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30.04.2026 – Wo Transparenz über die Situation in den Verteilnetzen besteht, können Instrumente wie Flexible Netzanschussvereinbarungen (FCAs) dazu beitragen, vorhandene Kapazitäten besser zu nutzen. Die Grundlagen dafür schafft beispielsweise die Intelligent Grid Platform (IGP) von envelio.
Die Folgen des Nahostkonflikts zeigen, wie wichtig es ist, die Energieversorgung unabhängig von geopolitischen Entwicklungen und fragilen Lieferketten zu machen. Beim Ausbau der Erneuerbaren Energien sind wir bislang auf einem guten Weg, doch begrenzte Netzkapazitäten verhindern, dass erzeugter Grünstrom vollständig eingespeist und neue Anlagen angeschlossen werden können. Auch der Netzausbau hat auf allen Spannungsebenen an Tempo zugelegt, doch die notwendigen Infrastrukturmaßnahmen sind teuer und nicht beliebig skalierbar. In vielen Regionen stehen Erneuerbare Energien und Speicher daher in der Warteschleife.
Flexibilisierung am Anschluss
Doch wie bringt man Erneuerbare Energieanlagen zügig ans Netz und hält gleichzeitig die Kosten im Rahmen? Diese Frage wird nicht erst seit Bekanntwerden des BMWE-Referentenentwurfs zum „Netzpaket“ intensiv diskutiert.

Der Netzanschlussmonitor stellt verfügbare Netzkapazitäten bis auf Grundstücksebene dar. (Foto: envelio GmbH)
Ein zentraler Hebel liegt darin, Netzanschlüsse flexibler zu gestalten und vorhandene Infrastruktur besser auszulasten. Dazu ist es jedoch zwingend erforderlich, verfügbare Netzkapazitäten präzise zu erfassen und transparent zu machen. Denn erst belastbare Informationen über freie und zeitlich variable Anschlusskapazitäten ermöglichen es, beispielsweise flexible Netzanschlussvereinbarungen (FCAs) sinnvoll einzusetzen. In FCAs wird die Einspeise- und/ oder Entnahmeleistung am Netzverknüpfungspunkt auf definierte Maximalwerte, bestimmte Zeitfenster oder bestimmte Ereignisse begrenzt. So lassen sich Erzeuger, große Verbraucher oder Speicher auch dort integrieren, wo die benötigte Kapazität ohne zusätzliche Netzinvestitionen kurzfristig nicht vollständig verfügbar ist.
Mit entsprechenden Regelungen können sich verschiedene Anlagentypen einen Netzanschlusspunkt teilen (Überbauung), auch wenn die Infrastruktur nicht auf die maximale Leistung aller Beteiligten ausgelegt ist. Solche Modelle sind insbesondere auf der Mittel- und Hochspannungsebene bei größeren Anschlussleistungen relevant.
Regulierung und Transparenz
Rechtlich sind flexible Netzanschlussvereinbarungen (Flexible Connection Agreements, FCA) bereits heute möglich: § 8a EEG und § 17 Absatz 2b EnWG schaffen dafür die Grundlage. Für eine breite praktische Anwendung fehlt bislang jedoch ein einheitlicher Rahmen. Umso wichtiger ist Transparenz über die tatsächlichen Verhältnisse im Netz. Sie ermöglicht es, verfügbare Anschlusskapazitäten fundiert zu bewerten, bestehende Netzkapazitäten besser auszulasten und Flexibilitätspotenziale gezielt zu erschließen.

Detaillierte Filterfunktionen unterstützen die Suche nach passenden Standorten für Einspeiser und Lasten. (Foto: envelio GmbH)
Intelligent Grid Platform
Mit seiner Intelligent Grid Platform IGP bietet envelio ein Werkzeug an, mit dem sich verfügbare Anschlusskapazitäten exakt ermitteln lassen. Die Plattform bündelt alle vorhandenen Netzdaten und verbindet sie zu einem rechenfähigen Netzmodell – einem funktionsfähigen digitalen Zwilling des jeweiligen Verteilnetzes. „Die Prozesse rund um Netzverträglichkeitsprüfung, Zielnetzplanung und Netzüberwachung lassen sich hier digital und automatisiert abwickeln“, erläutert Simon Koopmann – und das gilt auch für die Kapazitätsberechnung von Netzanschlusspunkten.
Anschlusskapazitäten auf einen Blick
Für diesen Zweck entwickelte envelio den Netzanschlussnavigator, der sowohl potenziellen Antragstellern als auch Netzbetreibern eine detaillierte Bewertung der verfügbaren Netzkapazitäten auf allen Spannungsebenen ermöglicht. Auf einer Netzkapazitätskarte können die Anschlussmöglichkeiten bis auf Grundstücksebene geprüft und um weiterführende Details ergänzt werden – so etwa die Kapazitäten der nächstgelegenen Leitungen und Umspannwerke. Auf der Grundlage realer und synthetischer Zeitreihen stellt der Navigator diese Information stündlich für jede Jahreszeit und verschiedene Anlagentypen, also. Einpseiser und Lasten bereit und liefert so ein zeitlich aufgelöstes Kapazitätsprofil des Anschlusspunktes.
„Auf diese Weise stehen Antragstellern bereits in einer frühen Phase ihres Projekts alle erforderlichen Informationen zur Verfügung. Die Zeitreiheninformationen liefern die Daten, die für eine effiziente Ausgestaltung von FCAs benötigt werden“, ergänzt der envelio CEO. Für Netzbetreiber stehen darüber hinaus Simulationstools bereit, mit denen sich die Auswirkung geplanter FCAs respektive Überbauungen im Vorfeld exakt simulieren lassen. Umgekehrt unterstützt der Navigator auch bei der Suche nach passenden Standorten für Last oder Einspeisung: Mittels differenzierter Filter lassen sich die benötigten Kapazitäten und Flächen auf allen Spannungsebenen schnell identifizieren.

Für jeden Anschlusspunkt ist ein ganzjähriges Kapazitätsprofil abrufbar. (Foto: envelio GmbH)
Informationspflicht in USA
Im praktischen Einsatz befindet sich die Lösung bereits beim US-amerikanischen Energieunternehmen Eversource, einem großen Netzbetreiber mit rund 3,5 Millionen Anschlusspunkten, der Infrastruktur in den Bundesstaaten Massachusetts, New Hampshire und Connecticut betreibt. Das Tool steht auf der Website zur Verfügung und bietet potenziellen Antragstellern für einen Netzanschluss sofort Auskunft über verfügbare Netzkapazitäten.
In den Vereinigten Staaten ist dies in einigen Bundesstaaten bereits regulatorische Vorschrift – hierzulande fehlen solche Vorgaben noch. Transparenzverpflichtungen sind aber beispielsweise im viel diskutierten BMWE-Referentenentwurf enthalten. (pq)


