwicklung und IT. Damit bringen sie sehr unterschiedliche Blickwinkel und Herausforde- rungen ein.

Was ist bisher im Projekt geschehen?

Bisher haben wir sechs Workshops im Format einer Master Class durchgeführt. In vier Input-Sessions vermittelten wir Grundlagen zu KI, Datenkompetenz, Governance und strategischer Einbettung. Ergänzend lernten die Teilnehmenden verschiedene Tools kennen und testeten, wie KI den Arbeitsalltag erleichtern kann. In zwei Arbeitssessions erarbeiteten die Teilnehmenden in Kleingruppen Use Cases, deren Relevanz anschließend von der Gruppe diskutiert und priorisiert wurde.

Wie geht es nach der Master Class weiter?

In Phase zwei der KI-Initiative arbeiten wir jetzt an der Umsetzung der identifizierten Use Cases. Unser dreistufiges Konzept umfasst die strukturierte Datenvorbereitung, die Entwicklung konkreter KI-Lösungen in einem KI-Campus und die Integration in den Unternehmensalltag. Dieses Angebot steht allen Mitgliedsunternehmen der Netzwerkpartner offen – nicht nur den bisherigen Teilnehmenden.

Welche User Cases werden umgesetzt und wie gehen Sie dabei genau vor?

Ein erster Use Case ist die KI-gestützte Automatisierung von Kundenanfragen per E-Mail. Standardanfragen werden automatisch erkannt, klassifiziert und direkt beantwortet oder an die richtige Stelle weitergeleitet. Das entlastet Mitarbeitende von Routinetätigkeiten und schafft Freiräume für komplexere Aufgaben. Die Kundschaft der Stadtwerke profitiert wiederum von kürzeren Reaktionszeiten.

Sind die entwickelten Lösungen anschließend für die Teilnehmer oder andere Stadtwerke nutzbar – und zu welchen Konditionen?

Alle Netzwerkpartner erhalten Zugang zu den entwickelten Lösungen. Stadtwerke, die aktiv an der Entwicklung beteiligt waren, profitieren von finanziellen Vorteilen, weil sie bereits Ressourcen ins Projekt eingebracht haben. So schaffen wir einen fairen Zugang zu den Ergebnissen und stärken gleichzeitig den gemeinschaftlichen Entwicklungsansatz unserer Initiative.

Soll das Projekt fortgesetzt oder wiederholt werden? Wie sind die weiteren Planungen – auch mit Blick auf EVU, die bislang nicht teilgenommen haben?

Das Projekt wird fortgesetzt. Im KI-Campus greifen wir weitere identifizierte Use Cases auf und setzen sie in eigenen Teilprojekten um. Alle Lösungen fließen in eine gemeinsame, wachsende KI-Plattform ein – mit dem Ziel, ein umfassendes, lernendes Modell für vielfältige Einsatzmöglichkeiten zu schaffen. Der Einstieg ist jederzeit möglich, auch für Energieversorger, die bislang nicht teilgenommen haben. (pq)

www.dienetzwerkpartner.com