06.01.2026 – Trotz grundsätzlicher Zustimmung zur Energiewende sind die Deutschen mehrheitlich skeptisch und besorgt. Das zeigt eine aktuelle Studie der E.ON Foundation mit speziellem Fokus auf kritische Gruppen.

Die Energiewende polarisiert – trotz prinzipieller Zustimmung bestehen auch Ängste und Unsicherheiten. (Bild: Nuthawut/stock.adobe.com)
Die repräsentative Civey-Befragung „Energiewendewelten 2025“ der E.ON Foundation zeigt ein deutliches Spannungsfeld: Einerseits erkennt die Bevölkerung die Dringlichkeit der Klimakrise an und befürwortet grundsätzlich Klimaschutz und Energiewende. Andererseits überwiegen Skepsis, Ängste und eine spürbare Ermüdung gegenüber den damit verbundenen Veränderungen. Viele Menschen nehmen der Transformationsstudie zufolge vor allem Risiken wahr – etwa steigende Kosten, komplexe Vorgaben und unklare Auswirkungen der Maßnahmen.
So hält eine Mehrheit der Bevölkerung Windenergie (53,4 Prozent) und vor allem Solarkraft (60,1 Prozent) zur Sicherung der Energieversorgung für unverzichtbar. Mit 54, 5 Prozent erhält die Atomkraft allerdings vergleichbar hohe Werte.
Gleichzeitig glaubt aber nur weniger als ein Drittel der Befragten (29,1 Prozent), dass die Energiewende den Wohlstand sichert oder Energiepreise senkt, 67,2 Prozent befürchten sogar, dass sie durch die Transformation finanziell überfordert werden. Persönlich betroffen von der Energiewende fühlen sich 58,2 Prozent aller Studienteilnehmer:innen.
Wie ticken die Skeptiker?
Die Studie hat zudem die Kritiker und Skeptiker genauer in den Fokus genommen und drei Typen identifiziert, die sich nicht nur in der Intensität ihrer Ablehnung, sondern auch in ihren Motiven unterscheiden:
- Die Frustrierten erleben die Energiewende primär als Bevormundung und Verlustgeschichte; sie lehnen staatliche Steuerungsinstrumente besonders stark ab.
- Die Besorgten halten die Ziele grundsätzlich für sinnvoll, fürchten aber vor allem finanzielle Überlastung und Komplexität.
- Die Misstrauischen erkennen den Klimawandel an, zweifeln jedoch an Fairness und Motiven von Politik und Institutionen; finanzielle Aspekte sind für sie weniger wichtig.
Frustrierte und Besorgte fühlen sich von der Energiewende deutlich stärker persönlich betroffen als die Gesamtbevölkerung; die Misstrauische dagegen deutlich weniger. (Frustrierte: 82,6 Prozent, Besorgte: 70,2 Prozent, Misstrauische: 27,9 Prozent).

Mehrheitlich halten die Deutschen Solar- und Windenergie für unverzichtbar – aber auch Atomenergie (Grafik: E.ON Foundation)
Speziell bei den Frustrierten (88,7 Prozent) und Besorgten (71,3 Prozent) ist der Rückhalt für Atomkraft besonders hoch, doch auch 58,8 Prozent der Misstrauischen halten Kernenergie für unverzichtbar. Paradoxerweise schreiben die Besorgten und Misstrauischen der Solar- und Windenergie eine ähnlich hohe Bedeutung zu wie die Gesamtbevölkerung.
In allen kritischen Gruppen herrschen erhebliche Zweifel, dass die Energiewende den Wohlstand sichert: Von den Frustrierten glauben das nur 1,3 Prozent, von den Besorgten 6,1 Prozent und von den Misstrauischen nur etwas mehr als jeder Zehnte (11,1 Prozent). Entsprechend befürchten jeweils über 90 Prozent der Frustrierten und Besorgten, dass die Energiewende sie finanziell überfordern könnte, bei den Misstrauischen liegt der Anteil mit 31,8 Prozent dagegen deutlich niedriger als in der Gesamtbevölkerung.

Dass die Energiewende für die Bürger:innen zu teuer wird, befürchten viele – vor allem die Skeptiker. (Grafik: E.ON Foundation
Den Autor:innen der Studie zufolge verbinde alle Gruppen der Wunsch nach verlässlichen Energiepreisen, technologischer Wahlfreiheit und einem sichtbaren Nutzen der Maßnahmen. Besonders bei den Besorgten sei die Preisstabilität der Schlüssel.
Stephan Muschick, Geschäftsführer der E.ON Foundation: „Skepsis hat mehrere Gesichter. Das ist kein zwangsläufiges Nein zur Energiewende, aber ein klarer Auftrag an Politik und Wirtschaft: verlässliche Energiepreise, echte technologische Wahlfreiheit, sichtbarer Klimanutzen im Alltag. Die Energiewende darf kein Elitenprojekt sein, zu dem die Mehrheit in unserem Land den Bezug verliert.” (pq)


