02.06.2026 – Der europäische Batteriemarkt skaliert im Rekordtempo, die Bedeutung von Speichern im Stromsystem steigt. Wie die Industrie den Anforderungen begegnet, zeigt die ees Europe vom 23. bis 25. Juni in München.

Batteriespeicher – Wachstumsmarkt und Game Changer für die Energie – stehen im Fokus der ees Europe in München. (Bild: Solar Promotion GmbH)
Weniger als fünf Jahre verbleiben der Europäischen Union, um ihre verbindlichen Klima- und Energieziele für 2030 zu erreichen. Doch die Realität hinkt dem Anspruch hinterher: Trotz des jüngsten Booms bei erneuerbaren Energien zeigen aktuelle Prognosen, dass die EU ihre Ausbauziele für Wind- und Solarkapazitäten ohne Kurskorrektur verfehlen wird. Das von SolarPower Europe und Rystad Energy modellierte Solar+-Szenario zeigt jedoch einen effizienten Ausweg. Wird das System durch den Einsatz von Großspeichern konsequent auf Flexibilität ausgelegt, könnte Solarstrom allein rund 26 Prozent des europäischen Strombedarfs decken. Der gesamte Erneuerbaren-Anteil im Strommix würde so auf knapp 70 Prozent klettern und die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen drastisch reduzieren.
Milliarden-Einsparungen
Indem teure fossile Kraftwerke systematisch an Bedeutung verlieren, halbieren sich die jährlichen Betriebskosten des europäischen Stromsystems im Solar+-Szenario bis 2030, was Jahr für Jahr rund 55 Milliarden Euro einspart. Gleichzeitig sinken die Großhandelsstrompreise im EU-Schnitt um 14 Prozent auf etwa 63,4 Euro pro Megawattstunde (MWh).
Weil die installierten Netzspeicher den Strom zeitlich flexibel verschieben, verhindern sie den Autor:innen der Studie zufolge das Ausufern von Negativpreis-Stunden und schützen somit auch die Rentabilität großer Solarinvestitionen.
Auch die zunehmende Unabhängigkeit von fossilen Energien rechnet sich. Allein während der ersten zwei Monate der jüngsten Nahost-Krise sparte der Solarzubau der EU bereits Gasimportkosten in Höhe von 8,5 Milliarden Euro ein. Bis 2030 summiert sich dies im Solar+-Szenario auf jährlich über 53 Milliarden Euro beziehungsweise kumuliert 223 Milliarden Euro an vermiedenen fossilen Importen.
Dass der Speichermarkt bereit ist, seine Aufgabe im System zu erfüllen, belegen die Zahlen: Allein im Jahr 2025 wurden in der EU neue Batteriespeicher mit einer Kapazität von 27,1 GWh installiert, darunter 55 Prozent private, subventionsfreien Großspeicher (BESS). Insgesamt hat die installierte Speicherflotte in der EU dem „Solar+-Report“ von SolarPower Europe zufolge Ende 2025 eine Gesamtleistung von 40 Gigawatt (GW) sowie eine Speicherkapazität von 77 Gigawattstunden (GWh) erreicht – ein Plus von über 45 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Bis 2030 prognostiziert die Studie, dass sich die Leistung auf 171 GW vervierfacht, während die Kapazität sogar um das Achtfache auf 598 GWh ansteigt.
Regulierung gefordert
Im europäischen Binnenmarkt richtet sich der Blick derzeit verstärkt auf Deutschland, wo aktuelle regulatorische Weichenstellungen die Dynamik des Speicherausbaus maßgeblich beeinflussen könnten. Die Diskussionen um eine Anpassung der Netzentgeltbefreiung für Speicher werfen bei internationalen Investoren Fragen zur langfristigen Planungssicherheit auf. Vor diesem Hintergrund haben sich mehr als 150 Unternehmen zusammengeschlossen, um im Dialog mit der Politik für verlässliche und investitionsfreundliche Rahmenbedingungen einzutreten. Georg Gallmetzer, CEO von Eco Stor, warnt eindringlich vor einem Dominoeffekt: „Mit ihrem Vorbehalt zum Vertrauensschutz bei der Netzentgeltbefreiung im Rahmen des AgNes-Prozesses hat die Bundesnetzagentur die Speicherbranche faktisch in ein Investitionsvakuum geführt. Die Behörde muss dringend die Investitionssicherheit wiederherstellen und klare Signale zum gesetzlichen Vertrauensschutz sowie einem finanziell tragfähigen Netzentgeltmodell nach Ablauf der gesetzlichen Befreiungsfrist senden. Damit wir nicht durch ausbleibende Investitionen in eine irreparable Speicherlücke fallen.“ Ein solcher Vertrauensbruch im größten EU-Markt hätte laut Gallmetzer europaweit Signalwirkung und erinnert an die Branchenkrisen der Vergangenheit: „Ein möglicher Vertrauensbruch bei der Netzentgeltbefreiung hätte vergleichbar gravierende Auswirkungen wie die rückwirkenden Eingriffe in Förderregime in Spanien und Italien in den 2010er-Jahren.
Gleichzeitig zeigten Länder wie Italien und Großbritannien, wie durch klare Marktmechanismen, zusätzliche Erlösquellen und schnelle Genehmigungsverfahren investitionsfreundliche Rahmenbedingungen geschaffen werden können.
ees Europe: Schaufenster der Speicherbranche
Wie die Industrie sich für die anstehenden Herausforderungen rüstet, zeigt die ees Europe vom 23. bis 25. Juni in München. Als Europas größte Fachmesse für Batterien und Energiespeichersysteme führt die ees Europe die globalen Marktführer zusammen. Aussteller präsentieren dort marktreife Innovationen, die Stromkosten senken und Netze stabilisieren – von künstlicher Intelligenz im Speichermanagement bis hin zu Natrium-Ionen-Technologien. Eingebettet in die Messeallianz The smarter E Europe vernetzt die Fachmesse rund 2.800 Aussteller und mehr als 100.000 Entscheider.
Das ees Forum auf der Fachmesse (Halle C2) bietet mit einer Vielzahl an Diskussionsformaten die Plattform für den europarechtlichen Austausch.
Parallel dazu schlägt auf der ees Innovation Hub Stage (Halle B0) das innovative Herz der Veranstaltung: Hier präsentieren europäische Spitzenforschung und Industrie State-of-the-Art-Projekte – vom KI-Einsatz in der Batterieforschung über Best Cases zur Kreislaufwirtschaft bis hin zu Strategien für den Aufbau einer resilienten, eigenständigen Batterieproduktion in Europa. Ein weiteres Highlight ist am 22. Juni die Verleihung des renommierten The smarter E AWARD in der Kategorie Energy Storage.
Im Fokus der ees Europe Conference am 22. und 23. Juni stehen transnationale Fragen wie die großskalige Finanzierung von Stand-alone-Großspeichern, die erfolgreiche Projektierung paneuropäischer Hybridkraftwerke und der regulatorische Umgang mit Netzentgelten im gewandelten europäischen Energiesystem.
Die ees Europe sowie die Parallelveranstaltungen Intersolar Europe, Power2Drive Europe und EM-Power Europe finden vom 23.–25. Juni 2026 im Rahmen von The smarter E Europe, Europas größter Messeallianz für die Energiewirtschaft, auf der Messe München statt. (pq)



