23.04. 2026. Fünf europäische Übertragungsnetzbetreiber wollen Kooperationsmöglichkeiten bei der Errichtung der Offshore-Kabelinfrastruktur in der Nordsee prüfen.
Eine entsprechende Absichtserklärung wurde gestern am Rande der WindEurope in Madrid unterzeichnet. Elia (Belgien), Energinet (Dänemark), 50Hertz (Deutschland) sowie TenneT (Deutschland und Niederlande) wollen für mindestens ein Jahr strategisches und technisches Know-how zu Reparaturprozessen, Ersatzteilen und Fehlererkennung austauschen sowie durch eine gemeinsame Bestandsaufnahme verfügbarer Schiffe, Materialien und technischer Fähigkeiten durchführen. So sollen potenzielle Effizienzgewinne und Optimierungsmöglichkeiten identifiziert werden.
„Europäische Zusammenarbeit ist der Schlüssel zum Erfolg beim Ausbau und eben auch beim Betrieb der Offshore-Infrastruktur auf der Nordsee. Daher ist es sinnvoll, mit den Übertragungsnetzbetreibern der Anrainerstaaten nicht nur Vorschläge über die technische und regulatorische Umsetzung von grenzüberschreitenden Netzanbindungen zu unterbreiten, sondern auch gemeinsam Ideen zu entwickeln, wie Kabelsysteme im Fall von Störungen, Havarien oder Sabotage möglichst schnell und kosteneffizient behoben werden können,“ sagt Stefan Kapferer, CEO von 50Hertz.
Offshore-Kabel als zentrales Bindeglied im Energiesystem
Tatsächlich gewinnen die Hochspannungskabel auf dem Meeresboden mit dem Ausbau der Offshore-Windenergie und der zunehmenden Vernetzung der Länder durch grenzüberschreitende Stromverbindungen (Interkonnektoren) immer mehr an Bedeutung für die europäische Stromversorgung. Störungen oder längerfristige Ausfälle an diesen komplexen und strategisch wichtigen Anlagen könnten somit das Stromsystem erheblich belasten und massive gesellschaftliche und wirtschaftliche Auswirkungen haben.
„Gerade in geopolitisch herausfordernden Zeiten ist es entscheidend, kritische Infrastruktur in der Nordsee gemeinsam robuster aufzustellen. Für TenneT Germany ist das Teil einer übergeordneten Vision: Die Nordsee kann das Rückgrat eines vernetzten europäischen Energiesystems werden. Mit dieser Initiative wollen wir ganz konkret schneller und effizienter werden – etwa bei Reparaturen, der Verfügbarkeit von Ersatzteilen und der Fehlererkennung. Ziel ist es, Ausfallzeiten zu minimieren, Kosten zu senken und die Versorgungssicherheit in Deutschland nachhaltig zu stärken“, macht Tim Meyerjürgens, CEO von TenneT Germany, deutlich.
Strukturierte Zusammenarbeit
Die Zusammenarbeit der fünf ÜNB erfolgt in vier thematischen Arbeitsgruppen mit den Schwerpunkten Reparaturlogistik, Ersatzteile und Ausrüstung, Fehlererkennung sowie rechtliche und finanzielle Rahmenbedingungen. Jeder dieser Bereiche spielt eine zentrale Rolle, um die Ausfallzeiten von Kabelsystemen zu begrenzen. Durch die gemeinsame Analyse skalierbarer Lösungen und einer optimierten Ressourcennutzung wollen die Übertragungsnetzbetreiber eine Grundlage schaffen, um schnellere und effizientere Reparaturen zu ermöglichen und so die Auswirkungen auf das Stromsystem und die damit verbundenen Kosten zu senken.
Bestätigt die Machbarkeitsphase, dass ein gemeinsames Vorgehen signifikante Vorteile bietet, kann sich die Initiative zu einer nachhaltigen und strukturellen Zusammenarbeit weiterentwickeln. Die Initiative steht weiteren Übertragungsnetzbetreibern aus der OTC offen, die sich zu einem späteren Zeitpunkt beteiligen möchten.



