04.09.2025 – Die Bundesregierung hat gestern den Bericht der Bundesnetzagentur zur künftigen Versorgungssicherheit im Strombereich veröffentlicht. Fazit des Berichts: Erneuerbare und Netze müssen schnell ausgebaut und weitere Weichen gestellt werden.

Was nötig ist, damit der Strom auch in Zukunft zuverlässig fließt, hat die Bundesnetzagentur in zwei Szenarien berechnet (Bild: Matthias Buehner/stock.adobe.com)
Das Monitoring analysiert die Entwicklung im Stromsystem bis zum Jahr 2035. Dabei werden zwei Szenarien untersucht: Ein Zielszenario geht davon aus, dass die gesetzlichen und politischen Ziele bei Ausbau der Erneuerbaren und dem Zuwachs von steuerbaren elektrischen Verbrauchern erreicht werden. Für diesen Fall ist die Stromversorgung in Deutschland nach Berechnungen der Bundesnetzagentur gewährleistet, wenn bis 2035 zusätzliche steuerbare Kapazitäten von bis zu 22,4 GW bereitgestellt werden. Das Szenario „Verzögerte Energiewende“ untersucht, wie sich ein verzögerter Ausbau der Erneuerbaren und geringere Nachfrageflexibilitäten auf die Versorgungssicherheit auswirken. Dann seien zusätzliche Kapazitäten von bis zu 35 GW erforderlich.
Der Vergleich der beiden Szenarien zeigt, dass insbesondere eine ausbleibende oder verzögerte Flexibilisierung des Stromverbrauchs den Bedarf an zusätzlichen steuerbaren Kapazitäten wie Kraftwerken weiter erhöhen kann. Auch könnten Verzögerungen beim Zubau von Erzeugungsanlagen, insbesondere auch der erneuerbaren Erzeugung dazu führen, dass der Strommarkt die Nachfrage nicht vollständig decken kann. Für solche Situationen müssten zusätzliche Reserven außerhalb des Strommarktes für die Versorgungssicherheit eingesetzt werden.
Da die Investitionen in steuerbare Kapazitäten nach Einschätzung der Bundesnetzagentur bis heute nicht ausreichen, sei es wichtig, den Ausbau zu unterstützen. Die Bundesnetzagentur befürwortet den von der Bundesregierung geplanten gesetzlichen Rahmen für zusätzliche Kraftwerke, die bis 2030 errichtet werden sollen.Der notwendige Zubau entspricht in der Tendenz den Ergebnissen des Versorgungssicherheitsmonitorings 2022. Hier lag er bei 17 bis 21 GW bis zum Jahr 2030.
Potenziale bei Flexibilitäten heben
Die Erschließung von Flexibilitätspotentialen bei neuen Verbrauchern wie z.B. Wärmepumpen, Speichern, Elektroautos oder Elektrolyseuren bzw. Power-to-Gas-Anlagen sowie die industrielle Lastflexibilität leisten einen wesentlichen Beitrag zur Versorgungssicherheit. Dementsprechend fordert die Bundesnetzagentur, die notwendigen infrastrukturellen und marktlichen Voraussetzungen zu schaffen, um das Flexibilisierungspotential dieser Verbraucher zu heben. Dazu sei bei Haushaltswärmepumpen und Elektrofahrzeug insbesondere die Installation geeigneter Messsysteme erforderlich.
Speicher werden eine immer wichtigere Funktion einnehmen. Schon heute können sich besonders Batteriespeicher im Strommarkt refinanzieren, wie die aktuelle Ausbaudynamik beweist. In bestimmten Marktsituationen können Speicher den Bedarf an zusätzlichen Kraftwerkskapazitäten reduzieren. Der BSW-Solar kritisiert allerdings, dass Bundesnetzagentur genau diese Potenziale von Batteriegroßspeichern “unzureichend und an der realen Entwicklung vorbei modelliert” seien.
Klare Aussagen zur Energiewende
Wie die Bonner Behörde betont, zeigten die untersuchten Szenarien, dass der schnelle Ausbau von Windenergie- und Photovoltaik-Anlagen nicht nur für die Klimaziele wichtig ist. Verzögerungen beeinflussten auch die Versorgungssicherheit. Je mehr Strom aus Erneuerbaren erzeugt wird, desto wichtiger aber auch und rentabler werden Speicher und Nachfrageflexibilitäten.
Das Monitoring bestätige ebenfalls, dass die zu transportierenden Energiemengen in den kommenden Jahren weiter ansteigen. Um diesen Veränderungen gerecht zu werden, bedarf es eines weiteren raschen Netzausbaus. Redispatchmaßnahmen würden dennoch in den kommenden Jahren notwendig bleiben. (pq)


