15.08.2025 – Das Wasserkraftwerk Jochenstein hat das CraneKit von STAHL CraneSystems für schnellere Wartungsarbeiten erhalten.
Damit die Energieerzeugung in Wasserkraftwerken zuverlässig und störungsfrei funktioniert, benötigt es eine regelmäßige Revision (Inspektions- und Wartungsarbeiten) der Bestandskomponenten. Um den Zeit- und Kostenaufwand dieser Arbeiten zu senken, hat das Laufwasserkraftwerk Jochenstein in der Donau an der deutsch-österreichischen Grenze seine Krananlage modernisiert und dabei das CraneKit von STAHL Crane Systems integriert. Das Kraftwerk Jochenstein hat eine Fallhöhe von knapp 10 m und erreicht nach offiziellen Angaben ein mittleres Jahresarbeitsvermögen von 850 Millionen kWh. Das Wasserkraftwerk, das seit 2013 die österreichische VERBUND AG betreibt, besitzt insgesamt fünf Maschinensätze.
Regelmäßige Revisionen der Turbinen und Generatoren
Die fünf Maschinensätze verfügen über Kaplan-Turbinen mit Durchmessern von 7,4 m aus den 1950er Jahren. Sie arbeiten mit fünf sogenannten Drehstrom-Synchrongeneratoren zusammen. Das Wasser durchströmt die Turbinen, die dadurch rotieren und diese Drehung auf den Generator übertragen – so entsteht Strom. Die Rotoren in den Generatoren seien zwar nicht unmittelbar dem Flusswasser ausgesetzt, dennoch müssen sie regelmäßig für die besagten Revisionszwecke ausgehoben werden. Ziel der Arbeiten ist es, beispielsweise Lager oder Wicklungen zu prüfen, Unwuchten zu beheben und thermisch beanspruchte Isolierungen auf Beschädigungen und Alterung zu überprüfen. Zudem müssen Schmutz oder Ölreste zwischen Rotor und Stator bereinigt werden.
Umständliche Aushebung
Lange Zeit hob eine Krananlage mit einer Tragkraft von 75.000 Kilogramm (im Tandembetrieb 150.000 Kilogramm) die Rotoren aus den Generatoren für die Wartungsarbeiten heraus. Das Manko dabei: Durch das Gewicht eines einzelnen Rotors von 220 Tonnen mussten für den Aushub jedes Mal alle Pole am Rotor demontiert werden, um das Gewicht zu reduzieren. Das kostete viel Zeit und führte bei der Revision zu hohen Kosten. „Deshalb hat die Verbund AG nach einer Lösung zur Traglasterhöhung der Krananlage gesucht, um den kompletten Rotor ohne Demontage der Pole ausheben zum Zwischenlager transportieren zu können“, sagt Heike Metzger, Senior Specialist, Sales Enablement, STAHL CraneSystems GmbH.
Keine Demontage einzelner Pole mehr nötig
Mit der neuen Anlage, die seit Herbst 2024 in Betrieb ist, ist die Demontage der einzelnen Pole nicht mehr nötig. STAHLS Partnerunternehmen Haslinger Metallbau + Krantechnik übernahm die Planung, Fertigung und Montage der Anlage am Jochenstein. Die Herausforderung bestand nach STAHL-Angaben darin, bei gleichbleibenden Radlasten die Traglast auf 120.000 kg pro Kran zu erhöhen. Zudem sollten die Anfahrmaße, die durch die alte Krananlage vorgegeben waren, eingehalten werden. Außerdem ändert sich beim Fahrwechsel vom geraden Bahnbereich in das Bogenstück die Spannweite der Kranbahn. Daher hat der Kopfträger, der den Kranträger mit den Laufwerken verbindet, eine Konstruktion mit speziellen Rädern.
In der Mitte der Kranbrücke hat die Laufkatze einen Verfahrbereich von 5470 mm. Der Bereich wurde exakt so definiert, dass er den Aushub des Rotors ermöglicht. Die Radlasten bleiben durch ein Eingrenzen der Maximallast auf die Mitte der Kranbrücke unverändert. Hierzu wurde eine spezielle Betriebsart eingerichtet, die per Sicherheitsschaltung eine Fahrt mit 120.000 Kilogramm nur in diesem Mittenbereich erlaubt. Somit konnte die alte Kranbahn ohne aufwändige Änderungen genutzt werden, obwohl der Kran nun deutlich höhere Lasten transportieren kann. „Nun können Rotoren mit 220 Tonnen ohne Demontage der Pole ausgehoben werden. Nach dem Aushub wird der Rotor auf die gegenüberliegende Donauseite transportiert und dort für den Zeitraum der Revision zwischengelagert. Der gelegentliche Betrieb im Freien erforderte eine Spezifizierung der Anlage für einen Umgebungstemperaturbereich von -10 °C bis 40 °C“, ergänzt Heike Metzger.
Im Tandembetrieb können doppelte Lasten gehoben werden, nun also 240 Tonnen – das reiche für die Rotoren einschließlich ihrer Pole aus. Der Tandembetrieb ermögliche nach Herstellerangaben ein effizientes Handling der Rotoren und ihren sicheren Transport aus der Krafthalle und über die Stauwehr. (cst)
www.metallbau-haslinger.de/stahlbau-kranbau
www.metallbau-haslinger.de/unternehmensgruppe.html





