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Bremsklotz für PV-Dachanlagen?

22.09.2025 – Seit der Veröffentlichung des vom BMWE beauftragten Monitoringberichts stehen verschiedene Maßnahmen zum Fortgang der Energiewende auf dem Prüfstand: Eine davon behandelt die Förderung kleinerer Aufdach-PV-Anlagen.

Bundeswirtschaftsministerin Katharina Reiche (CDU) hat seit der Vorstellung des Monitoringberichts „Energiewende. Effizient. Machen.“ bei einigen Branchenakteuren für Irritationen gesorgt. So führte bereits die Ankündigung der Abschaffung von fixen Einspeisevergütungen sowie die vollständige Beendigung der Vergütung bei negativen Preisen für erneuerbare Energien zu ersten negativen Reaktionen: „Anstelle von Einschnitten bei der Solarförderung benötigen Betreiber und Branche einen verlässlichen Investitionsrahmen und weniger Marktbarrieren. Nur so kann Solarenergie den erforderlichen Beitrag zur Umsetzung der Klimaziele leisten und absehbare Zielverfehlungen im Bereich der Windkraft, im Verkehrssektor und bei der Gebäudemodernisierung kompensieren,“ kommentierte Carsten Körnig, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands Solarwirtschaft e. V. (BSW), in einem ersten Statement.

Die Kritik richtet sich unter anderem gegen das Vorhaben des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWE), das bei der Einspeiseförderung von kleineren PV-Dachanlagen den Rotstift ansetzen will – und stattdessen auf noch auszugestaltende Fördermechanismen aus leistungs- oder kapazitätsbezogenen Prämien sowie einer Direktvermarktungspflicht für kleinere Neuanlagen (< 100 kWp) setzt.

Symbolbild: Der Wegfall der feste Einspeisevergütung könnte sich als Hemmschuh für den weiteren Ausbau von privaten PV-Kleinanlagen erweisen. (Bild: Kings Access / stock.adobe.com)

Symbolbild: Der Wegfall der feste Einspeisevergütung könnte sich als Hemmschuh für den weiteren Ausbau von privaten PV-Kleinanlagen erweisen. (Bild: Kings Access / stock.adobe.com)

Unzureichende Integration

Warum die Ministerin die Finanzierung von kleineren PV-Anlagen in den Blick nimmt, wird anhand der entsprechenden Passage im Monitoringbericht ersichtlich. Demnach kommen die Studienautoren zum Schluss, dass dezentrale PV-Anlagen in den Verteilernetzen bislang nur unzureichend in den Strommarkt integriert seien: „Sie speisen unabhängig vom Bedarf ein und reagieren nicht auf Preissignale, auch nicht bei negativen Preisen. Rund die Hälfte der installierten Leistung (ca. 50 GWp) von PV-Anlagen gelten als nicht fernsteuerbar (SMARD, 2025a). Vor allem kleine PV-Anlagen (zumeist Aufdach-PV) speisen unabhängig von der Markt- oder Netzsituation Strom ins Netz ein.“ Diese ungesteuerte PV-Einspeisung führe zu hohen Netzausbaubedarfen und somit zu steigenden Kosten im Verteilnetz, so der Bericht.

Reformvorhaben

Das BMWE will jedoch die finanziellen Fördermöglichkeiten von PV-Anlagen nicht in Gänze streichen. Dem Bericht zufolge soll die Marktintegration von PV-Anlagen mithilfe unterschiedlicher Umsetzungsoptionen gestärkt werden, die differenziert nach Größenklasse, Fördermodell und Bestands- oder Neuanlage ausgestaltet werden sollen.  Zudem soll eine Direktvermarktungspflicht für kleinere Neuanlagen (< 100 kWp) die Preissignale des Strommarkts besser in den Betrieb integrieren und so ein systemdienlicheres Verhalten fördern.

Auch die Umstellung hin zu anderen Vergütungsmodellen wird in der Studie thematisiert: Anstelle fixer Einspeisevergütungen sollen Leistungs- oder kapazitätsbezogene Prämien die Investitionstätigkeit stärker am tatsächlichen Systembedarf orientieren. Für kleinere Bestandsanlagen wären hingegen Maßnahmen wie ein Bonusmodell in der Förderung oder eine geförderte Nachrüstung von Fernsteuerbarkeit über intelligente Messsysteme denkbar. Ergänzend könnten Anreize für flexible Einspeisung geschaffen werden, etwa durch Kombination mit Speichern: „Die Kombination von PV-Anlagen und Speichern ermöglicht eine bedarfsgerechtere Verfügbarkeit und könnte abhängig von der Fahrweise das Netz zusätzlich be- oder entlasten“, erläutern die Autoren des Gutachtens.

Mögliche Folgen für Stadtwerke

Noch sind die Reformvorschläge eben nur eins: Vorschläge. Ob die Ideen aus dem Gutachten überhaupt eins zu eins in Gesetzesform gegossen werden, bleibt abzuwarten. Sollte dies jedoch geschehen, könnte auch so manches Stadtwerk Effekte der Neuausrichtung der PV-Förderung zu spüren bekommen. So ist es durchaus denkbar, dass Stadtwerke, die Wartung, Beratung oder Komplettpakete für kleinere PV-Dachanlagen anbieten, einen Nachfragerückgang in diesem Segment verzeichnen. Infolgedessen könnten die Vertriebsabteilungen der Stadtwerke dazu gedrängt werden, ihr Geschäftsmodell im Umfeld von PV-Anlagen zu erweitern – etwa durch die Aufnahme von Kleinspeicherlösungen ins Vertriebsportfolio. (cp)

www.energie-experten.org

www.bundeswirtschaftsministerium.de