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Strom vom Vermieter

17.07.2025 – Das junge Unternehmen Dach für Dach hilft Besitzer:innen von Mehrfamilienhäusern, ihr eigenes Mieterstromprojekt umzusetzen.

Rund 3,3 Millionen Mehrfamilienhäuser gibt es laut Statistischem Bundesamt in Deutschland und doch bleibt der Blick nach oben vielerorts ernüchternd: Nur ein Bruchteil der Dächer ist mit Photovoltaik ausgestattet. Gerade kleinere, privat gehaltene Mehrfamilienhäuser gelten als „weiße Flecken“ auf der Solarkarte. Dabei wäre das Potenzial enorm: Laut einer aktuellen Studie des IW Köln könnten in Deutschland rund 1,9 Millionen Gebäude, darunter ein erheblicher Teil der Mehrfamilienhäuser, wirtschaftlich mit Mieterstromanlagen ausgestattet werden. Das würde die Zahl der bisher existierenden Mieterstromprojekte (ca. 9 000) um ein Vielfaches übersteigen und einen bedeutenden Beitrag zur urbanen Energiewende leisten.

Ein Hauptgrund für die zurückhaltende Umsetzung ist fehlendes Know-how auf allen Seiten. Viele Vermieter:innen installieren zwar im Zuge von Sanierungen oder Solarpflichten eine PV-Anlage, wissen danach aber nicht, wie sie diese wirtschaftlich nutzen können. Die gesetzlich vorgeschriebene Vollversorgungspflicht, also die Kombination aus Solarstrom und Reststromlieferung aus dem Netz, schreckt ab. Denn wer Strom an Mieter liefert, wird automatisch zum Energieversorger – mit allen Pflichten. Für die meisten Eigentümer:innen ohne energiewirtschaftliches Vorwissen ein zu großer Schritt.

Auch Fachbetriebe und Solarteure stehen oft vor einem Dilemma: Zwar könnten sie zusätzlich zu den Solaranlagen den Besitzer:innen von Mehrfamilienhäusern komplette Mieterstromlösungen als Mehrwert anbieten, doch fehlen im Alltag sowohl Ressourcen als auch regulatorische Expertise, um komplexe Abrechnungssysteme und Vertragsstrukturen mitzuliefern.

Startup will Lücke schließen

Das Startup-Gründerteam Jasper Klimas (links) und Leonard John. (Bild: Enpulse Ventures GmbH)

Das Startup-Gründerteam Jasper Klimas (links) und Leonard John. (Bild: Enpulse Ventures GmbH)

Dass es nicht an der Technik, sondern an der Umsetzung hapert, wissen Jasper Klimas und Leonard John aus eigener Erfahrung. Eigentlich wollten sie nur eine Abrechnungssoftware entwickeln, nun helfen sie Eigentümer:innen und Solarteuren dabei, eigene Mieterstromprojekte auf den Weg zu bringen. Ihr Unternehmen Dach für Dach GmbH, eine Gründung der EnBW-Tochter Enpulse Ventures, kümmert sich nicht nur um Software, sondern auch um konkrete Projektbegleitung.

„Wir haben schnell gemerkt: Die meisten wissen gar nicht, wo sie anfangen sollen“, sagt John. „Deshalb begleiten wir die Beteiligten Schritt für Schritt – von der passenden Messtechnik über die Vertragsgestaltung bis hin zur Abrechnung.“

Im Unterschied zu klassischen Mieterstrommodellen großer Versorger, bei denen der Vermieter nur die Dachfläche stellt, übernimmt der Vermieter bei dem Modell von Dach für Dach alle Rollen selbst: Er wird Betreiber, Stromversorger und Vertragspartner seiner Mieter. Das sei alles kein Hexenwerk, betont John. Mit der Vollversorgungspflicht verpflichte sich der Vermieter lediglich dazu, Netzstrom für seine Mietparteien mitzuziehen und quasi als Zwischenhändler zu verteilen, sollte der Solarstrom aufbraucht sein. Auch kein weiterer Eintrag bei der Bundesnetzagentur sei nötig, da Strom aus Anlagen mit bis zu zwei Megawatt Leistung lediglich beim Hauptzollamt anzumelden sei. „Neben der Anmeldung beim Hauptzollamt und der Vollversorgungspflicht braucht es nur eine funktionierende Abrechnung und eine geeignete Messtechnik. Dann kann es losgehen.“

Abrechnung über die Cloud

Das Dach-für-Dach-Modell soll Mieterstrom und GGV für kleine und mittlere Mehrfamilienhäuser vereinfachen. (Grafik: Dach für Dach GmbH)

Das Dach-für-Dach-Modell soll Mieterstrom und GGV für kleine und mittlere Mehrfamilienhäuser vereinfachen. (Grafik: Dach für Dach GmbH)

Für den Messstellenbetrieb bietet Dach für Dach verschiedene Varianten. Eine Möglichkeit ist die Untermessung über digitale Summenzähler, bei der einzelne Wohnungszähler mit einem Gateway ausgelesen werden. Da sie ohne zusätzliche Messstellen auskommt, ist das die kostengünstigere Lösung. Alternativ kann jede Mietpartei mit einem intelligenten Messsystem ausgestattet werden. In diesem Fall übernimmt Dach für Dach den Messstellenbetrieb.

Herzstück des Konzepts ist die firmeneigene Abrechnungsplattform. Über sie behalten Vermieter:innen die Übersicht über Verbrauch, Erzeugung, Einspeisung und Abrechnung. Auch Mieterwechsel lassen sich einfach verwalten. Die Mieter:innen wiederum erhalten ein eigenes digitales Portal, in dem sie Verbrauch und Rechnungen einsehen können.

Erste Projekte

Nach einer erfolgreichen Testphase hat Dach für Dach bereits mehrere Projekte umgesetzt. Aktuell realisiert das junge Unternehmen ein Vier-Parteienhaus in Stuttgart, ein Drei-Parteienhaus in Meckenheim sowie ein Acht-Parteienhaus in Frankfurt.

Künftig sind auch Mieterstromprojekte nach dem Modell der gemeinschaftlichen Gebäudeversorgung (GGV) geplant. Dieses Modell ermöglicht es, dass der Strom aus einer gemeinsamen Solaranlage ohne separate Stromlieferverträge direkt an die Haushalte im Gebäude weitergegeben wird und eignet sich besonders für Eigentümergemeinschaften.

Auch für Stadtwerke könnte das Modell neue Türen öffnen – gerade dort, wo sie bereits Stromkunden in Mehrfamilienhäusern versorgen. Über die Softwareplattform von Dach für Dach könnten sie eigene Mieterstromangebote entwickeln oder Vermieter:innen mit Reststrom und passender Abrechnung unterstützen. (pms)

www.dachfuerdach.de

Quelle Beitragsbild: Jim White/ stock.adobe.com