Generic selectors
Exact matches only
Search in title
Search in content
Post Type Selectors

Interview: Weichen stellen für CLS-Management

22.03.2022 – Die Weiterentwicklung des intelligenten Messsystems soll nicht nur den Umbau des Energiesystems, sondern auch neue Dienstleistungen und Mehrwerte für die Branche befördern. Wir sprachen mit Dr. Roland Olbrich und Carl Axel v. Wachtmeister von der Horizonte-Group AG über Status und Perspektiven beim CLS-Management.

Herr Dr. Olbrich, Herr v. Wachtmeister, Sie begleiten zahlreiche EVU bei der digitalen Transformation und der Entwicklung neuer Geschäftsfelder. Wie wird das Thema CLS-Management in der Branche generell bewertet?

Dr. Olbrich: Das Thema wird seit Jahren als Zukunftsthema gehandelt, war aber immer der zweite Schritt nach der Etablierung des intelligenten Messsystems selber. Eine essentieller Anwendungsfall für intelligente Messsysteme ist ja gerade die flexible Netzsteuerung auf Niederspannungsebene. Und das kann nur funktionieren, wenn nicht nur die entsprechende Sensorik, sondern auch die notwendige Aktorik, also das CLS-Management, vorhanden ist.

Welche Anwendungsszenarien und Zeithorizonte stehen denn da konkret auf der Agenda – unter der Annahme, dass die entsprechenden regulatorischen Rahmenbedingungen gesetzt werden?

Dr. Roland Olbrich Carl Axel v. Wachtmeister Horizonte


Dr. Roland Olbrich (links), Carl Axel v. Wachtmeister (rechts), Horizonte-Group (Fotos: Horizonte-Group AG)

Dr. Olbrich: Den Anfang machen hier eindeutig die netzdienlichen Anwendungsfälle, also der Lastabwurf in netzkritischen Situationen. Durch den Zubau der Elektromobilität hat das eine Dringlichkeit – auch wenn die Novelle des §14a EnWG erst einmal zurückgezogen wurde – allein aufgrund der Masse an auszubringenden Ladesäulen. Das BMWi und BSI prognostizieren bis 2030 eine Verfünffachung der privaten und öffentlichen Ladeinfrastruktur, davon dann eine halbe Million öffentliche Ladepunkte. Wir rechnen damit, dass die überarbeitete Fassung der §14a Novellierung bald kommt und das Thema wieder Fahrt aufnimmt. Die marktdienlichen Anwendungsfälle sind dann der nächste Schritt – warum sollen beispielsweise Direktvermarkter nicht dieselbe Infrastruktur nutzen können?

Wo steht demgegenüber der Markt? Was wäre zeitnah umsetzbar? Sie haben ja selbst Pilotprojekte begleitet.

Wachtmeister: Die Hardwareseite ist schon recht weit. Steuerboxen sind in feldfähigen Stückzahlen lieferbar und bis auf den EEBUS fertig konzipiert. Der Entwicklungsstand auf Softwareseite ist von außen schwerer zu beurteilen und stärker abhängig von der Einpassung in die jeweiligen IT-Architekturen der Häuser. Testsysteme bieten alle namhaften Hersteller an. In Pilotprojekten zeigen sich die größten Schwierigkeiten noch in den Prozessen, nicht in der Gesamtkonzeption – ähnlich wie das vielleicht ein, zwei Jahre vor Beginn des iMSys-Rollouts war.

Ich würde gerne noch einmal auf die eingangs erwähnten Geschäftsmodelle für MSB zurückkommen: Was wäre da denkbar und realistisch?

Wachtmeister: Für den Messstellenbetreiber ist das CLS-Management die Chance, sich regulatorisch zu optimieren. Als Infrastrukturbetreiber stellt er dem Verteilnetzbetreiber teilweise die Technik zur Verfügung und kann so Zusatzerlöse jenseits der wenig auskömmlichen Preisobergrenze generieren. Darüber hinaus wird er auch Vertragspartner für alle künftigen schaltenden Dritten sein.

Was raten Sie Stadtwerken und Netzbetreibern im Moment in Bezug auf das CLS-Management? Welche Weichen können und sollten jetzt gestellt werden?

Wachtmeister: Je größer das EVU, desto wichtiger, dass man mit diesem Thema nicht mehr zu lange wartet. Kommt Fahrt auf Regulierungsseite auf, wird die Nachfrage bei den (Geräte- und Software-)Herstellern sprunghaft steigen, dann möchte man sich nicht hinten anstellen müssen. Das CLS-Management ist keine Kleinigkeit, momentan sehen wir da schon noch ein Jahr intensiver Projektarbeit vom Vorprojekt bis zur Produktivsetzung. Kleinere EVU, die den intelligenten Messstellenbetrieb als Dienstleistung beziehen, sollten hierzu mindestens mit ihren Dienstleistern Kontakt aufnehmen. Auch wir leisten gerne einen Vorab-Check, wie das Thema hausspezifisch angegangen werden kann. (pq)

HORIZONTE-Group AG
Carl Axel v. Wachtmeister
carl-axel.wachtmeister@HORIZONTE.group
www.horizonte.group