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Beschleunigt

Wenn alles so einfach wäre wie wohlklingende Namen zu erfinden, hätten wir das „Klimaneutralitätsnetz“ schon längst. Tatsächlich ist der Aus- und Umbau der Netze von der Höchst- bis in die Niederspannung ein unfassbar komplexes, aufwändiges und investitionsintensives Vorhaben – nicht zuletzt aufgrund überbordender Bürokratie, realitätsferner regulatorischer Vorgaben und teurer Sonderwünsche, etwa im Bereich Erdverkabelung. Das sollte niemanden verwundern. Doch wichtige Rahmenbedingungen wurden verbessert, und auf allen Spannungsebenen gehen die Dinge voran. Neben dem Ausbau der Infrastruktur und der Digitalisierung von Planungs-, Betriebs- und Kundenprozessen testen die Netzbetreiber neue Verfahren für die bessere Integration volatiler Erzeugung und Lasten. Die Verteilnetze werden transparenter und vermutlich auch in absehbarer Zukunft steuerfähig.

Fertig sind wir noch lange nicht, aber auf dem richtigen Weg in eine klimaverträglichere Stromversorgung. Dieses Ziel und die Anstrengungen, die nötig sind, um es zu erreichen, sollten wir alle teilen. Sonst wird es viel teuerer. (pq)

Advertorial

Auf Innovation gebaut

Netzbetreiber stehen neben technischen auch vor rechtlichen Herausforderungen. Zu den §§ 9 EEG und 14a EnWG gesellen sich in Kürze das NIS-2-Umsetzungs- und das KRITIS-Dachgesetz.

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IM GESPRÄCH MIT…

Dr. Hendrik Neumann, Amprion GmbH

Der Ausbau der Übertragungsnetze ist das derzeit wichtigste Infrastrukturprojekt in Deutschland. Wie beurteilen Sie die Fortschritte des vergangenen Jahres?

Foto: Amprion GmbH

Der Netzausbau nimmt kräftig Fahrt auf. Derzeit befinden sich bei Amprion rund 1.400 Leitungskilometer im Bau – eine Verdreifachung im Vergleich zu 2023. Insgesamt arbeiten wir an etwa 800 Projekten, um bis zum Jahr 2045 Klimaneutralität in Deutschland zu ermöglichen. Viele Projekte haben die Genehmigungsphase abgeschlossen. Zentrale Vorhaben wie A-Nord und Ultranet werden in den nächsten zwei Jahren in Betrieb gehen. Mit der Inbetriebnahme von A-Nord sparen wir ab dem Jahr 2027 jährlich über 700 Mio. € im Engpassmanagement. Daher ist ein zügiger Netzausbau essenziell für das Gelingen der Energiewende.

Sehen Sie Möglichkeiten, dabei noch effizienter zu werden?

Mit dem Monitoringbericht des BMWE werden die grundlegenden Prämissen der Energiewende überprüft und bei Bedarf nachjustiert. Das halten wir für den richtigen Weg. Die letzte Bundesregierung hat die Genehmigungsverfahren wirksam beschleunigt. Das ermöglicht uns kürzere Planungszeiträume. So können wir aktuelle Entwicklungen wie den langsameren Hochlauf der Elektrofahrzeuge und Wärmepumpen besser in die Planung einbeziehen.

Gibt es aus Ihrer Sicht weitere Potenziale für die Integration der Erneuerbaren und die Erhaltung der Netzstabilität ?

Der Netzausbau bleibt weiterhin der entscheidende Hebel für die Integration der Erneuerbaren. Für die Netzstabilität müssen Erneuerbare künftig einen wesentlichen Beitrag leisten. Besonders bei PV-Anlagen besteht Handlungsbedarf: Viele Anlagen sind nicht in den Markt integriert und speisen trotz negativer Preise ein. Das Prinzip „Produce and Forget“ funktioniert so nicht mehr. Viele Anlagen sind zudem nicht steuerbar. Das ist aber notwendig, um bei einer drohenden Überlastung eingreifen zu können. Positiv ist: Wir beobachten, dass große Anlagen mittlerweile stärker auf Preise reagieren und häufiger abregeln.

Zusätzlich bauen wir eigene Anlagen ins Netz, um die Stabilität zu gewährleisten. Bereits in Betrieb sind rotierende Phasenschieber, Drosseln und STATCOMs. Allein seit 2023 haben wir 16 neue Anlagen in Betrieb genommen, weitere sind geplant. Aber das allein reicht nicht. Dringend bleibt die Aktualisierung der technischen Anforderungen für Anlagen im kontinentaleuropäischen Verbundnetz; Vorschläge der Branche liegen der EU-Kommission vor, eine zügige Inkraftsetzung wäre ein wichtiger Schritt für die Netzsicherheit.

Sie haben mit sieben europäischen ÜNB eine Innovationsallianz gegründet. Was ist die Idee hinter der Initiative?

Mit der TSO Innovation Alliance wollen wir Wissen und Ressourcen der ÜNB bündeln, aber auch externes Know-how einbeziehen. Die vielversprechendsten Ideen europäischer Start-ups und etablierter Unternehmen wählen wir aus, um sie gemeinsam zu erproben. Ein erster Schwerpunkt soll auf dem Thema „Wetter und Netzstabilität“ liegen. Hier laufen Klimafolgen, Betriebssicherheit und technologische Innovation zusammen. Extremwetterereignisse in Europa werden weiter zunehmen, außerdem bewegen wir uns auf eine stark wetterabhängige Energieversorgung zu.

Wo sonst ist die Kooperation europäischer ÜNB wichtig?

Ein gutes Beispiel dafür ist die Offshore-Netzplanung. In der Nordsee entsteht künftig das größte Kraftwerk Europas. Nur gemeinsam können wir eine nachhaltige und vernetzte Offshore-Zukunft für Europa gestalten, in enger Zusammenarbeit mit der Politik, Behörden und Kraftwerksbetreibern. Eine weitere wichtige Zusammenarbeit auf europäischer Ebene liegt in der Entwicklung gemeinsamer Plattformen für den Austausch von Regelenergie.

Auch an der Schnittstelle zum Verteilnetz tut sich ja vieles.

Ein besonderes Projekt ist der dezentrale Netzbooster: ein modularer Großbatteriespeicher, der binnen Sekunden aktiviert werden kann und so kurzfristig Engpässe behebt und Leitungen schon im Normalbetrieb höher auslastet. 2028 geht er gemeinsam mit E.ON, LEW-Verteilnetz und EDF power solutions Deutschland ans Netz. Wird er nicht zur Stabilisierung des Übertragungsnetzes benötigt, kann LEW ihn zur Entlastung des regionalen Stromnetzes einsetzen. In den Sommermonaten darf EDF die Speicher zusätzlich am Strommarkt vermarkten. Diese Dreifach-Nutzung optimiert den volkswirtschaftlichen Nutzen und ist bislang weltweit einzigartig. Mit dem Projekt „KuPilot“ erproben Amprion, TenneT und RWE kurativen Redispatch. Unser Ziel ist es, Kapazitäten im Netz besser auszunutzen, um dadurch Redispatch-Kosten einzusparen. Kommt es zu einem Engpass, schützen wir unsere Leitungen nicht, wie bisher, durch präventive Maßnahmen, sondern wir greifen punktgenau ein – also erst wenn ein Fehler tatsächlich auftritt. Möglich wird das durch die automatische Steuerung eines Pumpspeicherkraftwerks sowie eines Offshore-Windparks.

Was halten Sie noch für wichtig, um den Umbau unserer Stromversorgung erfolgreich umzusetzen?

Damit die Energiewende gelingt, brauchen wir einen ganzheitlichen Blick auf die unterschiedlichen Herausforderungen. Die besten Lösungen entstehen durch ein Zusammenspiel verschiedener Disziplinen. Im Future Transmission Lab von Amprion arbeiten wir deshalb nicht nur mit Ingenieuren zusammen, sondern auch mit Umweltökonomen, Raumplanern, KI-Experten und Juristen. Dieses Jahr haben wir erstmals einen Energy Innovators Summit in Berlin mit Teilnehmenden aus verschiedenen Disziplinen veranstaltet. Für mich besonders beeindruckend: Der Wille zum „Machen“ ist dort überall spürbar. (pq)

www.amprion.net

 

Netzausbau: Planungs- und Baufortschritt in Leitungskilometern (BBPIG und EnLAG)

Zum 30. Juni 2025 umfassten das BBPlG und das EnLAG zusammen 128 Vorhaben mit insgesamt 418 Abschnitten und einer ungefähren Gesamtlänge von 16.779 km.

 

Bauernfrieden

Amprion und Landwirtschaftsverbände aus Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Hessen haben erstmals eine übergreifende Rahmenregelung für die Umsetzung von Erdkabelprojekten vereinbart. Sie legt unter anderem fest, wie die Inanspruchnahme landwirtschaftlicher Grundstücke durch den Bau, Bestand, Betrieb und Unterhalt der Erdkabelleitungen erfolgen soll, und regelt die damit verbundenen Entschädigungszahlungen und Maßnahmen zum Bodenschutz. Die Vereinbarung soll die Grundlage für die privatrechtlichen Regelungen für die Energiekorridore Rhein-Main-Link, Korridor B und Windader West bilden, die sich im Genehmigungsprozess befinden. (cp)

www.amprion.net


Genehmigt

Über acht Jahre nach den ersten Planungen hat TransnetBW im Oktober von der Bundesnetzagentur den Planfeststellungsbeschluss für den Thüringer Abschnitt des insgesamt 700 Kilometer langen Stromkorridors SuedLink erhalten. Auch das Planfeststellungsverfahren für den letzten von sieben Abschnitten der Stromleitung Ultranet ist abgeschlossen. Beide Vorhaben sind damit vollständig genehmigt. (pq)

www.bundesnetzagentur.de

Foto: jat306 / stock.adobe.com

Im Tunnel

Um die Versorgungssicherheit in den kommenden Jahren und Jahrzehnten zu gewährleisten, muss die Transportkapazität des von 50Hertz betriebenen Über- tragungsnetzes erhöht werden. Daher plant das Unternehmen drei neue unterirdische Stromautobahnen, die vorwiegend in Tunneln tief unter Berlin verlaufen sollen. (pq)

www.50hertz.com

A, B oder C?

Das Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) hat drei Szenarien für den zukünftigen Netzbedarf entwickelt:

Netzoptimierende Maßnahmen sollen die Auslastung des Übertragungsnetzes erhöhen. Sie umfassen unter anderem lastflusssteuernde Maßnahmen durch den Einbau spezieller Netzbetriebsmittel. Aktuell sind acht lastflusssteuernde Maßnahmen geplant oder im Bau.

Foto: Mainova AG

In Frankfurt am Main ist ein Phasenschiebertransformator am Umspannwerk Frankfurt Nord in den Regelbetrieb gegangen. Nach Angaben der Mainova AG ist es die erste Anlage dieser Art in Deutschland. Bis 2026 soll am Standort Frankfurt Nord ein zweiter Transformator hinzukommen. (pms)

www.mainova.de

Netzbooster-Anlagen könnten durch eine reaktive Netzbetriebsführung Kosten für Redispatchmaßnahmen einsparen. Derzeit sind vier Netzbooster-Anlagen geplant oder im Bau. Davon sind zwei Teil des Startnetzes des NEP 2023-2037.

Foto: Transnet BW


Der Netzbooster der Transnet BW soll – fünf Jahre nach Beginn des Antragsverfahrens – im kommenden Jahr in Betrieb gehen. Die netzplanerische Betrachtung hatte ergeben, dass am Netzknoten Kupferzell das größte Potenzial zur Netzoptimierung vorhanden ist. Konkret kann hier die größte Anzahl an Engpassstunden vermieden und die Leistung prozentual am stärksten reduziert werden. (pq)

www.transnetbw.de

Foto: Frank Föckersberger GmbH


Die Frank Föckersperger GmbH aus dem mittelfränkischen Aurachtal hat ein Verfahren entwickelt, bei dem Leerrohre für Höchstspannungsleitungen mit Hilfe eines speziellen Rohr- und Kabelpflugsystems direkt in den Boden eingezogen werden. Der Boden wird dabei nicht aufgerissen, sondern nur verdrängt – die Oberfläche bleibt nahezu unversehrt. (pq)

www.kabelpflug.de

Redispatch 3.0

Im Pilotprojekt OctoFlexBW untersuchen Octopus Energy und TransnetBW, wie sich die Flexibilität von E-Autos nutzen lässt, um Redispatch-Maßnahmen marktbasiert und effizient umzusetzen. Die erste Projektphase mit rund 100 E-Fahrzeugen verlief laut Projektpartnern erfolgreich: Der automatisierte Datenaustausch der Plattformen DA/RE von TransnetBW und Kraken bei Octopus funktionierte zuverlässig, etwa ein Drittel der Elektroautos wurde bei Abrufen aktiv gesteuert – mit einer Erbringungsgüte von mehr als 90 Prozent. Die zweite Phase sieht nun die Ausweitung auf 1.500 oder mehr Fahrzeuge vor. Zudem sollen alle energiewirtschaftlichen Prozesse bilanziert und Prognose- und Monitoringsysteme weiterentwickelt werden. (pms)

www.transnetbw.de www.octopusenergy.de