Überreguliert
Ob das Glas halb voll oder halb leer ist, liegt ja bekanntlich im Auge des Betrachters – und bei Stadtwerken, Versorgern und Netzbetreibern ist das nicht anders. So spürt man überall die ungebrochene Motivation, die Dinge voranzubringen, Neues auszuprobieren und sich als Unternehmen weiterzuentwickeln – obwohl die Aufgaben umfangreicher und komplexer und die Ressourcen knapper werden. Es fehlt an Geld für anstehende Großprojekte wie die Wärmewende oder die Digitalisierung, ausreichend qualifiziertes Personal ist auch in der Versorgungsbranche nur schwer zu finden – eine Situation, die hohen Einsatz und Kreativität erfordert. Daran mangelt es nicht, doch vor die Umsetzung guter Ideen hat der Gesetzgeber hierzulande einen täglich wachsenden Berg bürokratischer Pflichten gestellt. Die Frustration darüber ist überall präsent – übrigens auch bei den Kund:innen – und die Bremswirkung an vielen Stellen spürbar. Tatsächlich muss man staunen, wie viel noch geht.
Will man die Energie-, Verkehrs- und Wärmewende beschleunigen und bezahlbar machen und Versorgungswirtschaft langfristig zukunftssicher aufstellen, gäbe es hier einen guten Hebel. (pq)
DREI FRAGEN AN …

Foto: Hager Executive Consulting
Esther Scharf, Beraterin Hager Executive Consulting
Frau Scharf, Sie beraten und unterstützen speziell Stadtwerke und Energieversorger bei der Personalgewinnung. Wo bestehen aktuell die größten Engpässe?
Zum einen suchen die Unternehmen Fach- und Führungskräfte für die zahlreichen Positionen, die in absehbarer Zukunft frei werden, weil langjährige Mitarbeitende in den Ruhestand gehen. Das betrifft technische Aufgabenfelder, aber auch den kaufmännischen Bereich. Auf der anderen Seite entsteht beispielsweise in der IT zusätzlicher Personalbedarf – einfach, weil die Aufgaben hier umfangreicher und komplexer werden.
Die genannten Positionen sind vermutlich nicht leicht zu besetzen.
Nun ja, mit einer einfachen Stellenanzeige in der Tageszeitung klappt das heute definitiv nicht mehr. Hinzu kommt: Gerade bei kleineren und mittleren Versorgern sind die Personalabteilungen in der Regel nicht für komplexere Rekrutierungsaufgaben gerüstet. Darum kommen die Unternehmen zu uns. Die gute Nachricht ist, dass sich die gesuchten Mitarbeitenden tatsächlich finden lassen. Es gibt zum Beispiel viele hochqualifizierte internationale Fachkräfte, aber auch Quereinsteiger, die absolut das Potenzial und eine hohe Motivation haben, die fragliche Position auszufüllen. Wer diesen Menschen einen Einstieg ermöglicht, kann nach meiner Erfahrung nur profitieren. Ebenso lohnt es sich, Arbeitsmodelle zu überdenken: Wenn ein Arbeitgeber nicht darauf besteht, dass die Mitarbeitenden jeden Tag im Büro erscheinen, kann er in einem deutlich größeren Radius suchen und rekrutieren. Mit flexiblen Arbeitszeiten oder Teilzeit- angeboten lassen sich weitere interessante Potenziale heben.
Mit ein wenig Flexibilität und Offenheit kann man dem Fachkräftemangel also erfolgreich begegnen. Was raten Sie noch?
Wir haben es heute nicht mehr mit einem Arbeitgeber-, sondern mit einem Arbeitnehmermarkt zu tun. Das heißt Unternehmen tun gut daran, sich für Fachkräfte attraktiv zu machen. Stadtwerke und Versorger bezahlen vielleicht nicht die höchsten Gehälter, aber sie bieten sinnvolle Aufgaben für die Allgemeinheit und den Klimaschutz. Das ist vielen jungen Menschen sehr wichtig und das sollten die Unternehmen herausstellen. In den eigentlichen Bewerbungsverfahren sind nach meiner Erfahrung transparente, schlanke und vor allem zügige Abläufe wichtig. Im Klartext: Bewerber oder Bewerberinnen, die vier Wochen lang keine Reaktion erhalten, sind dann vermutlich nicht mehr interessiert. (pq)
Wolkig bis heiter
In der Stadtwerkestudie 2025 von BDEW und EY bewerteten weniger als die Hälfte der Stadtwerke (48) das vorausgegangene Geschäftsjahr 2024 als gut bis sehr gut. 2022 lag die Quote noch bei 75 Prozent. Für 2025 rechneten 54 Prozent der Befragten mit einer gleichbleibenden Geschäftsentwicklung, 27 Prozent erwarteten eine weitere Verschlechterung, 21 Prozent eine Verbesserung. (pq)
Quelle: Stadtwerkestudie 2025 von BDEW und EY
DREI FRAGEN AN …

Foto: Messe Frankfurt Exhibition GmbH
Steffen Larbig, Leiter Brandmanagement Light + Building
Die Light + Building verzeichnet in den vergangenen Jahren ein sehr stabiles Wachstum. Worauf führen Sie das zurück?
Das stimmt: Stand heute sind über 2.000 Aussteller angemeldet, was uns natürlich sehr freut. Ich glaube, als Weltleitmesse für Licht und Gebäudetechnik haben wir genau in dieser Symbiose unser Alleinstellungsmerkmal – und bilden tatsächlich ein enormes Spektrum an Lösungen und Innovationen ab. Intelligente Tunnelbeleuchtung gibt es bei uns in Frankfurt ebenso zu sehen wie Energiemanagementsysteme, smart vernetzte Wallboxen oder innovative Steuerungs- und Anschlusssysteme. Für beide Bereiche bleibt das Thema Energieeffizienz ein wichtiger Innovationstreiber. Gerade im Gebäudesektor eröffnen sich dadurch zahlreiche Wachstumspotenziale – auch wenn die Bauwirtschaft insgesamt aktuell vor Herausforderungen steht.
Im nächsten Jahr werden Sie einen besonderen Fokus auf intelligente, nachhaltige Energieinfrastrukturen legen? Was macht dieses Themenfeld speziell für die Versorgungsbranche interessant?
Dezentrale Stromerzeugung, eine steigende Zahl an elektrischen Verbrauchern und nicht zuletzt die digitale Vernetzung machen Gebäude heute zu aktiven Teilnehmern im Energiesystem. Gebäude können das Netz stabilisieren, Stromversorgern bieten die neuen Technologien viele Möglichkeiten, ihr Produktportfolio um Lösungen zu erweitern, die in Prosumerhaushalten ebenso gefragt sind wie bei gewerblichen oder kommunalen Kunden. Einige unserer Aussteller kooperieren bereits erfolgreich mit EVU und viele andere stehen in den Startlöchern. Das gilt für große etablierte Anbieter ebenso wie für die vielen Start-ups, die sich in Frankfurt präsentieren. Und da die Light + Building auch für das Handwerk sehr attraktiv ist, finden technische Fachkräfte hier viele Impulse und Lösungen, die sie in ihrer täglichen Arbeit weiterbringen.
Warum lohnt es sich für Aussteller und Besucher ganz generell, auf einer Messe präsent zu sein?
Ich glaube, dass persönliche Kontakte und das unmittelbare Erleben durch nichts zu ersetzen sind: Kein größeres Projekt wird realisiert, ohne dass sich die Beteiligten persönlich gesehen und gesprochen haben. Das bestätigen auch unsere Aussteller. Aber selbstverständlich ergänzen auch wir die Präsenzveranstaltung digital – etwa durch unseren Content Hub als ganzjährige digitale Plattform oder ein neues digitales Networking-Tool, über das Aussteller und Besucher vor und nach der Messe in Kontakt treten können. Und vor Ort hilft die Light + Building-App auf unseren immerhin 230.000 Quadratmetern Brutto- Ausstellungsfläche zielgenau den richtigen Aussteller zu finden. (pq)
Die größten bürokratischen Herausforderungen
EnWG 83 % | MsbG 77 % | EEG 69 %
Die Regelungen des Strom- und des Energiesteuergesetzes (StromStG und EnergieStG) empfinden 62 % der Befragten als belastend. Netzentgeltverordnungen (GasNEV und StromNEV) werden von 53 % der Befragten als weitere Quelle bürokratischen Aufwands gesehen.

Foto: M. Schuppich / stock.adobe.com
Geld für Infrastrukturprojekte
…ist gerade für kleinere, kommunale Unternehmen nur schwer zu beschaffen. Finance Connect, ein neues Joint-Venture der Energieforen Leipzig mit zwei spezialisierten Partnern, will helfen, die Lücken zu schließen – und hat dazu sogar einen eigenen Fonds aufgelegt. (pq)
Regulierungsmanagement vereinfacht
Bei der SWS Netze GmbH, Teil des Unternehmensverbundes Stadtwerke Stralsund GmbH, erledigt die Lösung rcRegMan von regiocom nicht nur die Standardaufgaben im Regulierungsmanagement, sondern fungiert auch als Datenlieferant wie bei der Veröffentlichung von Strukturmerkmalen und Entgelten, der Absatzstrukturanalyse, der Umsetzung der Niederspannungs- und Niederdruckanschlussverordnung oder der monatlichen Veröffentlichung der Durchschnittsbrennwerte beim Gas. (pq)
www.netze-stralsund.de | www.regiocom.com
Laut IAB-Projektion wird es schwieriger werden, qualifizierte Arbeitskräfte in vielen Berufsgruppen zu rekrutieren, die entscheidend für die Umsetzung der Energiewende und der Anpassungsmaßnahmen sind. 112 Tage benötigen Arbeitgeber bereits, um in der Berufsgruppe „Energietechnik“ geeignete Bewerber:innen zu finden, im Bereich „Elektrotechnik“ dauert es sogar 114 Tage. (pq)
KI kann keine Kabel legen
Microsoft untersuchte anhand von über 200.000 Copilot-Dialogen, welche Berufsgruppen mit hoher Wahrscheinlichkeit in absehbarer Zeit durch KI ersetzt werden können. Weit vorne auf der Liste stehen Tätigkeitsfelder, in denen es darum geht, strukturiert umfangreiche Informationen zu verarbeiten, wie etwa Übersetzer oder Börsenmakler, aber auch Kundenberater im Service. Als weitgehend KI-resistent bewertet die Untersuchung Jobs „vor Ort“, bei denen situatives Denken und handwerkliche Fertigkeiten wichtig sind – etwa bei Dachdeckern, Pflegekräften oder Monteuren. The Future of Jobs Report des World Economic Forum prognostizierte bereits vorletztes Jahr, dass bis 2027 weltweit bis 83 Millionen Stellen durch KI wegfallen könnten, im Gegenzug entstünden 69 Millionen neue Stellen. (pq)
www.microsoft.com www.weforum.org
Recrutaining
Mit der Kampagne „Go for IT! Mit Recruitainment zur IT-Ausbildung“ geht das Helmholtz-Zentrum Berlin (HZB) neue Wege, um talentierte junge Menschen für eine IT-Ausbildung zu gewinnen. In dem innovativen Auswahlverfahren werden prinzipiell alle interessierten Personen zu einem Bewerbungstag am HZB – einem Event inklusive rotem Teppich, Gaming und Catering – eingeladen. Dort erwartet die Bewerber:innen nach einem kurzen Test gemeinsames „Zocken“. Dabei beobachten erfahrene Ausbilder:innen und HR- Fachleute die Teamfähigkeit und das Verhalten der jungen Menschen. Die Bewerber:innen erhalten danach unmittelbar Feedback – und im Idealfall eine Zusage für einen Ausbildungsplatz. (pq)
The place to be
Vom 10. bis 12. Februar 2026 ist es wieder so weit: Die Energiebranche und ihre Partner treffen sich auf der E-world energy & water – erstmalig in sechs bereits gut belegten Messehallen.
Tag der Kommunen
Eine weitere Premiere ist der Tag der Kommunen am 12.2.2026. Als Schlüsselakteure bei der Umsetzung der Energiewende sollen Kommunen hier eine auf ihre Anforderungen zugeschnittene Plattform finden – mit relevanten Informationen, Netzwerkformaten und konkreten Lösungen zu Themen wie kommunale Wärmeplanung, Finanzierung, Netzanschlussfragen oder Klimafolgenanpassung. (pq)
The Energy Future Leaders
Führungskräfte aus Stadtwerken, EVU und Netzgesellschaften, die die Zukunft ihres Unternehmens aktiv und informiert gestalten wollen, finden am 10. und 11. März 2026 bei den Energieforen Leipzig eine hochkarätig besetzte Plattform.
In sechs Panels sowie im persönlichen Austausch mit namhaften Führungspersönlichkeiten erhalten die Teilnehmer:innen neue Impulse zu den aktuellen Zukunftsthemen der Versorgungsbranche: Geschäftsmodelle, Netz + Wärme, Finanzierung oder neue, digitale Organisationsmodelle. Der zweite Veranstaltungstag bietet die Möglichkeit, an sechs Erlebnisstationen den eigenen Weg in die Zukunft zu erproben. (pq)






