29.04.2026 – Vom internen KI-Einsatz zur hochintegrierten energiewirtschaftlichen Plattform – die kraftwerk Software Gruppe verfolgt innovative Ansätze bei der Nutzung künstlicher Intelligenz.

Foto: Kraftwerk Software Holding GmbH
Künstliche Intelligenz wird unsere Lebens- und Arbeitswelt fundamental verändern und – fast wie die Elektrizität – zur unsichtbaren, aber unverzichtbaren Basis der meisten Prozesse werden. Doch wie lässt sich KI so implementieren, dass sie im Unternehmen nachhaltig wirksam wird? Andreas Weber, CEO der kraftwerk Software Gruppe, hat dazu eine klare Position: „KI entfaltet ihren Wert erst dann, wenn sie tief in die Architektur einer Softwareplattform integriert ist – und wenn das gesamte Unternehmen bereit ist, mit ihr zu arbeiten.“
Unternehmensweite KI-Strategie
Aus diesem Grund ging kraftwerk einen ungewöhnlichen Weg und setzte zunächst eine weitreichende interne KI-Strategie um: Mehr als 380 Mitarbeitende wurden im Umgang mit KI-Werkzeugen geschult. In allen Teams wurde die praktische Anwendung eng mit der Entwicklung verzahnt und Werteströme definiert, in denen KI-gestützte Arbeitsweisen den Standard bilden – von der Buchhaltung bis zum Support.
„Ein zentrales Beispiel für die interne Anwendung ist das Requirements Management“, erläutert Andreas Weber. „Anforderungen an neue Funktionen werden heute KI-gestützt aufgenommen, strukturiert und auf Vollständigkeit geprüft. Was früher intensive Abstimmungsschleifen erforderte, läuft heute schneller und konsistenter. Die KI erkennt Widersprüche, schlägt Präzisierungen vor und hält das Ergebnis in einem strukturierten Format fest.“ Ähnliches gilt für die Dokumentenanalyse. Regulatorische Vorgaben, Vertragsunterlagen oder technische Spezifikationen werden automatisch ausgewertet und auf relevante Inhalte verdichtet. „Gerade in der Energiewirtschaft, wo sich gesetzliche Anforderungen in hoher Taktung ändern, verschafft das den Teams einen entscheidenden Vorsprung“, berichtet der CEO.
Auch in der Softwareentwicklung selbst ist KI integriert. So unterstützt sie Entwicklerinnen und Entwickler beispielsweise in der Code-Analyse beim Review, bei der Fehlersuche und beim Refactoring. Die Codequalität steigt, während repetitive Aufgaben automatisiert werden. Die Entwickler gewinnen auf diese Weise mehr Zeit für anspruchsvollere Problemstellungen.
„Unser Ansatz ist: KI soll Menschen unterstützen, nicht ersetzen. Für uns ist wichtig, dass KI wirklich im System arbeiten kann. Viele Anbieter nutzen KI eher als zusätzliche Lösung außen herum. Bei uns ist sie tief integriert und kann direkt Funktionen unterstützen oder sogar Programme mitentwickeln“, erläutert Andreas Weber.
Daten und Prozesse auf einer Plattform
Diesen Ansatz setzt kraftwerk Software auch in ihrer energiewirtschaftlichen Plattform um – dem gemeinsamen Projekt der sechs Softwareunternehmen, die sich 2024 in der Gruppe zusammengeschlossen hatten. Das Ziel: Die komplette kaufmännische Wertschöpfungskette eines Versorgungsunternehmens auf einer einheitlichen technologischen Basis abzubilden, die von Beginn an auch eine tiefgreifende Integration von KI-Funktionalitäten möglich macht. Die Entscheidung fiel auf Microsoft Dynamics 365 Business Central.
Heute bündelt die Plattform bis dato getrennte Branchenlösungen wie ERP und Billing, Energiedatenmanagement, CRM und Vertriebsmanagement, Enterprise Asset Management sowie E-Mobility – über alle Marktrollen hinweg, vom Lieferanten über den Messstellenbetreiber bis hin zum Netzbetreiber. Andreas Weber: „Die kraftwerk Software Gruppe ist aktuell der einzige Anbieter, der all diese Prozesse und die notwendigen Daten in einer integrierten Lösung vereint. Damit schaffen wir gleichzeitig die Basis, auf der KI tatsächlich wirken kann.“
Integration statt Anbindung
Während zahlreiche Softwareanbieter KI-Funktionen als nachgelagerten Layer über Schnittstellen an ihre Lösungen anbinden, hat kraftwerk Software die KI direkt in die Plattform integriert. Technisch erfolgt das über eigene MCP-Services. MCP steht für „Model Context Protocol“ – ein offener Standard, der KI-Modellen ermöglicht, sicher auf externe Datenquellen zuzugreifen. kraftwerk Software betreibt hierfür einen eigenen MCP-Server in einem deutschen Rechenzentrum. Die Anwendungsdaten verbleiben damit in einer geschützen und zertifizierten Umgebung, was für KRITIS- Betreiber entscheidend ist. Die Plattform bleibt dabei modelloffen: Der MCP-Server ist neben den Microsoft-eigenen Copilot-Lösungen kompatibel mit Claude, ChatGPT, Gemini und weiteren KI-Diensten. Viele eingesetzte KI-Lösungen sind Eigenentwicklungen, die bei Bedarf durch Large Language Models ergänzt werden können.

Grafik: Kraftwerk Software Holding GmbH
Agentic AI
Der strategische Schwerpunkt liegt auf Agentic AI, also KI-Systemen, die nicht nur auf Anfragen reagieren, sondern proaktiv handeln und eigenständig mehrstufige Aufgaben erledigen. Andreas Weber ist überzeugt: „In der Energiewirtschaft mit ihrer regulatorischen Komplexität, dem Fachkräftemangel und steigenden Anforderungen an Datenqualität wird genau das künftig der entscheidende Hebel sein.“
Die kraftwerk-Plattform unterstützt solche agentischen Workflows durchgängig – und zwar vom Bilanzkreis- und Netznutzungsmanagement über den Messstellenbetrieb bis hin zum strategischen Asset Management. „Unser Ziel ist, aus Daten Entscheidungen abzuleiten, automatisiert und nachvollziehbar“, führt Andreas Weber aus und verweist auf konkrete Beispiele, die das Potenzial illustrieren: Im Bereich E-Mobilität wurde eine KI-gestützte Automatisierung des Zahlungsverkehrs realisiert – laut Weber um Faktoren schneller in der Spezifikation und Implementierung. Bei der Zählerablesung ermöglicht die kraftwerk-Plattform heute, einfach eine Zählerwand abzufilmen – die KI erkennt automatisch die Zählerstände und bereitet die Werte für die Weiterve arbeitung auf. Und im strategischen Asset Management analysiert die Lösung LCC Nion Betriebsmitteldaten und unterstützt die Entscheidungsfindung.
Der kraftwerk.Operations.Hub digitalisiert wiederum die operativen Prozesse bis zur Bereitstellung aller notwendigen Auftragsinformationen für die Instandhaltung und Zählerbewirtschaftung im Feld. Der Monteur erhält vor Ort in der Trafostation oder im Umspannwerk einen natürlichsprachigen Zugriff auf alle technischen Dokumentationen der Anlage – in jeder beliebigen Sprache, etwa auf Rumänisch, Ukrainisch oder Polnisch.
KI als Katalysator
Für Stadtwerke sei KI-Nutzen heute schon kein abstraktes Versprechen, sondern operative Realität, so Andreas Weber. „Ihnen wird KI vor allem dabei helfen, schneller zu verstehen, welche strategischen Optionen sie haben und wie sie ihr Geschäftsmodell weiterentwickeln können.“ Auch im eigenen Unternehmen sieht der kraftwerk-CEO die KI in erster Linie als Chance, die Produktivität drastisch zu erhöhen: „Wo zeitraubende Tätigkeiten entfallen, werden Ressourcen frei, um Prozesse zu beschleunigen und die Qualität der Ergebnisse zu verbessern.“ Entscheidend sei es, die Mitarbeiter auf diesem Weg mitzunehmen, denn – so Weber – in wenigen Jahren wird die Fähigkeit, KI im Arbeitsalltag einzusetzen, so wichtig werden wie Lesen und Schreiben. (pq)


